Urteil asm Landgericht Bonn Trio muss sich für Überfall auf Pizzabäcker verantworten

Sankt Augustin · Sie hatten es auf die Tageseinnahmen der Pizzeria abgesehen: Zwei Brüder aus Sankt Augustin und ein weiter Mann mussten sich vor dem Landgericht Bonn für den Überfall auf einen Freund verantworten.

 Nach dem Überfall auf einen Freund stande nun drei Männer vor dem Bonner Landgericht. (Symbolbild)

Nach dem Überfall auf einen Freund stande nun drei Männer vor dem Bonner Landgericht. (Symbolbild)

Foto: dpa/Oliver Berg

„Das war haarscharf“, sagte die Vorsitzende Richterin an den älteren der beiden Brüder gewandt: „Das war ein Überfall auf Ihren Kumpel und ist damit an Perfidie eigentlich kaum zu überbieten“. Zu exakt zwei Jahren Haft wegen versuchten Raubes und damit an der äußersten Grenze zu einer bewährungsfähigen Strafe hatten die Richter der 2. Großen Strafkammer unter dem Vorsitz von Johanna Wieland soeben den angesprochenen 22-jährigen Mann aus Sankt Augustin verurteilt. Sein ein Jahr jüngerer Bruder kam ebenfalls mit einer Bewährungsstrafe davon; ein Jahr und drei Monate fanden die Richter für seinen Tatbeitrag angemessen.

Der Haupttäter, ein 28-jähriger Freund der Brüder, muss für seine Beteiligung an dem Raubüberfall auf den Sohn eines Sankt Augustiner Pizzabäckers allerdings für fünf Jahre hinter Gitter. Er wurde des versuchten besonders schweren Raubes und der gefährlichen Körperverletzung für schuldig befunden. In dieser Gesamtfreiheitsstrafe findet sich aber auch die Strafe für einen weiteren Raubüberfall wieder, für den der Täter im Januar 2022 bereits zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden war.

Die Tat war im wahrsten Wortsinn die Folge einer Pizza Connection: Das Brüderpaar bewohnte die Wohnung über einem italienischen Restaurant. Der ältere Bruder hatte sich im Frühjahr vor drei Jahren mit dem Sohn des Inhabers angefreundet und im Spätsommer des Jahres verbrachten die beiden jungen Männer fast täglich ihre Freizeit zusammen. So auch in der Nacht vom 22. auf den 23. September 2021. Die Freunde hatten sich zum gemeinsamen Zocken an der Playstation verabredet.

Was der Sohn des Pizzabäckers allerdings zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen konnte – der neue Bekannte hatte einen Plan geschmiedet, wie er seinen Kumpel um die Tageseinnahmen der Pizzeria bringen wollte. Die Eltern des ahnungslosen Opfers waren verreist und der nun verurteilte ältere Bruder wusste, dass der Sohn den Laden für einige Zeit alleine schmiss. Auch wusste er, dass der Nachwuchsgastronom die meist durchaus erklecklichen Tageseinnahmen abends immer bei sich führte.

Platzwunden am Kopf

So rief er den nun ebenfalls verurteilten 28-Jährigen heimlich an, behauptete, der Pizzabäcker schulde ihm Geld und überredete den Kumpel am Telefon, den Sohn des Pizzabäckers auf dem Heimweg zu überfallen. Der 28-Jährige willigte ein, und weil er keinen Führerschein hatte, sollte der jüngere Bruder ihn abholen. So geschah es denn auch, der Überfall blieb allerdings erfolglos. Obwohl der 28-Jährige mit einem 20 Zentimeter langen, harten Stock mehrfach auf sein Opfer einschlug, gelang es ihm nicht, dessen Bauchtasche mit den Tageseinahmen zu erbeuten. Das Opfer erlitt allerdings mehrere Platzwunden am Kopf, die im Krankenhaus genäht werden mussten.

Vor Gericht verfolgten die drei frisch Verurteilten den Richterspruch zunächst ohne sichtbare Reaktion. Die Brüder hatten die Tat im Lauf der Verhandlung eingeräumt, die Aussage des Bekannten werteten die Richter allerdings nur als Teilgeständnis. Nach einiger Zeit war aber den beiden Brüdern, die sich – wie es die Vorsitzende ausdrückte – privat und beruflich durchaus „auf Spur“ befänden, die Erleichterung dann doch anzumerken. Der älteste Verurteilte wurde hingegen sichtbar nervös, als ihn die Richterin noch einmal persönlich ins Gebet nahm.