KI-Forschung in Sankt Augustin Sehen, Hören, Lesen – Forschende entwickeln KI von morgen

Sankt Augustin · Die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg und das Fraunhofer-Institut haben ein Forschungsprojekt zu multimedialer KI gestartet. Dieses soll vor allem dem Mittelstand zugutekommen

 Das Forschungsprojekt soll sich vorallem auf multimediale KI konzentrieren

Das Forschungsprojekt soll sich vorallem auf multimediale KI konzentrieren

Foto: dpa/Peter Steffen

Beinahe täglich hören wir von Künstlicher Intelligenz (KI) und ihren Möglichkeiten für die Wirtschaft. Von konkreten Ansätzen, die KI in die Arbeitswelt zu integrieren, eher selten. Die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg hat in Kooperation mit dem Fraunhofer IAIS dazu nun ein neues Forschungsprojekt gestartet. Dieses soll vor allem dem Mittelstand zugutekommen.

Die Forschenden wollen sich vor allem auf sogenannte multimediale KI fokussieren. Dabei handelt es sich um Computerprogramme, die sowohl Text- als auch Bild- und Audiodateien verarbeiten können. Die KI also sehen, hören und lesen. Dadurch soll sie flexibel einsetzbar sein. Eine weitere Neuheit der KI ist, dass sie mit deutlich weniger Daten gefüttert werden muss. Sie soll in der Lage sein, die eingegebenen Daten mit ähnlichen Einträgen einer großen Datenbank abzugleichen und diese logisch zu verknüpfen. Sie soll quasi aus dem Zusammenhang schließen können.

Laut Forschungsleiter Sebastian Houben sollen solche KIs vor allem dem Mittelstand helfen. Auch sollen sie in beinahe allen Branchen einsetzbar sein. So könne eine Bauleiterin ihren morgendlichen Rundgang mit dem Handy filmen und ihre Eindrücke beschreiben. Die KI würde das mit den Bauplänen abgleichen und könnte so schnell Auskunft über den Baufortschritt geben. Auch ein Einsatz im medizinischen Bereich sei denkbar. Über Messinstrumente wie zum Beispiel Fitnesstracker können Daten wie Herzfrequenz, Bewegungen, Blutzuckerwerte aber auch Sprachaufnahmen, beispielsweise von Angehörigen, zusammengeführt und ausgewertet werden. Die KI könne dann schnell Auskunft über den Gesundheitszustand geben „und das in natürlicher Sprache“, erzählt Houben. Von solchen Möglichkeiten sei man aber noch einige Jahre entfernt, meint der Informatiker. Kurzfristig sei es denkbar, dass die KI vor allem dabei unterstützen soll, Fehler in Produktionsketten zu finden. So könne die KI am Ende eines Fließbands überprüfen, ob die fertigen Produkte intakt sind, oder ob zum Beispiel eine Schraube schief ist oder einen Kratzer hat.

Die Forschenden arbeiten auch daran, zu verhindern, dass die KI allzu viele Fehler macht. Ein Ansatz ist dabei, zu überprüfen wie sicher sich die KI bei ihren Antworten ist. Um das herauszufinden, gebe man der KI dieselbe Aufgabe mehrmals, verändere die eingegebenen Daten dabei allerdings immer ein wenig, so Houben. Wenn dabei immer verschiedene Antworten herauskommen, sei sich die KI unsicher. Dies seileistungsfähig der Moment, in dem man einen Menschen hinzuzuziehen sollte.

Neu ist auch, dass die Programme, die derzeit in Sankt Augustin entwickelt werden, deutlich weniger Rechenleistung benötigen sollen. Fragen, die heutzutage an ChatGPT und Co. gerichtet werden, müssen von großen Rechenservern mit teurer Hardware bearbeitet werden. Houben und seine Kollegen arbeiten nun daran, die technischen Anforderungen der KIs so weit herunterzuschrauben, dass sie auch von etwas leistungsfähigeren PCs gestemmt werden können.

Bei ihren Forschungen greifen Houben und seine Kollegen auf die Ressourcen von WestAI zurück. Dabei handelt es sich um ein KI-Servicezentrum, an dem sich unter anderem auch die RWTH Aachen, die TU Dortmund und das Forschungszentrum Jülich beteiligen.

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