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Sankt Augustin: Für Obdachlose soll es mehr Schlafplätze geben

Nach Brand in Unterkunft : Mehr Schlafplätze für Obdachlose in Sankt Augustin geplant

Seit dem Feuer in der Notunterkunft Am Bauhof in Sankt Augustin sind die meisten Zimmer unbewohnbar. Die Einrichtung am abgelegenen Standort soll nun neu gebaut werden.

Nach dem Brand der städtischen Notunterkunft Am Bauhof im Juli 2018, bei dem 18 der früheren 24 Wohnräume zerstört worden waren, plant die Stadt Sankt Augustin nun einen Neubau an derselben Stelle. Statt der bisherigen Modulbauweise soll für rund 2,5 Millionen Euro ein massives Gebäude einschließlich eines Beratungsraumes für die städtische Sozialarbeit in der Obdachlosenprävention errichtet werden. Die nach dem Brand ausgezahlte Versicherungssumme in Höhe von rund 96.000 Euro für die bisherige Containerunterkunft kann die geplanten Baukosten nur zu einem Bruchteil decken, weshalb die erforderlichen Mittel im Nachtragshaushalt für das laufende Jahr 2021 bereitgestellt werden sollen.

Der Bedarf für eine Notunterkunft für Personen, die aufgrund ihrer Abhängigkeit von Drogen, Alkoholismus oder psychischen Störungen „nicht oder nur mit großen Schwierigkeiten in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht werden“ könnten, habe sich in den vergangenen 28 Jahren seit Errichtung der Unterkunft nicht verändert, teilt die Stadt.

Sie betont: Der abgelegene und zugleich laute Standort zwischen Autobahnpolizei, städtischem Bauhof und der Autobahn 560 sei bei den Bewohnern beliebt und ein Umzug der Notunterkunft in den innerstädtischen Bereich nicht unbedingt gewollt. Seit dem Bau 1993 bis zum Brand im Jahr 2018 war die Unterkunft weitestgehend voll belegt. Pläne, den Standort mit einem Neubau für insgesamt 3,1 Millionen Euro auf 30 bis 36 Plätze zu erweitern, zog die Verwaltung nach Gesprächen mit den Ratsfraktionen kurzfristig zurück.

Für den nun geplanten Massivbau sei aber die Option einer späteren Erweiterung vorgesehen, berichtete der Erste Beigeordnete und Sozialdezernent Ali Dogan: „Wir haben einen großen Bedarf für Personen, die schwierig resozialisierbar sind.“ Rechtlich hätte die Stadt die Möglichkeit, die Bewohnerinnen und Bewohner im gesamten Stadtgebiet flächendeckend verteilt oder auch in einer Sammelunterkunft mit ständiger Betreuung vor Ort unterzubringen.

Die Idee, die Unterkunft Am Bauhof fortzuführen und auszubauen, kam nicht von ungefähr: Bei einer Rundfahrt von Stadtverwaltung und Politik zur Besichtigung der städtischen Übergangswohnheime war über den Standort Am Bauhof und dessen Erweiterung diskutiert worden. Nicht jeder Fraktion gefiel die abgelegene Lage, die aufgrund der Nähe zur Autobahnpolizei aber auch den Vorteil einer „abschreckenden Wirkung auf Besucher der Notunterkunft“ hätte, wie die Verwaltung berichtet. „Wir wollen die Menschen nicht abschieben in eine entfernte Ecke“, stellte auch Sozialdezernent Dogan im Ausschuss klar: „Die Rückmeldungen von den Bewohnern Am Bauhof waren, dass sie zufrieden waren mit dem Standort.“

Da bei dem Brand große Teile der Haustechnik zerstört wurden und derzeit nur sechs der ursprünglich 24 Wohneinheiten überhaupt bewohnbar seien, waren viele der Bewohner auf andere Übergangswohnheime und eine für Flüchtlinge errichtete Notunterkunft am Bahnhof Menden verlegt worden. Ein Provisorium mit einer Ausnahmegenehmigung der Bezirksregierung Köln, betonte Ali Dogan. Deren Verlängerung sei unwahrscheinlich und daher ein Vorratsbeschluss zum Bau der Notunterkunft Am Bauhof alsbald notwendig.

Der von der Stadt favorisierte Massivbau habe gegenüber einem Containerbau oder einer Modulbauweise nicht nur eine längere Lebensdauer von bis zu 80 Jahren, sondern auch bauphysikalische Vorteile bei Schallschutz, Energiebedarf und Stabilität. Für die Bauzeit von etwa 18 Monaten sollen die verbliebenen Bewohner in anderen Unterkünften untergebracht werden.