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Generationswechsel in Sankt Augustiner Buchhandlung: Tradition der Bücherstube wird fortgesetzt

Generationswechsel in Sankt Augustiner Buchhandlung : Tradition der Bücherstube wird fortgesetzt

Für Geschäftsführer Karl-Heinz Matheis endet ein berufliches Kapitel voller spannender Begegnungen. Er übergibt an Lena Weiß und Christoph Ahrweiler.

Das Gästebuch von Karl-Heinz Matheis ist ein Buch voller Erinnerung, viele verbunden mit Freude, andere auch mit bewegenden und berührenden Momenten. Nun hat der stadtbekannte Geschäftsführer der Buchhandlung „Bücherstube St. Augustin“ sein seit 1984 geführtes Gästebuch und damit zugleich auch ein Kapitel in seinem Berufsleben geschlossen: Die von Matheis und Olaf Weber geführte Traditionsbuchhandlung an der Alten Heerstraße in Niederpleis hat mit Lena Weiß und Christoph Ahrweiler neue Geschäftsführer gefunden. Am Mittwoch haben die alten und neuen Inhaber sich in der Stadtbücherei Sankt Augustin vorgestellt, die im Zuge des Wechsels mit einer Spende in Höhe von 3000 Euro zugunsten der Leseförderung von Kindern bedacht wurde.

„Der Name bleibt, denn die Marke ist weithin bekannt“, kündigt Ahrweiler als Inhaber an, der den Standort unter dem Dach der Buchhandlung Kayser mit Standorten in Rheinbach und Wesseling fortführen wird. Dass der stationäre Buchhandel seit Jahrzehnten totgesagt sei und nun auch die Pandemie zusätzliche Hürden geschaffen habe, bereitet dem neuen Inhaber keine Sorgen: „Wir haben ein gutes Gefühl dabei. Lena Weiß und ich sind beides Menschen, die immer optimistisch und positiv in die Zukunft blicken. Als wir im vergangenen Jahr Gespräche mit Karl-Heinz Matheis geführt haben, war nicht absehbar, wie lange der Lockdown gehen würde und dass wir noch mitten im Lockdown den Standort übernehmen würden. Aber wir haben eine tolle Buchhandlung übernommen. Sie ist sehr gut aufgestellt, hat ein tolles Team und sie hat auch den Lockdown sowie das gesamte Coronajahr 2020 sehr, sehr gut überstanden.“ Das bestätigt auch Matheis: „Wir sind wirklich gut durchgekommen. Da tun mir andere leid, die es schwieriger hatten.“

Für den Erfolg hat Matheis – selbst ein Mann der ruhigen Töne – in den vergangenen Jahrzehnten gekämpft. Vier Erweiterungen und räumliche Veränderungen hatte der Inhaber der Bücherstube seit der Eröffnung des alten Huma Einkaufsparks mitgemacht, ehe 2015 der Umzug aus dem Stadtzentrum ins kleine Nahversorgungszentrum an der Alten Heerstraße in Niederpleis erfolgte. Ein Moment der ungewissen Zukunft, erinnert sich Matheis: „Wir hatten damals die Stunden aller Mitarbeiter reduziert, damit möglichst viele Mitarbeiter mit in das deutlich kleinere Geschäft umziehen konnten. Bereits nach einer Woche haben wir alles wieder hochgesetzt, weil der Andrang so groß war.“

Gäste hat er nicht gezählt

Die Enge blieb, manchmal sei es für die große Auswahl an Büchern vielleicht auch zu eng gewesen, sagt Matheis heute. Und doch gab es immer Platz für Begegnungen, für Lesungen und Signierstunden: „Unsere erste Lesung war am 22. November 1984 im Ratssaal. Das war damals eine kleine Sensation, denn die Sängerin Roswitha Trexler und ein weiterer Autor waren Gäste aus der DDR.“

Wie viele Autoren er über die Jahre empfangen hat, hat Matheis nicht gezählt, „aber Rafik Schami war etliche Male bei uns.“ Gänsehaut bereitet ihm noch heute der Besuch der Autorin Ruth Elias (1922-2008) am 11. Oktober 1988: „Das war etwas ganz, ganz wichtiges für mich. Ruth Elias war eine KZ-Überlebende und kam damals extra aus Israel zur Präsentation ihres Buches zu uns.“ Den letzten Eintrag im Gästebuch vom 26. November 2019 ziert die Unterschrift von Yael Nachshon Levin und Anja Reich zur Lesung „Getauschte Heimat. Ein Jahr zwischen Berlin und Tel Aviv“. Das Programm für 2020 hatte die Bücherstube pandemiebedingt absagen müssen, wenngleich die Lesungen auch unter neuer Führung fortgesetzt werden sollen, wie Weiß und Ahrweiler betonen.

Dass Matheis ein regelmäßiger Gast sein dürfte, gilt als wahrscheinlich. Im Ruhestand bleibe er den Büchern, den Romanen der modernen Literatur, treu: „Es ist aber schön, dass man jetzt lesen kann, wozu man Lust hat, und nicht das lesen muss, was gerade am Markt wichtig ist und wozu die Leute Fragen haben.“ Eine Anhängerkupplung fürs Auto sei bereits bestellt, um zukünftig die Fahrräder zu besonderen Touren transportieren zu können. Und auch ein gesellschaftliches Engagement will Matheis nicht ausschließen.