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Bundestagswahl: Die Linke in Sankt Augustin: Sahra Wagenknecht ist gewohnt kämpferisch

Bundestagswahl: Die Linke in Sankt Augustin : Sahra Wagenknecht ist gewohnt kämpferisch

Rund 200 Zuschauerinnen und Zuschauer hatte Sahra Wagenknecht bei einer Wahlkampfveranstaltung der Partei „Die Linke“ in Sankt Augustin. Wie gewohnt, übte sie scharfe Kritik an der aktuellen Regierung und ebenso an den anderen Parteien.

„Wir werden grottenschlecht regiert“ stellte Sahra Wagenknecht gleich zu Beginn ihrer Rede fest, die sie auf Einladung der Partei „Die Linke“ Rhein Sieg am Donnerstag in Sankt Augustin auf einer Wahlkampfveranstaltung vor etwa 200 Besuchern hielt. Die auch in der eigenen Partei nicht unumstrittene Politikerin schaltete gleich in den Angriffsmodus und prangerte Missstände bei der noch amtierenden Regierung an, aber auch die ihrer Meinung nach falschen Lösungsansätze der anderen Parteien, die eine neue Regierung anstreben und den Kanzler beziehungsweise die Kanzlerin stellen wollen.

Besonders für SPD-Kandidat Olaf Scholz fand sie spöttische Worte. „Wenn ich in einen Hundert-Meter-Lauf starte mit zwei Mitbewerbern, die permanent über die eigenen Füße stolpern und kurz vor dem Ziel kollabieren, dann kann ich den Lauf auch leicht gewinnen, selbst wenn ich fußlahm bin. Aber ich sollte mir nicht einbilden, ich könne mich für die Olympiade anmelden“, so Wagenknecht. „Weiß der eigentlich, was im Land los ist?“, fragte sie die Zuhörer und bezog sich auf ein Plakat der SPD mit dem Slogan „Stabile Renten wählen“. Denn tatsächlich gebe es ein „massives Problem mit der Altersarmut“.

Sie forderte in diesem Zusammenhang, sich am Rentenkonzept zum Beispiel von Österreich zu orientieren, wo das Rentenniveau deutlich höher liege als in Deutschland, weil jeder, auch Beamte und Politiker, einzahlen müssten. Ein weiteres Thema ihrer Ausführungen waren „faire Löhne“, vor allem in den Pflegeberufen. Sie brandmarkte dabei die Klage der Regierung, es gebe zu wenig Fachkräfte, als Heuchelei. So zeige etwa eine Studie der Gewerkschaft Verdi, dass in Deutschland rund 300.000 gelernte Pflegefachkräfte den Job gewechselt haben, weil sie sich „ausgebrannt“ und „unterbezahlt“ gefühlt hätten. ie wären laut Verdi aber bei angemessener Bezahlung bereit, zurückzukehren.

Scharf verurteilte Wagenknecht auch den Umgang mit den Coronahilfen. Während zahlreiche kleinere Betriebe in die Insolvenz getrieben worden und Selbständige in Hartz 4 gerutscht seien, habe man beispielsweise Daimler 700 Millionen Euro aus dem Corona-Rettungsfonds gezahlt. „Das ist exakt die Summe, die das Unternehmen an die Aktionäre als Dividendenerhöhung ausgeschüttet hat“, empörte sich Wagenknecht. Sie plädierte auch dafür, eine Besteuerung von Millionen- und Milliardenvermögen einzuführen und wies am Rande darauf hin, dass die rund 100 Milliardäre in Deutschland „während Corona jeweils noch einmal um eine Milliarde reicher geworden sind.“

Eine Vermögenssteuer sei keine Enteignung, wie vor allem CDU und FDP behaupteten, sondern eine Rückzahlung an die, die mit ihrer Arbeit zu diesem Vermögen beigetragen hätten. Das Geld aus der Vermögenssteuer solle nach ihren Worten in Bildung, Pflege und sozialen Wohnungsbau investiert werden. Zum Abschluss verurteilte die Politikerin, die seit 2004 im Bundestag sitzt, die Parteispenden und forderte ein Verbot. „Parteispenden sind gekaufte Politik“, denn der Spender erwarte natürlich eine Gegenleistung, betonte sie und zeigte sich stolz, „dass wir noch nie einen einzigen Euro Spenden angenommen haben.“