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AfD-Wahlwerbung: Sankt Augustiner Schüler sind empört über Plakate an ihrer Schule

AfD-Wahlwerbung : Sankt Augustiner Schüler sind empört über Plakate an ihrer Schule

Die einen fühlen sich als Plattform für Wahlwerbung missbraucht, der andere spricht von einer Wiedergutmachungsaktion: Das Fehlen des AfD-Kandidaten bei der Podiumsdiskussion im Rhein-Sieg-Gymnasium hatte Folgen.

Blau-weiße Papierfetzen liegen rund um das Rhein-Sieg-Gymnasium auf den Gehwegen und der Straße. Sie zeigen das vorläufige Ende einer ungewöhnlichen Wahlkampfaktion, mit der der AfD-Bundestagskandidat Roger Beckamp versucht, den Schülerinnen und Schülern seine Positionen näher zu bringen. Die Fetzen demonstrieren auch die Empörung, die das bei den Schülern ebenso wie im Lehrerkollegium ausgelöst hat.

„Wir wollen nicht als Plattform für Wahlkampf benutzt werden“, kommentiert die Schülervertretung die Aktion auf Youtube ebenso wie auf ihrem Instagram-Kanal. Der AfD-Mann blieb der Podiumsdiskussion, zu der die Schule die Bundestagskandidaten eingeladen hatte, ohne Absage fern. Er habe „verpennt“, ließ er die Schüler einige Wochen später auf einer Reihe von Wahlplakaten rund um die Schule wissen. Darauf verwies er außerdem auf ein Youtube-Video, gedreht direkt am Eingang zum Schulhof, unmittelbar vor dem Logo der Schule. Darauf beantworte er die Fragen aus dem Fragenkatalog, den er für die Podiumsdiskussion erhalten habe. Das sei eine „Wiedergutmachungsaktion“, sagt Beckamp dazu, „ausgefallen, aber sehr zielgerichtet“. Dass die Schülerinnen und Schüler empört waren, mag er nicht glauben, ebenso wenig, dass es alle Lehrer waren.

Als respektlos bezeichnen die Schülersprecherinnen Paula Simon, Veronika Röttger und Jolana Bosse dagegen die Aktion. „Er hätte wie alle anderen ja schließlich zur Podiumsdiskussion kommen können“, sagen sie. „Anschließend so eine Aktion zu starten, geht nicht.“ Neben dem mangelnden Respekt empört die Schülersprecherinnen der Eindruck, instrumentalisiert worden zu sein. „Wir wollen für keine Partei die Plattform für Wahlwerbung sein“, betonen die drei.

Aktion ist juristisch gedeckt

Wie die Schulleiterin Birgit Fels sind auch die Schülersprecherinnen besonders erbost über die direkte Ansprache. „Liebe Schüler des Rhein-Sieg-Gymnasiums“ hat der AfD-Kandidat sein Plakat überschrieben. Ein Sternchen führt zu der Fußnote „plus Personen aller 67 Geschlechter!“ Das, so spekulieren Paula Simon, Veronika Röttger und Jolana Bosse, sei eine unfreundliche Anspielung darauf, dass ihre Schule auf dem Weg zur „Schule der Vielfalt“ sei.

Für Birgit Fels liegt das Problem der direkten Ansprache dagegen eher darin, dass damit alle Schüler angesprochen würden, „auch die Minderjährigen“. Auch die Schulleiterin ist „stinksauer, dass wir derart vereinnahmt und instrumentalisiert werden“. Als rund um die Schule die Plakate auftauchten, wandte sie sich zunächst an die Stadt Sankt Augustin und die Bezirksregierung in Köln. Die Aktion sei juristisch gedeckt, erfuhr sie dort. Lediglich rund um die Wahllokale dürfen die Parteien in einem 200-Meter-Radius keine Werbung für ihre Politik machen.

Der Empörung schlossen sich die Sankt Augustiner Ratsfraktionen ebenso an wie der Plakatierung rund um die Schule. Sie argumentierten auf einem gemeinsamen Plakat ebenfalls direkt am Rhein-Sieg-Gymnasium für demokratische Wahlen. Diese Plakate blieben bislang hängen.