Banken in Sankt Augustin Weniger Beratungen bei der VR-Bank

Sankt Augustin · 2014 von der Raiffeisenbank als „Bekenntnis zur Kundennähe“ neu gebaut, wird aus der VR-Bank in Niederpleis nun ein SB-Center. Aber die VR-Bank Rhein-Sieg reduziert ihr Beratungsangebot in Sankt Augustin noch an anderer Stelle. Wir fragen nach den Gründen.

Sankt Augustin: Weniger Beratungen bei der VR-Bank
Foto: Thomas Heinemann

Immer weniger Kunden nutzen die Beratungs- und Serviceangebote der Geschäftsstellen vor Ort. Dem passt die VR-Bank Rhein-Sieg nach eigenen Angeaben nun ihre Angebote an den Standorten an der Kölnstraße in Hangelar und an der Schulstraße in Niederpleis an. Ab Dienstag, 15. Februar wird die Geschäftsstelle Hangelar zu einer „Service-Geschäftsstelle“ verändert, in der es ein „personenbezogenes Bankdienstleistungsangebot rund um das Konto mit reduzierten Zeiten“ geben wird.

Die bisherige Geschäftsstellenleiterin übernehme auf eigenen Wunsch eine andere Aufgabe, teilt die Bank in einem Informationsschreiben an Kunden mit. Zukünftig werde die Bank von 9 bis 12.30 Uhr geöffnet sein. Für Einzahlungen, Auszahlungen, Überweisungen und Kontoauszüge stehen weiterhin die Selbstbedienungsautomaten zur Verfügung.

Letzteres wird auch für die bisherige Service-Geschäftsstelle an der Schulstraße in Niederpleis gelten: Zum 1. April wird die Bank in dem erst 2014 von der damaligen Raiffeisenbank Sankt Augustin errichteten Gebäude zu einem „SB-Center“ reduziert. Auf GA-Nachfrage erklärt Andrea Schrahe, Abteilungsdirektorin Marketing/Öffentlichkeitsarbeit der VR-Bank Rhein-Sieg, die Veränderungen der beiden Standorte: „Es ist wie überall im Leben: Die Menschen stimmen mit ihren Füßen ab und die Pandemie hat dazu beigetragen, dass viele Menschen, die bislang skeptisch gegenüber digitalen Angeboten waren, tatsächlich erkannt haben, dass man mit der Technik bei vielen Standarddingen ganz gut zurechtkommt.“

Auch am Telefon nur ausgebildete Bänker

Das bei Anpassungen von Geschäftsstellen und Öffnungszeiten oft ins Feld geführte Argument, alte Menschen würden damit ausgeschlossen werden, sieht Schrahe aus langjähriger Beobachtung kritisch: in der Praxis beweise ein zunehmender Teil der älteren Kundschaft ein Interesse an den digitalen Angeboten und insbesondere an den telefonischen Dienstleistungen im Kundendialogcenter. Dagegen sei es schwieriger geworden, Personal für die Geschäftsstellen zu finden, „in denen nicht einmal fünf Mal am Morgen die Türe aufgeht. Bei uns gibt es ein ungeschriebenes Gesetz, dass kein Mitarbeiter allein in der Filiale gelassen wird. Das wäre zwar zulässig, aber niemand sollte dort mutterseelenallein bleiben“, sagt Schrahe.

In der Pandemie hat sich nach ihrer Beobachtung selbst der Gang zum Geldautomaten verändert. Seitdem werde vermehrt kontaktlos mit Karte gezahlt; zudem zahlen Supermärkte und Discounter an ihren Kassen auf Wunsch den Kunden Bargeld aus. „Wenngleich wir nun unsere Präsenz vor Ort anpassen, weil die Kapazitäten und die Kundenkontakte nicht mehr da sind, bauen wir damit kein Personal ab. Auch wir spüren den Fachkräftemangel. Bei uns wird kein Mitarbeiter entlassen und wir brauchen jeden Mitarbeiter, auch für den Bereich der Telefonie. Das unterscheidet uns in der telefonischen Beratung von Mitbewerbern, denn bei uns arbeiten ausschließlich gelernte Bänker.“ Das Regionalcenter am Lindenhof in Mülldorf soll erhalten bleiben und gestärkt werden: Dort wird weiterhin eine umfangreiche Beratung vor Ort mit langen Öffnungszeiten angeboten.

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