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Mehr Orientierung im Zentrum: Sankt Augustin will neue Hinweisschilder aufstellen

Mehr Orientierung im Zentrum : Sankt Augustin will neue Hinweisschilder aufstellen

Die Stadt Sankt Augustin möchte an 35 Orten Wegweiser und Informationstafeln aufstellen. Sie sollen helfen, dass Besucher sich im Zentrum besser zurechtfinden.

Neubürger, Gäste der Institutionen im Zentrum und Touristen sollen sich im Sankt Augustiner Stadtzentrum zukünftig besser orientieren können. Für rund 91.000 Euro sollen an insgesamt 35 Standorten Stelen und Hinweisschilder aufgebaut werden, die Besucher zur Hochschule, zur Kinderklinik, zum Ärztehaus oder zur Stadtbücherei leiten. Voraussichtlich im September soll ein entsprechender Förderantrag im Rahmen des Integrierten Handlungskonzeptes gestellt werden, um im kommenden Programmjahr 2021 mit der Umsetzung beginnen zu können. Das hat der Zentrumsausschuss beschlossen.

Arne Blase vom Büro AB Stadtverkehr – Büro für Stadtverkehrsplanung hat die neuen Hinweistafeln gemeinsam mit den Berliner Architekten von eckesdesign entwickelt. Sowohl bei den Farben als auch bei der Schrift orientierten sich die Experten an heutigen Standards. So könne etwa die verwendete Schriftart „Frutiger“ noch aus größeren Abständen und bei Sehschwächen klar entziffert werden. Die Hinweistafeln an Airports wie Paris, London oder Amsterdam, die Verkehrszeichen der Schweiz, diverse Universitäten und Hochschulen sowie Industrieunternehmen nutzen Schriften aus der Frutiger-Gruppe.

Bei den Farben einigte sich die Politik auf eine Variante mit dunklen Braun- und hellen Gelbtönen – weniger eine Frage des Geschmacks als eine Frage der guten Lesbarkeit, bestätigte Arne Blase, der für reduzierte und präzise Angaben auf den Schildern warb: „Streckenpiktogramme wie Treppen- oder Aufzugsangaben benötigen wir in Sankt Augustin nicht, da wir sämtliche Strecken im Fußgängerleitsystem so angelegt haben, dass sie barrierefrei sind.“

Beim Aufbau und der Kombination der Hinweisschilder bedienten sich die Planer am System „KONNI“, das einst für die Stadt Bonn entwickelt wurde und an Konrad Adenauer erinnern sollte. Das System besteht aus einer zentralen Säule, in der sowohl größere Informationstafeln als auch Stern- oder Streckenwegweiser eingehängt werden. Es kommt heute bundesweit in Kommunen und bei Firmen zum Einsatz.

FDP-Ratsherr Wolfgang Züll gab zu bedenken, dass die Systeme auch möglichst sicher vor Vandalismus sein sollten. „Die Systeme bestehen aus lackierten Metallplatten, die dann mit einer Folie beschriftet werden. Am Ende kommt bei Bedarf noch eine Graffiti-Folie oben drüber, damit es später einfacher gereinigt werden kann“, erklärte der Straßenverkehrsplaner: „Bei Beschädigung muss eine Folie erneuert werden.“

Der Nachfrage von Grünen-Ratsherr Christian Günther nach einer zusätzlichen Lesbarkeit für blinde Menschen erteilte der Experte eine Absage: „Blinde Menschen fahren nicht einfach in fremde Städte, um sich dort selbstständig einen Weg zu suchen. Vielmehr organisieren Blinde sich ihre Wege im Vorfeld sehr genau. In der Regel werden Reisen mit Abholungen kombiniert.“ Zudem biete das heutige System der taktilen Bodenelemente mit Rillen und Noppen keine Möglichkeiten, genauere Informationen oder gar Ziele mit Namen zu transportieren. Und auch die Verwendung der Braille-Schrift für Blinde lasse zunehmend nach, weil digitale Helfer und die alternative Pyramidenschrift in der Praxis häufiger verwendet würden: „An einer Stehle wäre man als Blinder gut eine halbe Stunde beschäftigt, alle Ziele abzutasten. Das wird in der Praxis nicht angenommen.“

Überwiegend Zustimmung im Raum gab es auf die Bitte von Rene Puffe (CDU), nicht nur das Rathaus, sondern auch die Institutionen der Musikschule und der Stadtbücherei mit eigenen Hinweisschildern aufzunehmen: „Die sind nicht in jeder Stadt, wie bei uns, im Rathaus untergebracht.“