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Hilfe für Flutbetroffene: Sankt Augustinerin koordiniert Hilfsgüter an der Ahr

Hilfe für Flutbetroffene : Sankt Augustinerin koordiniert Hilfsgüter an der Ahr

Monika Dahmen fährt jedes Wochenende ins Verteilzentrum Ahrtal nach Gelsdorf, um dort zu helfen. Die Sankt Augustinerin erzählt, was sie bewegt. Ihr große Sorge ist, dass die Hilfe nach den Weihnachtstagen abreißt.

Jedes Wochenende ist Monika Dahmen im Verteilzentrum Ahrtal in Gelsdorf anzutreffen. Unermüdlich verteilt die Sankt Augustinerin dort Sachspenden an von der Flut verwüstete Orte. Betroffene aus der gesamten Region kommen zu ihr, um sich mit verschiedenen Gütern zu versorgen. „Meine Familie kommt aus der Nähe von der Steinbachtalsperre und damals haben wir tagelang um das Wohl unserer Angehörigen gezittert”, erzählt die ehrenamtliche Helferin, was sie zu ihrem Einsatz motiviert. An der Talsperre sei zum Glück nichts passiert, aber die Unruhe habe sie beibehalten und sich deswegen entschlossen, selbst ins Ahrtal zu fahren.

Ihr Mann, der vor vielen Jahren Helfer bei der Oderflut gewesen ist, habe sie gewarnt, dass sie Dinge erleben könnte, die sie nicht sofort verarbeiten könnte. Deswegen habe sie anfangs ein wenig gezögert und sei erst Mitte August zum ersten Mal ins Ahrtal gefahren. Gemeinsam mit einer Arbeitskollegin hat sie zunächst in Altenburg geholfen. Um Hilfsgüter zwischen den verschiedenen Orten auszutauschen ist Monika Dahmen von Lager zu Lager gefahren. Dabei hat sie schließlich die Organisatoren des jetzigen Gelsdorfer Verteilzentrums kennengelernt – und damit ihren jetzigen Einsatzort. „Die waren von Anfang an systematisch und sehr gut organisiert”, sagt sie.

Eigentlich wollte sie mit ihrem Mann im September für zwei Wochen Urlaub machen. Stattdessen verbrachte sie aber die gesamte Zeit im Flutgebiet. „Ich konnte einfach nicht in Urlaub fahren, weil ich unbedingt helfen wollte”, blickt sie zurück. Und ihr Mann, der bis zu diesem Moment noch nicht involviert war, half mit. „Er kennt das Ahrtal vom Motorrad fahren und es wurden noch Ausfahrer gesucht. So haben wir dort 14 Tage gemeinsam Urlaub gemacht”, sagt Dahmen.

Quer durch alle Gesellschaftsschichten hindurch habe sie ganz tolle Menschen kennengelernt, die sie im normalen Leben wahrscheinlich nicht getroffen hätte. „Alles ist so herrlich unkompliziert und man ist sofort per du”, erzählt sie von ihren Erfahrungen. Das Motto „Alle elf Minuten verliebt sich ein Helfer ins Ahrtal” sei ihr in Fleisch und Blut übergegangen. „Man kommt als Fremder und geht als Freund, das ist auch so ein treffender Spruch”, sagt Dahmen.

Weihnachtsgeschenke an Kinder verteilt

Deswegen setzt sich die Sankt Augustinerin täglich für das Verteilzentrum ein und teilt sich zwischen Beruf und ehrenamtlicher Hilfe auf: Unter der Woche beantwortet die Bankkauffrau E-Mails für die Versorgungsstation und koordiniert Sachspenden.
Über Facebook ist sie etwa auf eine Helferin aufmerksam geworden, die Kinderspielzeuge für eine Weihnachtsgeschenkeaktion suchte. „Ich habe unser Spielzeug gesichtet und alles was neuwertig war, auf Paletten gepackt, und sie wiederum kannte jemanden mit einer Spedition, der ihr das nach Hause gebracht hat”, erzählt Dahmen. Ein Frauentrupp aus 120 Kilometer Entfernung ist dann jeden Adventssonntag eine abgesteckte Route mit festgelegten Uhrzeiten durch die Ortschaften der Flutregion gefahren, um die Spenden des Verteilzentrums an die Kinder zu verschenken.

Die weihnachtliche Stimmung bezeichnet Dahmen als gemischt: „Einige Familien wollen ganz bewusst für die Kinder wieder einen Weihnachtsbaum, andere haben dafür keine Nerven mehr". Die Menschen wünschten sich ein wenig Ruhe. „Ich weiß von einzelnen Familien, die Weihnachten außerhalb des Ahrtals verbringen wollen, da dort warmes Wasser und Heizung ist", erzählt sie. Oftmals befänden sich die Heizungen nur in einem einzigen Raum oder einer Etage. Es gebe auch Helfer, die extra in der Region Wintertreffs als warme Begegnungsstätten organisieren würden.

Helfer werden gebraucht

Mit Sorge blickt Monika Dahmen auf das kommende Jahr. „Das Helfer-Shuttle geht jetzt in Winterpause und wir brauchen Leute, die uns im Lager helfen, die Sachspenden zu sortieren oder auszufahren”, sagt sie. Das Shuttle transportiert Helfer an betroffene Orte und hat das Verteilzentrum besonders am Wochenende mit zusätzlichen Unterstützern versorgt. „Zu Weihnachten merken wir eine extrem hohe Spendenbereitschaft, aber wir haben die große Sorge, dass das im Januar nachlässt”, fürchtet Dahmen.

Die großen Aktionen, wie der Häuserrückbau oder auch das Schlammwegschippen, seien nun vorbei und nun brauche man Hilfe für die vielen kleinen Dinge. „Was wir brauchen sind Helfer, die konstant da sind und auch unter der Woche können”, wünscht sie sich. Hilfreich seinen Aktionen mancher Firmen unter dem Namen „Social Day” oder auch Wandertage von Schulklassen. Dann kämen auf einen Schlag zehn bis 20 Helfer ins Verteilzentrum. „Es bleiben immer drei bis vier Leute hängen, die dann auch wiederkommen, deswegen sind solche Aktionen für uns total super”, sagt sie.