Forschungsprojekt an der Hochschule in Sankt Augustin So sollen Mädchen für Technik begeistert werden

Sankt Augustin · Ein Forschungsprojekt der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg will Mädchen für Technik begeistern. Bei der Podiumsdiskussion zum Projektabschluss gab es viel Lob, aber auch kritische Stimmen.

Moderatorin Juliane Orth mit den Diskussionsteilnehmerinnen Gesche Neusel, Kerstin Helmerdig, den Schülerinnen Elli und Annika, Vera Bauer und Prof. Dr. Susanne Keil (v.l.).

Moderatorin Juliane Orth mit den Diskussionsteilnehmerinnen Gesche Neusel, Kerstin Helmerdig, den Schülerinnen Elli und Annika, Vera Bauer und Prof. Dr. Susanne Keil (v.l.).

Foto: Anna Ingerberg

Mädchen und junge Frauen für Technik begeistern – das ist seit Langem das Ziel von Initiativen wie „Mach MINT“ oder dem Girls Day. Auch das Projekt „gender2technik“ der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (HBRS) setzt sich für mehr Repräsentation von Frauen in technischen Berufen und im Technikjournalismus ein. Die Mitarbeiter des Projekts forschten die letzten drei Jahre im Rahmen des Projektes „Elektrotechnik statt BibisBeautyPalace“ dazu, wie Videos, die sich mit dem Thema Technik beschäftigen, für alle Menschen ansprechend gestaltet werden können. Bei der Abschlussveranstaltung des Projektes am Freitag wurden Leitlinien vorgestellt, die dabei helfen sollen.

Die Podiumsdiskussion über Technikberichterstattung und digitale Angebote bildete den Hauptteil der Veranstaltung. Gesche Neusel, Mitarbeiterin in der Gleichstellungsstelle der HBRS, Wissenschaftsjournalistin Kerstin Helmerdig, die Youtuberin und Journalistin Vera Bauer und Susanne Keil, Professorin für Technikjournalismus an der HBRS, tauschten sich darüber aus. Außerdem waren zwei Schülerinnen aus dem Projekt an der Diskussion beteiligt. Für das Projekt konnten Mädchen von verschiedenen Schulen aus der Region ihre eigenen Geschichten in Verbindung mit Technik erzählen. Mit einer professionellen Kamera oder einem Smartphone ging es für sie dann an den Videodreh.

Der Wunsch nach einer ergänzenden Perspektive

Moderatorin Vera Bauer dreht Youtube-Videos im Stil von BibisBeautyPalace, nur eben mit dem Themenschwerpunkt Technik. Bei der Podiumsdiskussion teilte sie ihre Erfahrungen als Frau in der männerdominierten Branche. Seit 2018 hat die technikbegeisterte Journalistin ihren eigenen Youtube-Kanal und veröffentlicht regelmäßig Videos. Nach ihrem Studium im Bereich technisches Produktdesign entschloss sie sich, ihr Hobby zum Beruf zu machen. Motivation dafür war unter anderem auch, dass sie sich in ihrem früheren Aushilfsjob oft nicht ernst genommen und unterschätzt fühlte. Sexuelle Übergriffe und verbale Belästigung seien für sie ebenfalls nichts Neues, auch am Arbeitsplatz.

Die Gleichstellungsbeauftragte der HBRS Barbara Hillen empfindet es als großes Problem, dass die Sichtbarkeit von Frauen in Medien systematisch durch männergemachte Algorithmen gedrosselt und kontrolliert wird. „Je mehr Haut eine Frau zeigt, desto mehr wird ihre Reichweite gedrosselt“, sagt sie. Öffentlich-rechtliche und private Medien haben dabei eine große Bedeutung. „Medien haben eine Schlüsselrolle und viel Verantwortung“, betont Neusel. Durch sie könne Sichtbarkeit für eine weibliche Perspektive auf Technik geschaffen werden, ergänzt Bauer.

Stimmen von Schülerinnen und Schülern

Die 16-jährige Elli bemerkte, dass viele Gadgets im technischen Bereich durch ihre Größe für Frauen, die oft kleinere Hände haben, schwierig zu benutzen seien. Schülerin Emma Holocher, die jetzt die Liebfrauenschule in Bonn besucht, findet es wichtig, dass Mädchen einen „Safe Space“, einen geschützten Raum, haben, indem sie sich über technische Themen austauschen können. Hier sei auch die Angst, Fehler zu machen, nicht so groß. Sie ging früher auf eine gemischte Schule, wo sie nicht so viel Unterstützung erhielt, wie sie sich gewünscht hätte.

Für die Diskussion und die Vorstellung der Ergebnisse waren auch Jungen anwesend. Joshua Lotz vom Wiedtal-Gymnasium lobt die Veranstaltung. „Schülerinnen meiner Schule haben an dem Projekt teilgenommen und es war sehr informativ“, sagt der Zwölftklässler. Dennoch hat er auch Kritik: Er findet, dass auch Jungen am Projekt hätten mitwirken können, da sie gleichermaßen von einigen Problemen betroffen seien wie Mädchen.

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