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Neuer Kulturamtsleiter in Sankt Augustin: Torsten Ehlert - Ein Fußballfan mit Liebe zur Oper

Neuer Kulturamtsleiter in Sankt Augustin : Torsten Ehlert - Ein Fußballfan mit Liebe zur Oper

Er findet das kleine Studio-Kino in Mülldorf toll, und auch das Fachwerkhaus-Ensemble inklusive der Spielstätte Haus Menden an der alten Kirche hat er schon in sein Herz geschlossen. Er ist zwar erst seit Februar da, doch Torsten Ehlert ist bereits gut angekommen in Sankt Augustin.

"Ich fühle mich sehr wohl", sagt der neue Fachbereichsleiter für Kultur und Sport. Dass es ihm leicht gefallen ist, sich so schnell einzuleben in der fünften Etage des Rathauses, liegt laut Ehlert vor allem an den Kollegen. "Meine Leute sind top, absolute Experten. Die drücken auch ein Auge zu, wenn ich als Neuling noch nicht alles weiß", sagte der 42-jährige Nachfolger des langjährigen Kulturamtsleiters Bert Stroß.

Aber wie auch schon zu Zeiten seines Vorgängers geht es nicht nur um Kultur in seinem neuen Job. Ehlert verantwortet auch den Sport in der Stadt mit seinen vielen Sportstätten, den Vereinen und allem, was dazugehört. "Da kommen schon große Herausforderungen auf uns zu", blickt Ehlert auf die dringenden Sanierungen der Sporthalle im Schulzentrum Menden, der des Rhein-Sieg-Gymnasiums oder des Hallenbades Niederpleis. "Das wollen wir möglichst hinbekommen, ohne dass die Vereine beeinträchtigt werden." Eine Herkulesaufgabe - bei der desolaten Finanzsituation der Stadt.

Doch beim "Neuen" überwiegt der Optimismus, und Herausforderungen nimmt Torsten Ehlert gerne an. Sankt Augustin kannte er noch nicht, bevor er die Stellenausschreibung gesehen hatte. Aber er hat sich die Stadt angeschaut, nachdem er seine Bewerbung eingereicht hatte. Und er hat festgestellt, dass sie ihm gefällt.

Als einen Wadenbeißer, der seinem Team Beine macht, sieht er sich nicht, auch wenn der begeisterte Fußballer wie einst sein Idol "Diego" Buchwald als unbarmherziger Innenverteidiger beim TSV Binswangen auf dem Fußballplatz unterwegs war. "Ich pflege eher den kollegial-kooperativen Stil", sagt der in Hannover geborene Württemberger in seinem "schwäbischen Akzent", der auch nach vielen Jahren im Rheinland noch recht kräftig, aber sympathisch durchkommt. Ein Teamplayer eben, der indes auch weiß, was es heißt, Menschen zu führen. "Sie sind unterschiedlich, und man muss sie so nehmen, wie sie sind und sehen, wo sie ihre Stärken haben", sagt er.

Jurist ist Torsten Ehlert, aber für den Fan des VfB Stuttgart kam nach dem Examen ein klassisch juristischer Beruf nicht in Frage. Zuletzt war der mit seiner Lebensgefährtin in Köln lebende neue Augustiner Kulturmanager als Referent im Personalmanagement von IT NRW tätig. Und nun Sankt Augustin. "Ich finde es sehr beachtlich, was hier kulturell läuft", sagt Ehlert. Sankt Augustin liege ohnehin in einer ausgeprägten Kulturregion, was ihn sehr freue. "Es gibt so gut wie nichts, was mich an Kultur nicht interessiert", sagt Ehlert. Gereizt habe ihn überdies, dass Sankt Augustin eine Stadt im Rheinland ist. Dass er neben dem Fußball ein Faible für Opern hat, liegt auf der Hand. Auch der Fußball kann schnell zum Drama werden.

Doch ist es nicht nur der erstklassige Fußball, der ihn lockt. Er schaut sich auch gern ein Landesligaspiel an, und wenn der Freund ihn fragt und er hat Zeit, steht er auch bei Wormatia Worms in der Regionalliga-Süd auf der Tribüne oder eben bei Fortuna Köln in der Regionalliga-West. "In Zollstock habe ich elf Jahre gelebt", sagt der Sportfan Ehlert, der neben Fußball aktiv Tennis und Tischtennis spielt.

Sportaffin, kulturaffin: "Der Job hier ist für mich maßgeschneidert", sagt Ehlert, dessen Freunde schon vorher gesagt hatten: "Die nehmen dich." Der Bürgermeister hat ihn dann genommen, und wer Ehlert sprechen hört - schnell und eloquent -, der spürt seinen Tatendrang. Allerdings will er nicht so sehr viel ändern. "Ich habe eine sehr erfolgreiche, gut besuchte und feste Kultur-Struktur vorgefunden. Wenn so viele Menschen in die Vorstellungen kommen, warum soll ich da etwas ändern?", fragt er. Allenfalls punktuell möchte er eingreifen. "Aber was das sein könnte, darüber denke ich noch nach." Irgendwie möchte er es gerne schaffen, dass mehr junge Leute in die Spielstätten kommen. "Wenn man sie überhaupt erreichen kann."

Dass die Stadt mittelfristig noch einen zusätzlichen Kunstrasenplatz im Zentrum bekommt, sieht Ehlert derzeit nicht, auch wenn er weiß, dass die Plätze und Sportstätten stark ausgelastet sind. "Dem steht die schlechte Finanzlage entgegen", sagt er, der auch für die Stadtbücherei und die Musikschule zuständig ist.

Ein vielfältiger Job, den er da hat, genauso vielfältig interessiert, wie er selbst ist. Von zwei Wohnzimmer-Konzerten der "Toten Hosen", über Lesungen, Filme bis hin zu Puccinis "Turandot", seiner Lieblingsoper: Der Mann lebt Kultur.