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Sankt Augustin-Hangelar: Privatpiloten bleiben lieber am Boden

Flugplatz Bonn/Hangelar : Privatpiloten bleiben in Sankt Augustin lieber am Boden

Ein Flugplatz fast ohne Flugzeuge: In Hangelar heben in Zeiten der Corona-Pandemie nur wenige Flieger ab. Die Privatpiloten bleiben lieber am Boden.

Strahlend blauer Himmel von Horizont bis Horizont, spektakuläre Sichtweiten, nicht zu kräftiger Wind, ein wenig Thermik für Segelflieger – für die Privatpiloten am Flugplatz Bonn/Hangelar wäre das Flugwetter der vergangenen Tage eigentlich perfekt für Panoramaflüge über die Region gewesen. Tatsächlich herrscht am Flugplatz derzeit aber nahezu gähnende Leere: Der Luftsport in den Vereinen hat, wie alle Sportvereine, gerade Zwangspause. Und selbst jene Piloten, die über ein eigenes oder mit anderen privaten Haltern geteiltes Flugzeug verfügen, bleiben in Zeiten der Corona-Pandemie auch ohne offizielle Verbote lieber am Boden, hat Flugplatz-Betriebsleiter Jürgen Unterberg festgestellt.

„Die Vereine haben die Restriktionen sofort in eigener Regie umgesetzt, ohne dass wir als Flugplatz tätig werden mussten. Es gibt derzeit nur ein paar Charterflüge. Am Montag ist ein Geschäftsmann nach Süddeutschland geflogen worden. Auch der Werftbetrieb der am Flugplatz ansässigen Firmen für Wartungen und Reparaturen läuft weiter. Und natürlich halten auch wir als Flugplatz selbst den Betrieb des Verkehrslandeplatzes uneingeschränkt aufrecht“, sagt Unterberg. Anders als das private Segelfluggelände in Königswinter-Eudenbach oder der private Sonderlandeplatz Leverkusen hat der offiziell „Bonn/Hangelar“ heißende Verkehrslandeplatz in Sankt Augustin eine Betriebspflicht.

Schutzmaßnahmen getroffen

Um Mitarbeiter sowie Gäste und Piloten am Flugplatz vor einer Infektion zu schützen und den Betrieb zu gewährleisten, wurden Schutzmaßnahmen getroffen, berichtet Unterberg: „Durch einen neuen Dienstplan stellen wir sicher, das selbst im Falle einer Infektion oder Quarantäne eines Flugleiters noch weiteres Personal für den Dienst zur Verfügung steht.“ Aushänge und Schilder weisen auf Schutzmaßnahmen und Abstandsregelungen zum Personal der Tankstelle hin.

Die am Flugplatz stationierte Fliegergruppe der Bundespolizei hat derweil ihre praktische Ausbildung der Piloten nahezu eingestellt, berichtet Sprecherin Fiona Roloff: „Die theoretische Ausbildung erfolgt nun im Homeoffice.“ Dank strenger Schutzmaßnahmen sei der Flugbetrieb der Einsatzhubschrauber weiterhin jederzeit sichergestellt.

Das gelte auch für die über 70 Einsatzhubschrauber der Polizei und der Rettungsdienste aus dem In- und Ausland, die bei der ADAC Luftfahrttechnik GmbH, kurz ALT, unter Serviceverträgen stehen, erklärt ALT-Geschäftsführer Steffen Lutz: „Wir haben den Betrieb daher nicht runtergefahren, sondern stehen quasi ständig in Alarmbereitschaft, weil jederzeit eine Maschine zur Reparatur oder Wartung kommen könnte.“ Um im Falle von Ausfällen im Personal jederzeit die eiligen Aufträge bedienen zu können, habe die ALT ihre Aufträge aus der Privatwirtschaft derzeit etwas nach hinten geschoben, sagt Lutz. „Die Mechaniker arbeiten in zwei getrennten Schichten, müssen Abstand und Schutzmaßnahmen einhalten, und die Verwaltung ist, soweit es geht, im Homeoffice tätig.“

Theorieausbildung ebenfalls ins Homeoffice verlegt

Weitestgehend ins Homeoffice verlegt worden sei auch die Theorieausbildung für angehende Piloten, berichtet Dirk Wittkamp, Sprecher der Fliegergemeinschaft als Interessengemeinschaft der am Flugplatz ansässigen Piloten und Vereine. „Und auch praktisch geht im Moment eigentlich niemand in die Luft“, sagt Pilot und Fluglehrer Dirk Wittkamp: „Man könnte theoretisch Soloflüge oder Flüge mit der eigenen Familie machen. Aber die Piloten hier am Platz sind sehr besonnen. Bereits vor der Verschärfung war es hier am Flugplatz sehr ruhig. Die Leute haben im Moment einfach andere Dinge im Kopf und bleiben zu Hause.“

Und das trotz bester Flugbedingungen, lobt Wittkamp: „So ein Wetter mit idealen Flugbedingungen ohne Wolken über der gesamten Bundesrepublik gibt es vielleicht nur an fünf Tagen im Jahr.“ Neben gewerblichen Flügen, Einsatzflügen und dem Werftbetrieb würden einige, wenige Piloten zum Erhalt ihrer Pilotenlizenzen Pflichtstunden absolvieren, vermutet der Pilot, wenngleich die Behörden mit einer Allgemeinverfügung die Fristen nun verlängert hätten: „Und schließlich nehmen wir alle die Empfehlungen zum Schutz sehr ernst: Wenn alle zu Hause bleiben sollen, werden wir das auch tun.“