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38-Jähriger verurteilt: Tankstellenräuber entschuldigte sich bei Überfall in Sankt Augustin

38-Jähriger verurteilt : Tankstellenräuber entschuldigte sich bei Überfall in Sankt Augustin

650 Euro und ein Päckchen Zigaretten erbeutete der Tankstellenräuber im vergangenen August. Seine Entschuldigung bei dem Opfer sorgte für eine mildere Strafe.

„Warte bitte ein paar Minuten, bevor du die Polizei rufst“, hatte der Räuber sein Opfer nach der Tat gebeten und ihm mit den Worten „Sorry für den stressigen Tag“ die Hand zu einer sogenannten Ghetto-Faust entgegen gestreckt. Trotz dieses einigermaßen versöhnlichen Abschiedsgrußes muss der Täter, ein Mann aus Sankt Augustin, nun für drei Jahre in Haft.

Die Richter der 10. Großen Strafkammer unter dem Vorsitz von Marc Eumann befanden ihn am Dienstagmittag des besonders schweren Raubes sowie der besonders schweren räuberischen Erpressung für schuldig. Der geständige 38-Jährige hatte eingeräumt, am 6. August vergangenen Jahres die BFT-Tankstelle an der Siegstraße in Sankt Augustin überfallen zu haben. Das Gericht ordnete außerdem an, dass sich der Verurteilte schnellstmöglich einer Drogenentziehungsmaßnahme unterziehen muss.

Denn bei der Tat handelte es sich um Beschaffungskriminalität: Weil er dringend Geld zum Kauf von Heroin gebraucht habe, sei er auf die dumme Idee gekommen, die Tankstelle zu überfallen. Das hatte der Mann gleich zu Beginn des ersten Verhandlungstages zugegeben. Bereits in der Schule habe er regelmäßig gekifft und auch „Pillen eingeworfen“. Für letzteres hat das Geld wohl auch noch vor der Tat gereicht, dazu kamen drei Bierchen „um sich Mut anzutrinken“. Derart vorbereitet habe er sich dann auf seinem silbernen Rennrad auf den Weg zur Siegstraße gemacht. Mit im Gepäck sei ein Küchenmesser mit einer 15 bis 20 Zentimeter langen Klinge gewesen.

Minder schwerer Fall wegen empathischen Verhaltens

Vor Ort angekommen, musste der Mann dann aber feststellen, dass die Tankstelle bereits geschlossen war. Am Hintereingang gelang es ihm aber, den einzigen Mitarbeiter beim Müllraustragen abzufangen. „Alles Geld her“ drohte der Räuber dem 20-Jährigen nun mit vorgehaltener Waffe und nötigte ihn in den Innenraum zurück. Dort lagen griffbereit die zum Zählen ausgebreiteten Tageseinnahmen der Früh- und der Spätschicht – alles in allem allerdings nicht mehr als 650 Euro in bar. Weil er die Frage, ob es noch mehr Geld gebe verneinte, ließ sich der Räuber noch eine Schachtel Zigaretten geben, was ihm zwar keine deutlich höhere Strafe einbrachte, aber juristisch den Unterschied zwischen Raub und räuberischer Erpressung ausmacht.

Nicht zuletzt wegen seiner einigermaßen empathischen Art, das Verbrechen zu begehen, nahm das Gericht aber einen minder schweren Fall an: Bereits zu Beginn des Raubes hatte der Täter nämlich beruhigend auf sein Opfer eingeredet. Und die Ghetto-Faust habe er vor Verblüffung über die angebotene Geste fast erwidert, hatte das Opfer im Zeugenstand ausgesagt. Obwohl er ihm der Täter offenbar also nicht besonders unsympathisch war, hatte das Opfer dennoch an der Tat zu knapsen: Aus Angst vor weiteren Überfällen habe er seinen Job an der Tankstelle aufgeben und seine Schauspielausbildung aus finanziellen Gründen zunächst ruhen lassen müssen. Mittlerweile habe er sich aber gefangen und den Überfall verdaut. Weitere Umstände die aus Sicht des Gerichts für einen minder schweren Fall sprachen, waren das vollständige Geständnis, die relativ geringe Beute sowie die Tatsache, dass der Angeklagte nie zuvor wegen eines Gewaltdelikts vor Gericht gestanden hat.