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Kommunalwahl in Sankt Augustinl: Max Leitterstorf wird neuer Bürgermeister

Kommunalwahl in Sankt Augustinl : Max Leitterstorf wird neuer Bürgermeister

SPD-Kandidat Marc Knülle verliert zum dritten Mal bei einer Bürgermeisterwahl. Sieger des Wahlabends in Sankt Augustin sind die Grünen. Fraktionschef Metz holt sogar ein Direktmandat.

Sankt Augustin hat einen neuen Bürgermeister. Der Christdemokrat Max Leitterstorf, kommunalpolitisch bisher ein eher unbeschriebenes Blatt, wird Nachfolger von Bürgermeister Klaus Schumacher und SPD-Kandidat Marc Knülle muss nach zwei vergeblichen Anläufen 2009 und 2014 erneut eine Niederlage hinnehmen. Nach Auszählung aller 56 Stimmbezirken stimmten 53,4 Prozent der Wähler für Leitterstorf, 46,3 Prozent gaben Knülle ihre Stimme.

Enttäuschte Gesichter bei der SPD, Jubel bei der CDU, die erneut den Bürgermeister stellt. Da waren die geringen Verluste zu verschmerzen, verlor die CDU bei den Ratswahlen rund ein Prozent der Stimmen. Sie bleibt stärkste Fraktion im Stadtrat. Die SPD musste Federn lassen. Sie verlor mit 27,2 Prozent rund fünf Prozent.

„Viel harte Arbeit“ für die Grünen

Euphorie gab es indes bei den Grünen, die ihren Stimmenanteil mit 19,7 Prozent fast verdoppelten und sich als klarer Sieger fühlen dürfen. „Wir freuen uns sehr darüber. Es bedeutet aber auch viel harte Arbeit“, sagte Grünen-Fraktionschef Martin Metz, der in Meindorf mit fast 34 Prozent sogar ein Direktmandat für die Grünen holte. Die FDP blieb mit 4,4 Prozent unter fünf Prozent, der Aufbruch kam auf rund 3 Prozent, die Linken auf 2,3, die Volksabstimmung auf knapp zwei Prozent.

Es war zunächst ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Knülle und Leitterstorf. Indes zeichnete sich schon früh ab, dass der 35-jährige Leitterstorf, Professor für Betriebswirtschaft an der Hochschule Bonn Rhein-Sieg, immer eine gute Nasenlänge voraus war. Am Ende waren es rund sieben Prozent mehr. „Ich wünsche dem neuen Bürgermeister sehr, dass er das Vertrauen der Bürger und der Verwaltungsmitarbeiter gewinnen und die Stadt trotz aller Schwierigkeiten in eine gute Zukunft führen kann“, sagte Noch-Bürgermeister Klaus Schumacher, der Leitterstorf noch am Abend einen Blumenstrauß im Rathaus überreichte.

„Ich freue mich sehr über das Ergebnis und bedanke mich bei allen, die mich gewählt haben, besonders bei meiner Frau, die mir den Rücken freigehalten hat“, sagte Leitterstorf. Wichtig für die Stadt sei jetzt, dass es eine stabile Mehrheit unter der Führung der CDU im Stadtrat gebe. Das sei entscheidend für die Entwicklung der Stadt. „Wir sind auf eine Zusammenarbeit angewiesen und offen für Gespräche mit allen demokratischen Parteien“, so Wahlsieger Leitterstorf. Noch bis zum 31. Oktober ist Schumacher im Amt. Am 4. November kommt der Stadtrat zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen, in der Leitterstorf vereidigt wird.

Knülle macht im Rat weiter

SPD-Kandidat Knülle zeigte sich als fairer Verlierer und wird weitermachen. „Es hat nicht geklappt, und ich bin enttäuscht“, so Knülle, der Leitterstorf gratulierte. „Aber wir haben ja mit unserer Kooperation mit den Grünen und der FDP eine Mehrheit. Da wollen wir die erfolgreiche Zusammenarbeit in den vergangenen sechs Jahren nun fortsetzen“, so der Hangelarer, der seinen Wahlkreis direkt geholt hat.

Da, wo sonst Politiker, Parteifreunde und Bürger zusammengekommen sind, herrschte schon vor Schließung der Wahllokale reges Treiben. Im Ratssaal zählten die Wahlhelfer emsig die Briefwahl aus. Keine Wahlparty – die hatten Politik und Verwaltung einvernehmlich abgesagt.

Im Kreis der Familie, mit Freunden und seiner Partei verfolgte Marc Knülle im Restaurant Pizzi Cato die digitale Auswertung der Wahlergebnisse. Foto: Thomas Heinemann

Gegenüber im Pizzacato hatte die SPD ihre private „Wahlzentrale“ eingerichtet. Mangels Party hatten sich die Parteien und ihre Parteifreunde in der Stadt verteilt und sich Restaurants für den Wahlabend ausgesucht, wo sie via Laptop, Mobiltelefon und an aufgebauten Leinwänden das Einlaufen der Ergebnisse verfolgten. Die CDU traf sich in der Burg Niederpleis, die FDP im Knusperhäuschen. Die Grüne kamen in den Ratsstuben zusammen.