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Interview mit Autorin Silvia Möller: Kriminelles rund um den Kirchturm

Interview mit Autorin Silvia Möller : Kriminelles rund um den Kirchturm

Detektive im Zeichen christlicher Werte: Kommunionkinder ermitteln und lösen in Silvia Möllers Krimis komplizierte Fälle. Die Bücher der Autorin aus Hangelar sind beliebt – und klettern bei Amazon sogar auf Platz eins der Bestsellerliste.

Ihre Helden entlarven Kunstfälscher, vereiteln Entführungen und bringen gestohlenes Diebesgut zutage. Sie sind clevere Detektive im Alter von Schülern. „Sie sind völlig normale Kinder“, sagt die Autorin der Krimireihe, deren Hauptdarsteller ein wenig an die „Pfefferkörner“ aus der gleichnamigen Fernsehserie oder „Die drei Fragezeichen“ von Alfred Hitchcock erinnern. Was Silvia Möllers Krimi-Helden von den berühmten Altersgenossen unterscheidet, ist ein Detail, das auch die Zielgruppe ihrer Leser genauer definiert. Ihre Helden sind Kommunionkinder, die kurz vor ihrer Erstkommunion spannende Fälle rund um ihren Kirchturm erleben. Wie Silvia Möller ihr einzigartiges Genre fand, was sie bewegt und warum die christlichen Werte ihrer Krimi-Helden richtig „cool“ sind, verriet die Augustiner Erfolgs-Autorin im Gespräch mit Susanne Haase-Mühlbauer.

Ihren ersten Erstkommunions-Krimi „Der geheimnisvolle Diebstahl“ von 2014 gibt es inzwischen in der 9. Auflage. Er ist Amazon-Bestseller Nummer eins in der Sparte religiöse Literatur für Kinder – Nachfrage ungebrochen. Wie erklären Sie sich diesen Hype?

Silvia Möller: Was die Geschichten mit den Kindern machen, das entdecke ich oft bei Lesungen. Die Kinder fiebern gespannt mit, sie finden diese Geschichten einfach spannend und identifizieren sich mit den Figuren in den Krimis. Wenn es zum Beispiel um den Diebstahl eines Papageis geht, dann ist das für Kinder im Alter von neun oder zehn Jahren eine richtige Entführung. Sie wollen helfen. Kinder sind gerne hilfsbereit und wollen sich auf vielen Ebenen solidarisch zeigen.

Also geht es letztlich um christliche Werte?

Möller: Ganz klar, das sind christliche Werte, wie Freundschaft, Hilfsbereitschaft, Nächstenliebe, Solidarität. Die Themen sind immer aktuell und beschäftigen die Kinder. Das entdecke ich immer wieder im Gespräch mit den Kommunionskindern als Katechetin in Hangelar.

Wie gehen denn die Kommunionkinder mit der Corona-Situation um?

Möller: Wir feiern auf dem Weg zur Erstkommunion in regelmäßigen Abständen unsere sogenannten Wege-Gottesdienste. Dabei spürt man ganz deutlich, wie wichtig es den Kindern ist, zur Kommunion zu gehen. In Hangelar sind es 34 Kinder, die sich auf ihr großes Fest freuen und dankbar sind, dass es stattfindet, wenn auch erst im Juni und mit Einschränkungen.

Sie haben als Journalistin unter anderem für RTL gearbeitet und auch als Pressesprecherin für den Bundestag. Wie kamen Sie dazu, das Genre zu wechseln zur Autorin von Kinderkrimis?

Möller: Als der Bundestag nach Berlin zog, bin ich in Hangelar geblieben und habe das auch nach den Geburten unserer drei Kinder nicht bereut. Der Hangelarer Pfarrer Georg Schwikart, mit dem ich befreundet bin, bat mich damals, weil er viele Aufträge parallel hatte, eines seiner Buchprojekte zu übernehmen. Daraus sind dann schließlich acht Erstkommunions-Krimis und ein paar andere Kinderbücher geworden.

Welchen Bezug haben die Krimis zu christlichen Themen?

Möller: Es sind keine christlichen Sachbücher, keine staubtrockenen Texte, sondern Krimis. Am Ende jeden Buches steht die Feier der Erstkommunion genauso wie die Lösung des aktuellen Falls. Oft spielt bei der Aufklärung eine biblische Geschichte, wie das Gleichnis vom “Barmherzigen Vater“, eine Rolle, oder ich lasse die Kinder im Krimi gleich nach einem gestohlenen Evangeliar suchen.

Das erinnert an die drei Fragezeichen von Hitchcock. Standen diese Kultfiguren Pate?

Möller: Tatsächlich war ich als Kind großer Fan der Reihe, aber in meinen Krimis sind die „Helden“ realistischer und mit neun Jahren auch viel jünger. Keiner von ihnen wird wie Justus mit dem Rolls zur Schule gefahren oder hat ein ausgefeiltes Detektiv-Equipment zur Lösung der Fälle parat. Meine Kinder sind ganz normale Kinder, die halt auch zur Kommunion gehen. Aber das ist längst nicht alles.

Sie leben mit ihrer Familie in Hangelar. Findet man Lokalkolorit in Ihren Storys wieder?

Möller: Wenn man die moderne Hangelarer Kirche Sankt Anna aus den 70ern kennt, dann kann man sie in einer Geschichte wiedererkennen und auch das Evangeliar, das in einer anderen Geschichte verschwindet, gleicht in der Illustration dem Hangelarer Original, aber grundsätzlich schreibe ich keine Lokalkrimis, sondern für Kinder in ganz Deutschland.

Was sagen Ihre eigenen Kinder zu Ihren Krimis?

Möller: Mit 15, 18 und 21 Jahren sind sie inzwischen aus dem Alter heraus. Zur Sprache der Jugendlichen befrage ich meinen jüngsten Sohn aber immer noch und bin froh, wenn ich schon mal einen Tipp bekomme, welche Ausdrücke noch angesagt sind oder was man besser weglässt.

Kann man im digitalen Zeitalter Kinder noch für´s Lesen interessieren?

Möller: Unbedingt. Viele sind natürlich Handy-affin, aber das ist ja kein Hinderungsgrund, trotzdem zu lesen.

Gibt es schon einen Plan für das  nächste Buch?

Möller: Ich bin mitten drin. Zurzeit tauschen meine Lektorin, Christine Lückel, und ich fleißig Ideen aus. Wir arbeiten schon seit Jahren ganz wunderbar zusammen. Ende August soll mein nächster Krimi dann fertig sein. Vorher kommt der Text allerdings noch zum Illustrator Manfred Tophoven, der seine tollen Bilder einbringt. Die Bücher entstehen immer im Team. Darüber bin ich sehr glücklich.

Verraten Sie uns schon etwas über das Thema Ihres nächsten Krimis?

Möller: Die Kinder decken eine Umweltsünde auf. „Fridays for Future“  zeigt ja, dass das Bewusstsein für die Umwelt gerade bei jungen Menschen schon stark ausgeprägt ist. Sie wissen, dass Gott die Erde erschaffen hat und dass wir die Schöpfung bewahren müssen.