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Lesung in der Hochschul- und Kreisbibliothek: Roman von Uwe Wittstock über die Tage nach der Machtergreifung 1933

Lesung in der Hochschul- und Kreisbibliothek : Roman von Uwe Wittstock über die Tage nach der Machtergreifung 1933

Die Lesung des Literaturkritikers und Buchautors Uwe Wittstock im Audimax der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg ist abgesagt. Die Vorstellung seines aktuellen Romans „Februar 33 – Der Winter der Literatur“ soll im Januar nachgeholt werden.

Berlin ist von einer dicken, schneebedeckten Eisschicht umhüllt. Das bedrohlich stille Weiß strahlt Carl Zuckmayer durch das Fenster entgegen. Immer noch hält der Erfolg seines Stücks „Der Hauptmann von Köpenick“ an, das die Zuschauer in Strömen in die Theater lockt. Doch bald wird der Schriftsteller nicht mehr viel Freude haben. Wie seine Zeitgenossen und -genossinnen Thomas Mann, Bertolt Brecht, Else Lasker-Schüler, Mascha Kaléko und viele andere Kunstschaffende wird sein kreativer Alltag in seinen Grundfesten erschüttert werden.

Samstag, 28. Januar 1933, ist der erste Tag, den Uwe Wittstock in seinem biografischen Roman schildert — zwei Tage, bevor Adolf Hitler an die Macht kam. Die Weimarer Republik erreichte ihr Ende. Bereits die ersten anderthalb Monate der Entstehung der Diktatur waren von gefährlichen Angriffen und einer Fluchtwelle der Schriftsteller und Künstler geprägt. Für fast jeden einzelnen Tag bis zum 15. März 1933 hat Wittstock Tagebuch-Einträge, Briefe und archivierte Notizen der Betroffenen aufgetrieben, um daraus ein Dokument dieses prägenden Winters zu erstellen.

Unvorstellbare Verbrechen

Dabei weist der Autor gleich zu Beginn auf nahezu unheimliche Parallelen hin, die beinahe hundert Jahre später zur heutigen Zeit gezogen werden können. Faktoren, die „nach einer fatalen politischen Fehlentscheidung“ damals in die Katastrophe führten: Die dauerhafte Empörung, die heute besonders im Netz die Spaltung der Lager vertiefe. Die Ratlosigkeit der bürgerlichen Mitte angesichts extremistischer Ausschreitungen. Der zunehmende Terror in Form von Anschlägen und Angriffen. Der wachsende Judenhass. Die Bedrohung der Weltwirtschaft durch die Finanz- und Coronakrise. Und der Aufstieg nationalistisch orientierter Regime in anderen Ländern.

Wittstock bildet in seinem Roman eine Sprache, die es schafft, biografische Informationen literarisch zu verpacken und trotz einer reduzierten Ausschmückung in den Bann zu ziehen. Die winterliche Kälte kriecht den Lesenden mit dem Fortschreiten der wiedergegebenen Tage regelrecht aus den Seiten in die Glieder. Nur um daraufhin wieder von heißer Wut auf die unvorstellbaren Verbrechen der damaligen Politik verdrängt zu werden. Besonders die Zeitzeugen können Hitlers Verbrechen kaum vorausgesehen haben, merkt Wittstock an: „Vermutlich gehört es zur Natur eines Zivilisationsbruchs, schwer vorstellbar zu sein.“

Lesung im Audimax

Wittstock arbeitete bereits als Redakteur für den „Focus“ und die „FAZ“, als Lektor bei „S. Fischer“ und als stellvertretender Feuilletonchef und Kulturkorrespondent für die „Welt“. 1989 erhielt er den Theodor-Wolff-Preis für Journalismus. Der Schriftsteller veröffentlichte bereits mehrere biografische und literaturhistorische Romane.

Eigentlich wollte Wittstock am Mittwoch, 17. November, zu einer Lesung in der Reihe „Zu Gast auf dem Sofa“, die die Hochschul- und Kreisbibliothek Sankt Augustin gemeinsam mit der Bücherstube und mit Unterstützung des General-Anzeigers organisiert, kommen. 

Bedauerlicherweise ist die Veranstaltung mit Autor Uwe Wittstock als Gast auf dem Sofa der Hochschul- und Kreisbibliothek Bonn-Rhein-Sieg (HuKB) abgesagt. Bereits gekaufte Karten für die Lesung am 17. November 2021 können zurückgegeben und der Preis erstattet werden. Wie die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg am Dienstag mitteilte ist die Lesung kurzfristig abgesagt worden. Bereits gekaufte Karten können zurückgegeben und der Preis erstattet werden. Die Lesung soll im Januar 2022 nachgeholt werden.