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Neues Wiesenpflegekonzept: Sankt Augustiner Grünflächen werden Inseln der Artenvielfalt

Neues Wiesenpflegekonzept : Sankt Augustiner Grünflächen werden Inseln der Artenvielfalt

Das Ergebnis gefällt nicht jedem Sankt Augustiner, aber das neue Wiesenpflegekonzept der Stadt zeigt nach einem Jahr die ersten Erfolge. Die Experten erläutern ihr Vorgehen.

Mit einem neuen Wiesenpflegekonzept will die Stadt ihre Grünräume entlang der Straßen und Wege, auf Grünflächen und bald auch in Stadtparks ökologisch aufwerten und damit einen Beitrag zum Artenschutz leisten. Für die insgesamt rund 50 Hektar Grünflächen – so groß wie 70 Fußballfelder – hat das städtische Büro für Natur- und Umweltschutz ein neues Wiesenpflegekonzept erarbeitet. Und das trägt nun erste Früchte.

Angesichts des Artensterbens habe es in der Verwaltung einen Paradigmenwechsel gegeben und damit auch einen Lernprozess, fasst der Technische Beigeordnete Rainer Gleß die aktuelle Zielsetzung für die Grünpflege zusammen. „Biodiversität ist keine leere Worthülse, sondern ein strategisches Ziel“, sagt er. Ein Ziel, das die Stadt mit dem neuen Wiesenpflegekonzept erreichen wolle, trug Carmen Rump, städtische Landschaftsarchitektin im Büro der Natur- und Umweltschutz, im jüngsten Umwelt- und Stadtentwicklungsausschuss vor.

Weniger mähen, mehr säen

Dafür sollen die Pflege und damit auch das Erscheinungsbild der Grünflächen verändert werden. Für einige Flächen bedeute dies eine Reduzierung der Mähzeiten im Jahr, an anderer Stelle aber Mehraufwand für die Einsaat von regionalem Saatgut und die Pflege neuer Blühflächen, bilanzierte Rump. Mehr Kosten sollen nicht oder nur wenig auf die Stadt zukommen. Allein die Umrüstung und Ertüchtigung der Arbeitsgeräte des Bauhofs werde einmalig rund 15.000 Euro kosten.

Denn die Technik des Bauhofs muss angepasst werden: Statt Mulchmäher, die das Schnittgut zerkleinern und anschließend zum Verrotten auf den Flächen liegen lassen, kommen zukünftig vermehrt Balkenmäher mit zwei langen Messerreihen und einer Schnitthöhe von zehn Zentimetern zum Einsatz, um Amphibien und Kleintiere zu schonen. Zudem werden Flächen „von innen nach außen gemäht“, damit Tiere nicht vom lauten Arbeitsgerät eingekesselt und anschließend von den Maschinen erfasst werden.

Schmetterlingsburg in Meindorf

Auf vielen Flächen zeigte das Konzept bereits in diesem Jahr Erfolge. Die präsentierte die Landschaftsarchitektin dem Ausschuss auf Fotos. Im Mendener Park an der Mittelstraße habe sich der selten gewordene Wiesenbocksbart angesiedelt. Und die Wiese an der Zufahrt zum Lichweg in Meindorf, sei nun „leider sehr vermüllt, aber auch sehr artenreich“, so Rump. Bei einer weiteren kleinen Grünfläche Am Weiher in Meindorf erhielt die Stadt Hilfe von einer Anwohnerin. Ein ehemaliger Sandkasten, der eher als Katzenklo bekannt war, wurde von einer Biologin und ehrenamtlichen Grünpatin zu einer Schmetterlingsburg umgestaltet.

Auch der auf den ersten Blick wenig ansehnliche Streifen mit kniehohen Pflanzen auf der kurz geschnittenen Wiese nebenan habe einen Sinn, so Rump bei einem Besuch vor Ort: „Das ist ein Schmetterlings- und Wildbienensaum. Bei der letzten Mahd haben wir diesen Teil mit sogenannten Winterstehern erhalten.“ Insekten, die sich auf diese Arten und die hohlen Stängel der Pflanzen spezialisiert hätten, könnten hier überwintern. „Solche Bereiche sehen vielleicht nicht akkurat aus, sondern eher wild und rustikal. Und das sorgt auch zunehmend für Beschwerden beim Bauhof, weil viele Menschen den Sinn dahinter noch nicht kennen.“

Schulung für den Bauhof

Dass in jüngerer Vergangenheit auch Blühstreifen, die erhalten werden sollten, in den rotierenden Schlegeln des Mulchers verschwunden sind und es insbesondere hierzu im Bereich der Grünen Mitte energische Diskussionen gab, haben Gleß und Rump als Auftrag verstanden: Halbjährlich soll es nun Abstimmungen zwischen dem Umweltbüro und dem Bauhof geben. Zudem wurde ein genauer Mähplan erarbeitet. Zuletzt Anfang November sei das Personal des Bauhofs hierfür geschult worden und auch zukünftig soll es einen engeren Austausch geben.

Veränderungen wird es auch im Park hinter dem Jugendzentrum in Mülldorf sowie im Niederpleiser Park geben. Statt der gesamten Grünfläche, die acht bis zehn Mal im Jahr als Rasen der Freizeitnutzung auch weiterhin mit dem Mulchmäher eingekürzt wird, sollen nun Teile für den Artenschutz reserviert werden, kündigte Carmen Rump an. Ausgewählte Flächen mit Abstand zu den Spielgeräten, zu Sitzbänken oder Spielwiesen sollen umgebrochen, neu eingesät und später als Blühinseln seltener gemäht werden. Nicht immer werde der Artenreichtum dem Betrachter mit blühender Farbenvielfalt ins Auge springen, warb die Landschaftsarchitektin um Verständnis, und auch der Umstand, dass der ideale Mahdzeitpunkt der für den Artenschutz oft genau dann sei, wenn etwa die Margeriten und andere Wildblumen in voller Blüte stehe, werde so manchen Spaziergänger sicher irritieren, so Rump: „Das tut weh, fördert aber den Artenreichtum.“