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Kommunalwahl 2020: Marc Knülle möchte Bürgermeister von Sankt Augustin werden

Kommunalwahl 2020 : Marc Knülle möchte Bürgermeister von Sankt Augustin werden

Marc Knülle (SPD) will als Bürgermeister in Sankt Augustin viel Erfahrung einbringen. Auf seiner Agenda hat er unter anderem den Ausbau der Stadt als Gesundheitsstandort, die Digitalisierung der Schulen und die Verbesserung des Radwegenetzes.

Er hat viel erlebt, nicht nur in der Sankt Augustiner Kommunalpolitik. Und er hat es gerne perfekt. Wenngleich sein perfektes Dinner in der gleichnamigen TV-Show im Jahr 2006 nur für den zweiten Platz reichte. Für TV-Shows wird Marc Knülle keine Zeit mehr haben, wenn er Bürgermeister von Sankt Augustin wird. Der Sozialdemokrat wagt wieder den Sprung nach ganz oben, in den Chefsessel in der vierten Etage des Rathauses. Zum dritten Mal stellt sich der Hangelarer den Bürgern zu Wahl, nach zwei vergeblichen Anläufen 2009 (37,8 Prozent) und 2014 (40,3 Prozent) den Amtsinhaber Klaus Schumacher abzulösen, der nicht wieder antritt.

Wenn er es denn schaffen sollte, wird der 47-Jährige auch auf seine zweite Leidenschaft neben dem Kochen verzichten und seinen Job als internationaler Hockey-Schiedsrichter an den Nagel hängen müssen. „Ich weiß schon genau, worauf ich mich einlasse“, sagt Knülle, der endlich seinen Lebenstraum verwirklichen will. Nach der Pfeife sollen die Mitarbeiter im Rathaus nicht tanzen, sollte er Verwaltungschef werden. „Ich möchte den Mitarbeitern viel freie Hand lassen“, sagt Knülle und deutet an, wie er führen will – mit eher kooperativem Stil.

Bereits eine Menge Erfahrung gesammelt

Marc Knülle hat eine Menge Erfahrung gesammelt. Seit 28 Jahren macht er Ratsarbeit, davon 16 Jahre als SPD-Fraktionsvorsitzender. „Da lernt man viel. Die letzten Jahre in der ‚Smarties’-Kooperation mit den Grünen und der FDP habe ich kommunalpolitisch den letzten Schliff bekommen.“ Mit dieser Zusammenarbeit habe man im Rat einen erfolgreichen Politikwechsel vollzogen. „Wir haben ohne Koalitionsvertrag immer auf Augenhöhe vertrauensvoll zusammengearbeitet“, sagt Knülle auch mit Blick auf die Gründung der Sankt Augustiner Stadtwerke.

Er hat sich über lange Zeit bestens bewegt in der Kommunalpolitik und sich so das Rüstzeug für höhere Weihen geholt. Die wichtigen Themen sind ihm präsent, seinen Wahlkreis „Neuer Niederberg“ hat er immer direkt gewonnen. „Ich weiß, wie die Stadt tickt, und bin sehr gut vernetzt“, sagt er. Im Stadtrat seien in den vergangenen sechs Jahren viele Entscheidungen getroffen worden. Aber die Umsetzung sei nicht immer so gelaufen, wie er sich das gewünscht hätte. „Um das zu ändern, möchte ich Bürgermeister werden.“

Chancen schätzt er als gut ein

Seine Chancen schätzt er als gut ein. „Nicht zuletzt, weil der Amtsinhaber nicht mehr ins Rennen geht.“ Max Leitterstorf (CDU) heißt sein Gegner. „Da ist alles offen“, so Knülle. Er habe bereits sehr viel Resonanz aus der Bürgerschaft bekommen. „Viel Zuspruch, aber auch konstruktive Kritik.“ Derzeit fährt er fast jeden Tag drei Stunden mit seinem „Knülle-E-Smart“ und Stadtrats- und Kreistagskandidaten durch die Wohnquartiere, um mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen. „Auf dem Bürgersteig, im Vorgarten oder am Balkon. Wegen Corona mussten wir den Wahlkampf umstellen“, sagt er, der überdies intensiv die sozialen Netzwerke als Kandidaten-Plattform nutzt. „Da bekommt man ein gutes Gefühl dafür, welche Themen die Bürger interessieren.“

Was ihn interessiert, liegt auf der Hand. Er will die Stadt weiter entwickeln, und das mit klaren Zielen: Verbesserung der Kooperation mit der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, Ausbau der Stadt als Gesundheitsstandort, das Schaffen einer neuen grünen Lunge als Naherholungsgebiet zwischen Zentrum und dem Ortsteil Menden, die Verbesserung des Radwegenetzes mit Verbindungen nach Bonn und Troisdorf sowie die Digitalisierung der Schulen und den Erhalt der Kinderklinik. Die rund 600 Mitarbeiter starke Stadtverwaltung will er als Arbeitgeber attraktiver machen und noch mehr als Dienstleister etablieren. Das Online-Angebot im Bürgerservice will er ausweiten. Zudem sollen die Bürger bei Entscheidungen und Projekten früher eingebunden werden.

Entwickeln will er das Gewerbegebiet „Butterberg“ mit der Hochschule zusammen. „Wir brauchen dringend flexible Büroräume.“ Die Hochschule habe erfreulicherweise viele Ausgründungen. „Doch wenn sie das Laufen gelernt haben, sind sie schon wieder weg.“ Marc Knülle, der Volkswirtschaft studiert hat und als Vertriebsleiter eines Getränkeherstellers arbeitet, ist Sankt Augustin immer treu geblieben, auch nach zwei vergeblichen Anläufen zum Bürgermeisteramt. Er fühlt sich gut gerüstet für den dritten Versuch - vielleicht seine letzte Chance.