Ausflugslokal am Flugplatz Hangelar Tant Tinchen darf nach 96 Jahren wieder durchstarten

Sankt Augustin · Mehr als 90 Jahre nach der Eröffnung und nach bewegten Geschichte ist die Hangelarer Flugplatzgastronomie von der Gründerfamilie wiederbelebt worden.

 Marlies Szczesik (links) hat es geschafft: die Traditionsgaststätte Tant Tinchen ist wieder in Familienbesitz und wurde am Donnerstag offiziell eröffnet.

Marlies Szczesik (links) hat es geschafft: die Traditionsgaststätte Tant Tinchen ist wieder in Familienbesitz und wurde am Donnerstag offiziell eröffnet.

Foto: Thomas Heinemann

96 Jahre nach seiner Eröffnung, nach Jahrzehnten bewegter Geschichte mit mehreren Eigentümerwechseln und zuletzt einem längeren Leerstand ist das Tant Tinchen am Flugplatz Hangelar wieder da. Am Donnerstagnachmittag eröffnete die Gastronomie, deren „vorzügliche Restauration“ bereits auf Großflugtag-Plakaten aus dem Jahr 1926 dokumentiert wurde, mit der neuen Eigentümerin Marlies Szczesik.

„Viel historische Gebäude hat Hangelar leider nicht mehr, vieles ist über die Jahre verloren gegangen“, so die Eigentümerin bei der Eröffnungsansprache im gut besuchten Fliegerheim, dessen Namensgeberin, das „Tant Tinchen“ aus der Hangelarer Familie Lichius, die Schwägerin von Szczesiks Mutter war. Nun ist die Gaststätte wieder in Familienbesitz und soll, so das Ziel der Eigentümerin, wieder mit Leben und Tradition gefüllt werden.

Alte Fotos und Plakate

Und ja, betont die Ur-Hangelarerin, „die alten Fotos und Plakate werden wieder aufgehangen. Die Frage wurde mir in den letzten Wochen immer wieder von alten Hangelarern und ehemaligen Fliegern gestellt. Es fehlte nur bislang die Zeit.“ Denn nach dem Kauf im November 2021 gingen die Arbeiten erst richtig los: das bürokratische Problem der Schankerlaubnis und der Gewerbeanmeldung einer Gaststätte, galt es zu lösen, denn die großen Aus- und Umbauten aus dem Jahr 1976 waren in der städtischen Bauakte nicht zu finden.

Szczesik machte den damaligen Architekten ausfindig und überzeugte ihn, die notwendigen Pläne noch einmal zu erstellen. Errichtet wurde auch eine Brandschutzwand zu einem Anbau. Und es wurde an den Details gearbeitet, Holz und Devotionalien aufgearbeitet und eine mehr als 60 Jahre alte Theke erworben, aufbereitet und eingebaut.

Nachdem bereits in den vergangenen Wochen in den sozialen Medien die anstehende Eröffnung freudig erwartet worden war und auch das Wetter einen sonnigen Frühlingstag bereitete, verwunderte nicht, dass es am Nachmittag rasch voll wurde. Unter den Gästen waren nicht nur Piloten und Vereinsvertreter aus Hangelar, sondern auch Bürgermeister Max Leitterstorf, der froh war, am Flugplatz Hangelar wieder einen Anlaufpunkt für die Vereine und die Besucher zu sehen und der Eigentümerin zum Neustart gratulierte: „Danke, dass sie diese lange Tradition hier fortsetzen.“ Auch SPD-Fraktionschef Marc Knülle und Walter Wielpütz, der bis zum 1. März als Geschäftsführer der Flugplatzgesellschaft die Flugplatzgeschichte gut kennt, freuten sich, dass mit dem neuen Konzept eines Ausflugslokals und einer Betreiberin mit Wurzeln in Hangelar das Tant Tinchen unter guten Vorzeichen wiederbelebt wurde. Wielpütz: „So ein Ort, zu dem man gern hin spaziert und den Abend genießen kann, hat uns lange gefehlt.“

Kaffee, Kuchen, warme und kalte Snacks und rheinische Hausmannskost stehen auf der Speisekarte, dazu eine Auswahl an deutschen Weinen. Marlies Szczesik plant indes schon weiter, will den Ort mit besonderen Aktionen beleben, für Vereine als Treffpunkt bewerben und in vier Jahren den 100. Geburtstag der Gaststätte gebührend feiern.