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Segelflieger- Absturz Hangelar: Bundesstelle ermittelt

Seilriss führte zu Strömungsabriss : Bundesstelle ermittelt nach Segelflieger-Absturz in Hangelar

Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung ermittelt nach dem Absturz eines Segelflugzeugs am Samstag in Sankt Augustin-Hangelar. Über den Zustand der schwer verletzten 17-jährigen Pilotin war am Montag nichts bekannt.

Nach dem Absturz eines Segelflugzeugs am Flugplatz Bonn/Hangelar am Samstagnachmittag hat die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig ihre Ermittlungen aufgenommen. Zum Gesundheitszustand der bei dem Unfall schwer verletzten 17-jährigen Pilotin konnten die Ermittler am Montag keine Auskunft geben. Die junge Frau war mit einem Rettungshubschrauber in eine Klinik gebracht worden.

Die 17-Jährige saß in einem Flugzeug vom Typ Schleicher ASW 28-18 des Aeroclubs Bonn-Hangelar. Der Verein werde in dieser Woche keine Auskünfte zum Hergang des Unfalls oder zum Luftsport geben, teilte ein Sprecher auf Nachfrage des General-Anzeigers mit. Beim Windenstart des Einsitzer-Flugzeugs war das hochfeste Polyethylenseil gerissen, mit welchem das Segelflugzeug nach Angaben des Vereins in rund 40 Sekunden in rund 400 Meter Höhe gezogen wird. Der augenblickliche Verlust von Vor- und Auftrieb durch den Seilriss führte laut Augenzeugen zu einem sogenannten Strömungsabriss: Das Flugzeug geriet in eine unkontrollierte Lage und taumelte zu Boden. Beim Aufprall wurde die 17-jährige Pilotin schwer verletzt, aber nicht eingeklemmt. Die Feuerwehr rettete sie aus dem Flugzeug.

Standardverfahren bei Verletzten

Ermittlungen der BFU seien bei Flugunfällen mit Verletzten ein Standardverfahren, erklärte BFU-Sprecher Germout Freitag am Montag: „In der Phase 1 nach einem Ereignis entscheiden wir, ob wir eine Untersuchung einleiten müssen oder nicht und ob ein Untersucher aus unserem Hause oder ein beauftragter Untersucher vor Ort tätig wird, der dann den Erstkontakt herstellt und Spuren sichert.“ Ein beauftragter Spezialist habe unmittelbar nach den Rettungsarbeiten mit seiner Arbeit am Unglücksort begonnen und, wie in der zweiten Phase üblich, auch mit der Vermessung der Unfallstelle, der Dokumentation durch Fotoaufnahmen und der Befragung der Augenzeugen begonnen.

Dabei wurde der Spezialist von der Freiwilligen Feuerwehr Sankt Augustin unterstützt, die mit ihrer Einsatzdrohne Fotos aus der Luft anfertigte. „Parallel zur Arbeit vor Ort nimmt sich ein hausinterner Untersucher des Vorgangs an. In den nächsten zwei bis zweieinhalb Monaten werden sämtliche Informationen für einen sogenannten Zwischenbericht zusammengefasst“, so Freitag: „Es ist eine reine Faktendarstellung nach dem Dreiklang Mensch, Maschine, Umwelt, also mit Informationen zur Pilotin, zum Segelflugzeug und zu Rahmenbedingungen wie dem Wetter.“

Künftig Unfälle vermeiden

Dem Zwischenbericht folge die Analyse, die auch ein Fazit sowie zuweilen auch eine Sicherheitsempfehlung enthalte: „Wir machen unsere Arbeit nicht für uns, wir weisen auch niemals Schuld zu, sondern wir analysieren das Ereignis und wollen zukünftige Unfälle vermeiden. Daher werden unsere Berichte auch anonymisiert und öffentlich auf unserer Internetseite veröffentlicht.“

Während der BFU-Sprecher den Ermittlungen nicht vorweg greifen darf, bestätigt ein erfahrener Segelflieger und Fluglehrer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will: Vor einem Seilriss beim Windenstart sei kein Pilot gefeit. Daher sei der Seilriss in verschiedenen Flughöhen und auch das Auslösen der eingebauten Sollbruchstelle am Schlepphaken unterhalb des Flugzeugs sowohl Gegenstand der praktischen Pilotenausbildung als auch Inhalt regelmäßiger Schulungsflüge. Jeder aktive Segelflugpilot muss zwei dieser Schulungsflüge mit einem Lehrberechtigten innerhalb der vergangenen 24 Monate nachweisen.

Seilriss wird trainiert

Wie am Flugplatz aus Fliegerkreisen zu erfahren war, werden diese Schulungsflüge im Aeroclub Bonn-Hangelar sogar häufiger als vorgeschrieben und jährlich zum Saisonstart für alle Mitglieder durchgeführt. Dabei sei das Training des Seilrisses in etwa vergleichbar mit dem Training einer Vollbremsung mit einem Motorrad: Man übe die Situation in der Ausbildung und zeige die Vollbremsung auch in der Prüfung. Eine Garantie, im realen Straßenverkehr nicht zu stürzen, sei dies aber nicht, so der Vergleich. Das sei auch jedem Piloten bewusst und in eine derartige Situation sei die 17-jährige Pilotin gekommen.