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Kinder bewerfen Auto mit Schlamm in Sankt Augustin - 6000 Euro Schaden

Sankt Augustin : Mehr als 6 000 Euro Schadensersatz nach Schlamm-Attacke

Zwei Kinder haben in Sankt Augustin ein Auto beschädigt. Doch nicht alle Schäden, auf deren Regulierung die Besitzerin pocht, stammen aus Sicht des Landgerichts Bonn von den Kindern.

Zwei Kinder haben von ihrer Kita in Sankt Augustin aus ein Auto mit Schlamm beworfen. Das Bonner Landgericht hat der Besitzerin nun Schadensersatz zuerkannt. Mit bloßem Waschen war es da nicht mehr getan. Erst nachdem die dicke Schlammschicht im Rahmen einer 300 Euro teuren Spezialwäsche von der Karosserie des metallicbraunen Hyundai gewaschen war, sah man nämlich den eigentlichen Schaden: Unzählige Kratzer und Risse im Lack des Wagens, Heck- und Frontscheibe waren durch kleine Steinschläge ruiniert. Die elektrischen Fensterheber und Außenspiegel ließen sich nicht mehr ohne deutlich vernehmbares Knirschen betätigen. Eine Zivilkammer des Landgerichts entschied, dass der Schadensersatz sich auf 6.248 Euro zuzüglich fünf Prozent Zinsen belaufen soll.

Die Klägerin hatte ihren Wagen wegen eines Krankenhausaufenthalts am Straßenrand abstellen müssen und das Fahrzeug später komplett mit Matsch und Sand eingedeckt vorgefunden. Ursache der Schlammorgie war kein spontan durchgeführtes Motocross-Rennen und auch keine Überflutung: Zwei kleine Jungs hatten stattdessen den „Wasserschöpfbereich“ ihrer Kita ein wenig ausgedehnt und durch den Zaun hindurch zugesehen, wie der Wagen der 27-Jährigen langsam unter ihrem Wurfmaterial verschwand.

Besitzerin verklagt Stadt Sankt Augustin

Weil die Erzieherinnen der städtischen Einrichtung ihrer Aufsichtspflicht nicht ausreichend nachgekommen seien, war die Eigentümerin des Wagens vor Gericht gezogen. Auf die stolze Summe von 9.600 Euro hatte sie die Stadt Sankt Augustin verklagt, weil die Jungs über einen längeren Zeitraum nicht beaufsichtigt worden seien. Die Kita-Leitung hatte die Schlammattacke sofort unumwunden eingeräumt und sich gemeinsam mit den kleinen Übeltätern entschuldigt. Die Kommune hatte sich aber gegen die Höhe der Forderung gewehrt. Ein vom Gericht bestellter Gutachter hatte die Kosten für Instandsetzung und Lackierung des Pkw auf etwa 4.500 Euro geschätzt.

Bei den Reparaturkosten musste sich die Klägerin einen deutlichen Abschlag gefallen lassen: Statt der knapp 8.000 Euro, die die Halterin haben wollte, sah die Kammer den Schaden nur bei der vom Gutachter geschätzten Summe. Insbesondere einige Dellen auf dem Dach und der Motorhaube resultierten nämlich nach Meinung des Experten aus Vorschäden. Das habe eine Auswertung des Wurfwinkels ergeben, den die Kids von ihrer Position hinter dem Zaum maximal hätten erreichen können. Die nicht gerade günstige Wäsche bekommt die Besitzerin aber genauso erstattet, wie die Kosten für ein erstes Gutachten.