1. Region
  2. Sieg & Rhein
  3. Sankt Augustin

Sankt Augustin: Kirchen kritisieren Unterbringung von Flüchtlingen

In Sammelunterkunft ZUE : Kirchen kritisieren Unterbringung von Flüchtlingen in Sankt Augustin

Die evangelische und katholische Kirche in Sankt Augustin sowie die Diakonie An Sieg und Rhein sprechen sich gegen die Unterbringung von Flüchtlingen in Sammelunterkünften aus. Ihr Hauptkritikpunkt: Die Flüchtlinge bleiben zu lange in den Unterkünften und werden nicht integriert.

Kirchen und Diakonie sprechen sich in einer gemeinsamen Erklärung gegen zentrale Sammelunterkünfte für Flüchtlinge aus. Nach dem Corona-Ausbruch in der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) des Landes in Sankt Augustin erheben sie konkrete Forderungen für den weiteren Betrieb. Die ZUE bietet Platz für rund 500 Menschen. Der Sankt Augustiner Hauptausschuss hatte das Land bereits aufgefordert, die Unterkunft zu verkleinern.

Nach Angaben der Bezirksregierung Köln leben zurzeit rund 230 Bewohner in der ZUE, wo es aktuell keine Corona-Fälle mehr gibt. Die evangelische und katholische Kirche in Sankt Augustin sowie die Diakonie An Sieg und Rhein fordern jetzt ein Umdenken auf Landesebene sowie verstärkte Bemühungen zur Integration. Ihr Hauptkritikpunkt: Die Flüchtlinge bleiben zu lange in der Unterkunft.

Politisch ist das auf Landesebene gewollt. Hier gilt der Grundsatz, dass nur Menschen auf die Kommunen verteilt werden sollen, die eine Bleibeperspektive haben. Alle anderen bleiben bis zum Abschluss ihres Asylverfahrens in den Landesunterkünften.

Vereinbarungen wurden nicht eingehalten

Ehrenamtliche Helfer aus den Kirchengemeinden kennen die ZUE Sankt Augustin durch ihre Arbeit. Nach Ansicht der Kirchen ist die Einrichtung „ein absoluter Notbehelf“: „Die Möglichkeiten, die deutsche Sprache zu erlernen, sind gering, soziale Kontakte nach außen sehr begrenzt.“ Der Betreiberwechsel vor einem guten Jahr habe zu einer besseren Organisation vor Ort geführt. „Zugleich haben sich die Aufenthaltszeiten immer weiter verlängert. Auch die Vereinbarung, dass zumindest Familien maximal sechs Monate in der Einrichtung verbleiben, wurde nicht eingehalten“, so die Kirchen.

Bereits im März habe es bei den Bewohnern Sorge vor einer Ansteckung mit dem neuen Coronavirus gegeben. „Es war absehbar, dass auf absolut beengtem Raum ein Infektionsgeschehen nicht kontrollierbar ist“, sagen die Kirchengemeinden. Sie verstehen nicht, warum die Landesregierung an der zentralen Unterbringung festhält. „Auf kommunaler Ebene gibt es genügend freie Plätze zur dezentralen Unterbringung.“ Für einen Weiterbetrieb der ZUE nennen die Kirchen Bedingungen wie ausreichend Sozialarbeiter und Beschulung der Kinder.

Dazu teilt die Bezirksregierung mit, dass beim „Interimsaufenthalt“ in Landesunterkünften ein Schulbesuch nicht sinnvoll sei. „Sobald Bewohner einer Kommune zugewiesen sind, werden die Kinder auch beschult.“ In der Zwischenzeit gebe es Lernangebote, die ähnlich wie schulischer Unterricht sind, aber nicht verpflichtend. „Hier wird auch individuell auf unterschiedliche Altersgruppen und Vorkenntnisse in den Sprachen eingegangen“, so Sprecherin Vanessa Nolte.

Aufenthaltszeit für alle Bewohner reduzieren

Die Kirchen fordern, die Aufenthaltszeiten für alle Bewohner auf maximal sechs Monate zu reduzieren. Dazu sagt die Bezirksregierung, dass Asylsuchende nach den aktuellen rechtlichen Rahmenbedingungen bis zu 24 Monate in den Landeseinrichtungen bleiben, wenn ihr Asylverfahren noch nicht entschieden ist. Ausgenommen seien Familien oder Elternteile mit minderjährigen Kindern, „die spätestens nach sechs Monaten einer Kommune zugewiesen werden sollen, um den besonderen Bedürfnissen von minderjährigen Kindern Rechnung zu tragen“, so Nolte.

Zu Corona-Zeiten fordern die Kirchen außerdem eine regelmäßige Kontrolle durch das Kreisgesundheitsamt. Dazu sagt die Pressestelle des Rhein-Sieg-Kreises: „Wir haben in der ZUE weder Verdachtsfälle noch gibt die aktuelle epidemiologische Lage Anlass, dort präventive Tests durchzuführen. Andere Kontrollen des Gesundheitsamtes erfolgen grundsätzlich nur anlassbezogen.“ Laut Bezirksregierung werden Bewohner aber auf das Coronavirus getestet, bevor sie einer Kommune zugewiesen werden.