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Sankt Augustin: Polizei nimmt Huma-Umfeld stärker ins Visier

Nach Übergriff auf Ordnungskräfte : Polizei in Sankt Augustin nimmt Zentrum stärker ins Visier

Nach Angriffen auf Mitarbeiter des Ordnungsamtes in Sankt Augustin weitet die Polizei Kontrollen und Präsenz im Zentrum rund um das Huma-Einkaufszentrum aus. Die Kriminalität stieg jedoch nicht.

Menschenleer, dunkel, von außen schwer einzusehen – der Karl-Gatzweiler-Platz sowie das angrenzende Umfeld des Huma-Einkaufszentrums und der Straßenbahnhaltestelle im Zentrum mögen in den Abend- und Nachtstunden keine Orte zum gemütlichen Verweilen sein. Nach den Angriffen auf Mitarbeiter des städtischen Ordnungsdienstes im Januar hat die Polizei Rhein-Sieg ihr Einsatz- und Präsenzkonzept „Linie 66“ auf das Huma-Umfeld erweitert. „Wir haben den Bereich rund um die Huma zu einem aktuellen polizeilichen Interventionsraum erklärt“, teilt Polizeisprecher Stephan Birk auf Anfrage mit.

Insgesamt sei die Kriminalitätslage im Bereich Bonner Straße / Südstraße / Markt und Rathausallee im Zeitraum vom 1. August 2019 bis 28. Januar 2020 verglichen mit demselben Zeitraum ein Jahr später jedoch „unauffällig“, sagt Birk. In beiden Jahren habe die Polizei rund 50 Straftaten, überwiegend Eigentumsdelikte, gezählt. Insgesamt zwei Vorfälle im Zusammenhang mit Mitarbeitern des Ordnungsamtes seien der Polizei bekannt:

Weiteren Handlungsbedarf bereits 2016 angekündigt

„Einmal wurde das Dienstfahrzeug aus einer Personengruppe heraus mit Steinen beworfen. In dem anderen Fall wurden zwei Bedienstete in Ausübung ihrer Aufgabe von Personen bedroht und beleidigt. In beiden Fällen ermittelt die Kriminalpolizei und hat Tatverdächtige ermittelt.“

Mehr noch: Gemeinsam mit der Stadt Sankt Augustin habe die Polizei ein mehrstufiges Einsatzkonzept entwickelt und bei einem Sondereinsatz am 19. Februar verdächtige Personen im Zentrum „aus der Anonymität geholt.“ Uniformierte und zivile Einsatzkräfte hatten die Personen kontrolliert und dabei unter anderem 15 Verstöße gegen die Coronaschutzverordnung festgestellt. „Die Polizei legte vier Anzeigen wegen Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung, Unterschlagung und Verstoß gegen das Waffengesetz vor“, berichtet Polizeisprecher Birk. Wie im polizeilichen Interventionsraum üblich, werde die Lage nun fortgeschrieben und fortlaufend analysiert.

Dass sich das Ordnungsamt insgesamt auf schwierige und bedrohliche Situationen einrichten und der Außendienst entsprechend ausgestattet werden müsse, hatte der frühere Erste Beigeordnete Marcus Lübken dem Rat bereits im Jahr 2016 mit auf den Weg gegeben und weiteren Handlungsbedarf angekündigt: Im Zuge der sogenannten Subsidiaritätsdebatte hatte sich die Landespolizei in den vergangenen Jahren immer mehr von Aufgaben, die bislang für die lokalen Ordnungsbehörden außerhalb von deren täglichen Dienstzeiten übernommen worden waren, zurückgezogen.

2016 hatte Landrat Sebastian Schuster angeordnet, dass die Ordnungsämter ihre Aufgaben zukünftig verstärkt selbst übernehmen müssten. Aus der früheren Rufbereitschaft wurde in Sankt Augustin ein Ordnungsaußendienst im Mehrschichtbetrieb auf- und in den vergangenen Jahren mit mehr Personal, Ausstattung, Schutzausrüstung und Fahrzeugen ausgebaut.

Zu den Aufgaben gehören neben dem ruhenden Verkehr, Umweltschutz und Verkehrssicherung auch Einweisungen bei psychischen Ausnahmesituationen oder Erkrankungen, Maßnahmen des Infektions- und Katastrophenschutzes. Ferner die Sicherstellung des Jugendschutzes in Gaststätten, Ahndungen von Ruhestörungen sowie die Allgemeine Gefahrenabwehr, also Maßnahmen, die Gefahren für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung abwenden.