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Wie Fallschirmspringen, nur langsamer: Schnupperkurs bei der Tauchsport-Gemeinschaft Sankt Augustin

Wie Fallschirmspringen, nur langsamer : Schnupperkurs bei der Tauchsport-Gemeinschaft Sankt Augustin

GA-Reporterin Sofia Grillo macht einen Schnupperkurs bei der Tauchsport-Gemeinschaft Sankt Augustin und ist zuerst ein bisschen nervös.

Tiefer und immer tiefer sinke ich unter Wasser. Britta Bucher zeigt auf mich und hält sich die Nase an der Tauchmaske zu. Ich soll einen Druckausgleich machen, also meine Ohren vom Druck befreien. Dann sinke ich weiter in die Tiefe, und schließlich bin ich mit meinen Knien auf dem Grund des drei Meter tiefem Schwimmbeckens des Freibads Sankt Augustin. Britta Bucher ist meine Tauchlehrerin. Sie gehört zur Tauchsport-Gemeinschaft Sankt Augustin (TSG). Die Mitglieder im Verein halten sich das ganze Jahr über im Tauchen fit und bringen Anfängern den Sport nahe. Ich bin Anfängerin und mache den Schnupperkurs.

Bevor ich in die Tiefe sinken kann, wird mir die Ausrüstung erklärt und wie man sie zusammenbaut. Die Druckluftflasche, die mich später unter Wasser mit Luft versorgt, das Jacket, woran die Flasche befestigt wird, der Lungenautomat, durch den ich atmen werde, der Neoprenanzug, die Tauchmaske und Schwimmflossen haben die Mitglieder des Vereins für mich mitgebracht.

„Eine komplett neue Tauchausrüstung kostet locker über 2000 Euro“, sagt mir Stefan Ott, der für die Pressearbeit im Verein zuständig ist. „Im Verein müssen die Mitglieder sich nicht alles kaufen. Wir können die Ausrüstung stellen.“ Sobald ich den Neoprenanzug anhabe, geht es auch schon ins Wasser. Hier schwimmt auch mein zusammengebautes Jacket herum. Es sieht aus wie eine Weste. Hinten ist die Druckluftflasche angebracht, die rund 15 Kilo schwer ist. Das Jacket kann mit der Druckluftflasche aufgepumpt werden, so dass es an der Oberfläche schwimmt.

Druckausgleich für die Ohren

Ich schnalle mir im Wasser die Weste um den Oberkörper. An einer Art Schlauch kann ich mit einem Knopf Luft aus dem Jacket ablassen, damit ich unter Wasser sinken kann. Aber vorher nehme ich das Mundteil des Lungenautomates in den Mund. Nun atme ich die Luft aus der Druckluftflasche ein und während ich immer weiter nach unten sinke, atme ich einfach weiter.

Das ist für mich am ungewohntesten an der ganzen Tauchübung und so beschleunigt sich am Anfang mein Atem unter Wasser vor Aufregung. Ganz wichtig ist es beim Sinken den Druckausgleich für die Ohren zu machen, sonst könnte in einer gewissen Tiefe das Trommelfell platzen. Auch das macht mich ein wenig nervös. Und dann fällt es auch noch schwer, unter Wasser die Orientierung zu behalten. Bucher beruhigt mich ein wenig und nimmt mich an die Hand.

Unter Wasser gleiten wir durch das Schwimmbecken, und ich entspanne mich zunehmend. Meine Tauchlehrerin zeigt mir, wie ich mich am besten unter Wasser bewegen kann: Beine strecken, mit den Füßen leicht paddeln und Arme an nach außen strecken. So gleitet es sich am besten durch das klare Wasser. Beim Auftauchen fülle ich wieder mit einem Knopf Luft in das Jacket. So werde ich sanft nach oben gehoben.

Schwerelosigkeit unter Wasser

Der TSG hat 110 Mitglieder, davon sind fast 25 Prozent Jugendliche. Derzeit gibt es aber vier Tauchlehrer. „Es wäre schön, wenn wir noch mehr hätten“, sagt Ott. Es sei wichtig sich im Tauchen fit zu halten. Wenn man nur zwei Mal im Jahr im Urlaub tauchen würde, habe man nicht genug Praxis und bliebe Anfänger. „Tauche wie ein Schatten, hinterlasse keine Spuren und lasse nichts zurück“, sollte das Ziel eines jeden Tauchers sein, so Ott. Der TSG bereitet seine Mitglieder das ganze Jahr über auf Tauchurlaube vor. Die Mitglieder treffen sich wöchentlich – im Sommer im Freibad Sankt Augustin, das ihnen die Stadt für die Übungen zu Verfügung stellt, und im Winter im Hallenbad in Niederpleis. Alle drei Jahre macht der Verein eine gemeinsame Reise, zuletzt nach Lanzarote. „Das Tauchen führt mich an unheimlich schöne Orte der Welt, unter und über Wasser“, beschreibt Stefan Ott seine Leidenschaft für den Sport.

Bucher liebt die Schwerelosigkeit unter Wasser. „Es ist wie Fallschirmspringen nur viel langsamer“, sagt die 55-Jährige. Sie ist seit 1991 im Verein und hat schon über tausend Tauchgänge gemacht. Unter Tauchern zählt man nicht die Jahre, die man den Sport betreibt, sondern die Tauchgänge, um die Erfahrung darin zu messen. Für mich geht es ein zweites Mal unter Wasser. Nun bin ich entspannter und kann wie Britta Bucher die Schwerelosigkeit genießen. Jede Bewegung ist sanfter als auf Land, und die Welt wird unter Wasser ein wenig langsamer – ein schönes Gefühl.

Eine Tauchausbildung beim TSG dauert circa ein halbes Jahr. Wer das Tauchen im Verein lernen möchte, braucht eine Mitgliedschaft. Die kostet 105 Euro im Jahr. Ein Schnuppertraining kostet 20 bis 30 Euro. Mehr Informationen gibt es unter tsg-augustin.de.