Verein aus Sankt Augustin setzt auf ein Novum TV Hangelar schafft den Weg aus der Krise

Sankt Augustin · Der TV Hangelar stand kurz vor dem Aus, weil sich kein neuer Vorsitzender fand. Mit einem Novum im Vereinswesen hat der Sankt Augustiner Verein mit rund 1400 Mitgliedern seine Auflösung verhindert.

 In seiner Mtgliederversammlung hat der TV Hangelar ein Novum beschlossen: Künftig teilen sich fünf Vorstände die Verantwortung.

In seiner Mtgliederversammlung hat der TV Hangelar ein Novum beschlossen: Künftig teilen sich fünf Vorstände die Verantwortung.

Foto: TV Hangelar

Vor einem Jahr stand der Turnverein Hangelar kurz vor der Auflösung. Nicht etwa, weil es ihm an Zuspruch mangelt: Rund 1400 Mitgliedern in seinen unterschiedlichen Abteilungen stehen für die erfolgreiche Arbeit des Vereins. Nach 30 Jahren im Vorstand, davon allein elf als 1. Vorsitzender, wollte Otto Deibler sein Amt an Jüngere übergeben und nicht mehr kandidieren. Trotz intensiver Suche fand sich allerdings niemand, der für das anspruchsvolle und vor allem verantwortungsvolle Amt kandidieren wollte. Ein Jahr später ist der Verein nun gerettet, durch eine Satzungsänderung, die zugleich ein Novum ist: Statt einem Vorsitzenden gibt es nun fünf Vorstände an der Spitze des TV Hangelar.

Otto Deibler hatte im vergangenen Jahr eine Erklärung dafür, warum es so schwer ist, einen Vorsitzenden zu finden: Jüngere stünden mit beiden Beinen im Berufsleben, hätten zudem Familie und wenig Zeit für das Ehrenamt. Die Älteren wiederum wollten ihren Ruhestand ohne neue Verpflichtungen genießen. Daher hatte er zusammen mit Geschäftsführerin Anna Hörstrup sogar überlegt, den Posten mit einem hauptberuflichen Vorstand zu besetzen, den Gedanken aber aus Kostengründen wieder verworfen. Damit der Verein bis zur Mitgliederversammlung in dieser Woche weiter geschäftsfähig bleiben konnte, übernahm Stefan Halfen vor einem Jahr kommissarisch Deiblers Nachfolge. Allerdings unter der Prämisse, in Zukunft nicht allein die Funktion des 1. Vorsitzenden und damit die alleinige Haftung zu übernehmen.

„Wir haben dann Kontakt mit dem Landessportbund aufgenommen, der dem Verein eine juristische Beraterin zur Seite stellte“, berichtet Michael Feldhaus, einer der fünf neuen Vorstände. „Damit die Aufgaben demnächst auf mehrere Schultern verteilt werden können, wurde in Absprache und in Abstimmung mit dem Siegburger Amtsgericht ein Modell entwickelt, wo es mindestens drei bis maximal fünf Vorstände gibt, die nach dem BGB beim Amtsgericht registriert sind“, so Feldhaus weiter. Für die ungerade Anzahl habe man sich entschieden, um eine Pattsituation möglichst zu vermeiden. Jeder der Vorstände ist vertretungsberechtigt und haftbar.

Damit das beschlossen werden konnte, wurde die Satzung dementsprechend angepasst und nun von den Mitgliedern beschlossen. Zu den neuen Vorständen wurden Anna Hörstrup (Verwaltung), Dietmar Roos (Sport), Johanna Sentis (Finanzen), Michael Feldhaus (Öffentlichkeit) und Stefan Halfen (Vereinsmanagement) gewählt. Jeder deckt ein bestimmtes Ressort ab, für das er nun zuständig ist. Alle zusammen sind „Erste Vorsitzende“ nach Bürgerlichem Gesetzbuch (BGB). Neben diesen Vorständen wurden – wie bisher auch – ehrenamtliche Vorstandsmitglieder in den Gesamtvorstand gewählt, die die vielfältigen Aufgaben innerhalb der fünf Aufgabenbereiche der Vorstände mit übernehmen werden. Unter anderem die Mitgliederverwaltung, die Finanzverwaltung, Steuerangelegenheiten, sportliche Angelegenheiten mit mehr als 50 Gruppen an zehn Sportstätten, die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Geschäftsstelle, Datenschutz, Sozialangelegenheiten, Prävention und Inklusion.

Verein sieht sich in einer Vorreiterrolle

Der TV Hangelar sieht sich mit dem neuen Modell der Vereinsführung in einer Vorreiterrolle. „Diesen neuen Weg zu gehen, ist sicher auch für andere, vor allem kleinere Vereine interessant“, sagt Michael Feldhaus. Denn alle hätten damit zu kämpfen, Ehrenamtler zu finden, die bereit seien, viel Verantwortung zu übernehmen, Zeit zu investieren und vor allem, alleine in der Haftung für den Verein zu stehen.

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