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Gutenbergschule in Sankt Augustin: Lieder und Gebete aus dem Automaten

Gutenbergschule in Sankt Augustin : Lieder und Gebete aus dem Automaten

Der „Gebetomat“ macht drei Wochen lang Station in der Förderschule. Schüler können aus 300 religiösen Texten in 65 Sprachen wählen. Sechs Automaten sind weltweit verteilt.

Auf den ersten Blick wirkt der große rote Kasten im Veranstaltungsraum der Gutenbergschule zwar deplatziert, aber unauffällig. Der dicke Vorhang, der kleine Hocker und auch das Bedienungsfeld erinnern an einen ganz gewöhnlichen Passfoto-Automaten. Doch der „Gebetomat“ produziert keine Fotos, sondern spielt Gebete und Lieder ab. Über 300 religiöse Texte in insgesamt 65 Sprachen beherrscht die Maschine. Drei Wochen steht der „Gebetomat“ in der Gutenbergschule einzelnen Schülern und Schulgruppen kostenlos zur Verfügung. An den Donnerstagen 9. und 16. Februar können ihn von 12 bis 14 Uhr auch Anwohner kostenfrei nutzen.

Mit 0,8 Quadratmetern ist der „Gebetomat“ wie eine kleine Mischung aus Passfoto-Automat und spirituellem Raum. Der Vorhang wird zugezogen, das Bedienfeld via Touch-Funktion betätigt, und schon begrüßt eine weibliche Stimme den Benutzer und informiert ihn über die Funktionen des Automaten, die Einstellungen und die Regulierung der Lautstärke.

Dann hat der Besucher die Möglichkeit, Gebete aus den fünf großen Weltreligionen sowie aus zahlreichen anderen Glaubensrichtungen und religiösen Gemeinschaften auszuwählen. Neben bekannten christlichen Gebeten wie dem Vaterunser stehen ihm so auch tibetanische Mönchsgesänge, Korangebete, jüdische Lieder bis hin zu indianischen Gesängen zur Verfügung. In 65 Sprachen beherrscht die Maschine etwa 320 Gebete und Gesänge. „Als ich von dem Angebot des Schulpastorals des Erzbistums Köln hörte, war ich von der Idee sofort begeistert. Dass wir nun tatsächlich drei Wochen lang Schülern und Anwohnern den 'Gebetomat' zur Verfügung stellen können, freut mich sehr“, sagt Religionslehrer Bastian Beck. Zudem sei er eine schöne Ergänzung zum Religionsunterricht, ein gesonderter Raum der Ruhe und der Spiritualität und auch ein schönes Mittel im Dialog der Religionen.

Der „Gebetomat“ ist eine Erfindung des Berliner Künstlers Oliver Sturm. Insgesamt sechs Automaten sind aktuell weltweit verteilt und stehen an öffentlichen Plätzen. Seit etwa einem Jahr ist der Automat, der nun in der Gutenbergschule in Sankt Augustin steht, auf Deutschland-Tournee. Ob die Besucher den Ort nutzen, um sich Gebete anzuhören, selbst zu beten oder nur die Ruhe zu genießen, ist ihnen überlassen. „Ich finde den Automaten ziemlich cool. Die Idee ist wirklich super. Vielleicht nutze ich den 'Gebetomaten' selber mal“, sagt Malizia aus der siebten Klasse. „Glaube und Religion spielten bei mir in der Familie schon immer eine Rolle. Früher haben wir immer vor dem Abendessen gebetet. Ich kann mir gut vorstellen, selbst mal im 'Gebetomaten' zu sitzen und zu beten“, so der Jan Niclas.