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Fahrräder für einen Euro: So lief die Versteigerung im Fundbüro Sankt Augustin

Fahrräder für einen Euro : So lief die Versteigerung im Fundbüro Sankt Augustin

Das Fundbüro in Sankt Augustin versteigert regelmäßig nicht abgeholte Gegenstände. Bei der Aktion am vergangenen Wochenende zog der Besitzer einer Kölner Fahrradwerkstatt den Zorn auf sich.

Bieten, zahlen, mitnehmen: Eine Ersteigerung kann schneller gehen als ein Kauf im Geschäft, vorausgesetzt, nicht allzu viele Bieter haben es auf den Gegenstand abgesehen. Etwa 30 Erwachsenen haben sich um einen abgesperrten Platz in der Tiefgarage des Rathauses in Sankt Augustin versammelt, um mitzubieten oder einfach nur das Geschehen zu beobachten. Auch einige Jungen sind dabei, die auf ein günstiges Fahrrad hoffen.

Ein paar Minuten vor der Versteigerung können Interessierte schon einen Blick auf die Gegenstände werfen. Einige machen sich Notizen. Unmengen von Fahrrädern stehen bereit. Auch einen Kinderbuggy und Uhren versteigert das Fundbüro an diesem Tag. Insgesamt 89 Gegenstände sind auf der Versteigerungsliste verzeichnet. Alles Dinge, deren gesetzliche Aufbewahrungsfrist abgelaufen ist. Auf die Frage, wie oft die Versteigerungen stattfinden, antwortet die Sachbearbeiterin des Fundbüros, Elke Schätzer: „Das kommt darauf an, wie viele Sachen da sind, damit sich der Aufwand überhaupt lohnt.“

Das erste Versteigerungsstück wird vor das Publikum geschoben: ein weißes Damenrad der Marke „Passat“. Zwei Euro beträgt das Einstiegsgebot, für sieben Euro wechselt es den Besitzer. „Sieben Euro zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten“, schallt es, und der Hammer schnellt laut nach unten. Mit den zwei Paar Boxhandschuhen kann hingegen niemand etwas anfangen.

Zwei Fahrräder für einen Euro

Schnell fällt auf, dass man als Bieter die Marken und die Preise kennen sollte. Ein Platinring mit einem Stein wird von einem Mann für 125 Euro ersteigert – der Platinpreis liegt momentan bei rund 25 Euro pro Gramm. Es kann sich also durchaus lohnen. Nun wird ein Damen-E-Bike der Marke „Victoria“ präsentiert. Um die 2000 Euro kostet so ein Fahrrad bei der Neuanschaffung. Die Gebote wollen nicht aufhören, die Hände bleiben starr in der Luft, um das Gebot zu steigern und alle schauen gespannt zu. 240 Euro, 245 Euro und das letzte Gebot 255 Euro – das höchste des gesamten Tages. Bezahlt wird bar auf die Hand und schon wechselt das ersteigerte Stück den Besitzer. Die Preisspanne ist groß an diesem Tag: Zwei Fahrräder gehen für je einen Euro weg, sie sehen ziemlich reparaturbedürftig auf. Ein junger Mann fällt mit seinen vielen Geboten besonders auf. Er ersteigert ein Fahrrad nach dem anderen. Der Bieter hat eine Werkstatt in Köln und bereitet die ersteigerten Fahrräder wieder auf. Wie viele er ersteigert hat? „18 Stück.“

„Eine Frechheit“, nennt dies ein Mann aus Rösrath, der seinen Namen nicht nennen möchte. Zur Versteigerung ist er gekommen, um Fahrräder für die Familie zu kaufen. „Man müsste eine Begrenzung auf zehn Fahrräder pro Person einführen“, findet er. Händler, die ausgebildet seien und die Preise kennen, kämen so an viele qualitativ hochwertige Fahrräder.

Nach mehr als einer Stunde geht die Versteigerung zu Ende. Die Fragen zu den Geschichten der verlorenen Gegenstände bleiben. Eine neu verpackte Ledertasche findet keinen neuen Besitzer. Viele Dinge hatten noch ein Preisschild und wurden wohl eben erst gekauft. Eine Zuschauerin resümiert rheinisch: „Watt fott es, is fott.“