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Sankt Augustin: Nachfrage nach begrünten Dächern steigt

Flachdächer in Sankt Augustin : Nachfrage nach begrünten Dächern steigt

Das Land unterstützt private Grundeigentümer mit 90.000 Euro für 2.000 Quadratmeter zusätzliches Dachgrün im Stadtgebiet. Die Maßnahme hat viele Vorteile, wurde aber seit 2014 nicht mehr mit Nachdruck beworben.

Wer sich in den vergangenen Jahrzehnten für eine Begrünung eines Flachdachs von Garagen und Gebäuden entschied, wurde wahlweise beäugt oder belächelt. Nun steigt die Nachfrage in Sankt Augustin spürbar: Die Stadt hatte im April für ein Landesförderprogramm geworben, das Eigentümer von Immobilien in Sankt Augustin bei der Anlage von Dachbegrünungen unterstützt. Wenngleich nur wenige Tage bis zum Ablauf der Antragsfrist blieben, verbuchte die Stadt Anfragen von 52 Bürgerinnen und Bürgern für die Förderung auf Altbaudächern älter als fünf Jahren, teilte Stadtsprecherin Carolin Trost auf Nachfrage im Juli mit: „Es handelt sich dabei größtenteils um Garagendächer und Dächer von Anbauten.“ Seitens der Bürgerschaft seien in Summe rund 2.000 Quadratmeter für die Begrünung angekündigt worden. Bereits Anfang Juli hat die Stadt den notwendigen Förderbescheid über 90.000 Euro erhalten. Die Dächer müssen dazu bis 31. März 2022 fertig begrünt sein.

Dass Gründächer nicht nur das Stadtklima verbessern, da sie sich weniger aufheizen, durch Pflanzentranspiration auch kühlende Feuchtigkeit abgeben und Starkregen in ihren Substraten und mehrschichtigen Aufbauten zeitweise zwischenspeichern können, ist hinreichend bekannt. Nicht nur Interessensvertretungen wie der Deutsche Dachgärtner Verband, die Fachvereinigung Bauwerksbegrünung, Verbände der Landschaftsarchitekten und der Zentralverband des Dachdeckerhandwerks werben seit mehr als einem Jahrzehnt dafür. Auch Klimaforscher und Stadtplaner kennen die Vorzüge, die auf den Extremwetterkongressen in Hamburg mit Spitzenvertretern von Regierung, Forschung und Wirtschaft beraten wurden und deren Vorteile bereits 2013 beispielhaft für eine „klimawandelgerechte Metropole Köln“ im gleichnamigen Fachbericht untersucht wurden.

Untersucht wurde in den vergangenen Jahrzehnten auch, ob Gründächer für darunterliegende Dächer zum Problem werden – mit eindeutigem Ergebnis: richtig aufgebaute Dachbegrünungen mit Sperrschichten lassen weder Wurzeln der Pflanzen, häufig Sedumarten, noch Trockenheit oder Staunässe zum Problem werden. Im Gegenteil, wie der Zentralverband des Dachdeckerhandwerks zuletzt im Juni anlässlich der Gründach-Kooperation mit dem Bundesverband GebäudeGrün betonte: Der „grüne Hut“ des Hauses schütze die Dachhaut vor enormen Temperaturschwankungen, Frost, UV-Strahlung und Hagel.

Tatsächlich sind Gründächer und deren Förderung in Sankt Augustin kein neues Thema: Bereits in den 2000er Jahren begleitete die Stadt Bürgerinnen und Bürger, die ein Landesförderprogramm zur Dachbegrünung und Regenwassernutzung in Anspruch genommen hatten, mit dem städtischen Büro für Umwelt und Naturschutz. Auch Vorträge gab es. Mit dem Ende des Förderprogramms wurde es ruhiger, aber auch grüner: Auf dem 2003 erbauten Feuerwehrhaus des Löschzugs Menden ist die sogenannte extensive Dachbegrünung mit einfachen und pflegearmen Aufbauten ebenso zu finden wie auf den Dachflächen des Rathauses, auf Schulgebäuden und Kindergärten.

Im Jahr 2007 hatte die Stadt die Dachbegrünung in ihrem „Fahrplan für den Klimaschutz“ als Ziel für eigene Neubauten festgesetzt. „Dies konnte nicht durchgängig für jedes neue Gebäude durchgeführt werden“, erklärt Stadtsprecherin Carolin Trost rückblickend, „sondern erfolgte für solche, bei denen dies technisch möglich war.“ Teile der Dachflächen seien auch für Photovoltaik vorgesehen. Schrägdächer lassen sich nur aufwendig oder gar nicht begrünen. Um auch privaten und gewerblichen Grundeigentümern die Dachbegrünung zu vereinfachen, wurde 2014 das sogenannte Gründachpotenzialkataster vorgestellt. Auf Basis von Laservermessungen aus der Luft kann jeder Grundeigentümer prüfen, ob und wie gut ein Flachdach aufgrund seiner Lage für eine Dachbegrünung geeignet ist. Seit 2014 wurde das städtische Kataster nicht mehr aktualisiert und das Thema der Dachbegrünung auch nicht mehr mit Nachdruck beworben.

Eine Aktualisierung der Karten sei geplant, sagt die Stadt und verweist bis dahin auf das kürzlich vorgestellte Gründachkataster NRW des Landes. Wie groß das Potenzial insgesamt ist, also wie viele Dächer bereits begrünt sind und sich zukünftig noch begrünen ließen, weiß die Stadt indes nicht. Bundesweit seien nach Berechnungen des Bundesverbands GebäudeGrün und des Zentralverbands des Dachdeckerhandwerks mit Stand Juni etwa 120 Millionen Quadratmeter Dachfläche begrünt mit einem Zuwachs von 7,21 Millionen Quadratmetern allein im Jahr 2019. Spitzenreiter sei die Stadt München mit 3,15 Millionen Quadratmetern Gründächern. Allein die vorhandenen Gründächern könnten bundesweit rund 96.000 Tonnen CO2 speichern.