Udetstraße und Möldersstraße in Sankt Augustin Stadt will Umbenennung vermeiden

Sankt Augustin · So will die Stadt Sankt Augustin den Anwohnern von Udet- und Möldersstraße den Aufwand der Straßenumbenennung ersparen und zu den zwei Fliegern und ihren Funktionen im Dritten Reich informieren.

 Die Udetstraße in Sankt Augustin soll womöglich eine Zusatzbeschilderung erhalten.

Die Udetstraße in Sankt Augustin soll womöglich eine Zusatzbeschilderung erhalten.

Foto: Ines Bresler

Die Stadt Sankt Augustin wird voraussichtlich davon absehen, zwei Straßen in Hangelar, die nach Luftwaffenoffizieren im Dritten Reich benannt worden sind, umzutaufen. Stattdessen soll es eine Zusatzbeschilderung geben. Das ging bereits aus dem Beschlussvorschlag für den Kultur-, Sport- und Freizeitausschuss im November 2023 hervor. Da im Vorfeld der Sitzung der Wunsch aufkam, generell über den Umgang mit Straßennamen mit möglicherweise problematischem Bezug zu sprechen, hat die Verwaltung vorgeschlagen, den Punkt von der Tagesordnung zu nehmen und ihn in der Straßenbenennungskommission zu besprechen. Die Kommission setzt sich aus Verwaltung, Vertretungen der Fraktionen und dem jeweiligen Ortsvorsteher zusammen. Wie Pressesprecher Benedikt Bungarten mitteilt, erarbeitete sie eine Empfehlung für den Ausschuss. Der soll nun Ende Mai eine Entscheidung treffen.

Die Kommission habe verschiedene Möglichkeiten diskutiert, sagt Stefanie Jung (FDP), Vorsitzende des Kulturausschusses. Sie verweist auf den großen bürokratischen Aufwand, den eine Umbenennung mit sich bringen würde. In der Udetstraße wären 231 Anwohner, 21 Unternehmen und drei öffentliche Einrichtungen betroffen. In der Möldersstraße wären es 73 Anwohner und vier Unternehmen. „Ich fände es grundsätzlich besser, wenn man sich mehr für Themen in der Gegenwart engagieren würde, die momentan virulent sind“, sagt Jung. Eine Umbenennung der Straßen lehnt sie mit Rücksicht auf die Anwohner ab. Wenn die Mehrheit sich für eine Zusatzbeschilderung entscheiden würde, wäre sie damit sehr zufrieden. „Ich habe gute Erfahrungen mit den Kolleginnen und Kollegen im Kulturausschuss gemacht und bin sicher, dass wir zu einer Lösung kommen werden.“

Diskussionen anregen

Auch Christoph Beckmann (CDU) ist dieser Ansicht. Der promovierte Historiker spricht sich für einen kritischen Umgang mit der Geschichte und den mehrschichtigen Persönlichkeiten aus. Er findet es sinnvoll, die Straßennamen beizubehalten und mit ergänzenden Tafeln zu versehen, anstatt sie zu entfernen. „Das kann dazu beitragen, kritische Diskussionen über diese Persönlichkeiten anzuregen.“ Beckmann sagt, dass die beiden Straßen heute sicher nicht mehr nach Udet und Mölders benannt werden würden. Und zur Zeit der Benennung sollten die beiden Luftwaffenoffiziere mit Straßen in der Nähe des Flugplatzes für ihre fliegerischen Leistungen geehrt werden.

Die Verwaltung schlägt vor, ein Zusatzschild an der Udetstraße anzubringen und das Zusatzschild an der Möldersstraße durch ein neues Schild zu ersetzen, dessen Text Mölders Rolle in der Zeit des Nationalsozialismus deutlicher hervorhebt. Schon 2012 hatten die Agnes-Miegel-Straße, die Ina-Seidel-Straße, die Langemarckstraße sowie die Möldersstraße erläuternde Zusatzschilder erhalten. Im Beschlussvorschlag von November steht, wie die Beschilderung lauten könnte: „Ernst Udet (1896-1941), Jagdflieger im 1. Weltkrieg, Kunstflieger, wegen seiner Funktion als hochrangiger Luftwaffenoffizier im Dritten Reich und im 2. Weltkrieg heute kritisch gesehen.“ Die Möldersstraße soll laut Vorlage die folgende Beschilderung bekommen: „Werner Mölders (1913-1941), Jagdflieger, wegen seiner Beteiligung am Spanischen Bürgerkrieg auf Seite der Faschisten und der Funktion als hochrangiger Luftwaffenoffizier im 2. Weltkrieg heute kritisch gesehen.“

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