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Drogenabhängiger vor Gericht: Überfall auf Tankstelle in Sankt Augustin

Drogenabhängiger vor Gericht : Überfall auf Tankstelle in Sankt Augustin

Im vergangenen August erbeutete ein Räuber 650 Euro und ein Päckchen Zigaretten. Während der Tat entschuldigte er sich bei seinem Opfer.

Seit Mittwochvormittag muss sich ein Mann aus Sankt Augustin vor dem Bonner Landgericht verantworten, weil er die BFT-Tankstelle an der Siegstraße in Sankt Augustin überfallen hat. Der 38-Jährige gab sich gleichermaßen geständig wie reuig: Er habe die Tat begangen, weil er als langjähriger Drogenabhängiger akute Entzugserscheinungen hatte und sich nicht anders zu helfen wusste, als den nächsten Schuss mit Einnahmen aus einem Verbrechen zu finanzieren.

„Wenn ich viel hatte, habe ich alles auf einmal weggeknallt“, beschrieb der Angeklagte ungerührt sein Verhältnis zu illegalen Betäubungsmitteln. Bereits in der Schule habe er regelmäßig gekifft und auch „Pillen eingeworfen“, sprich Amphetamine konsumiert. Die ersten zwei Jahre einer Ausbildung als Gas- und Wasserinstallateur habe er nur überstanden, weil die Frau seines Chefs „einen Narren an ihm gefressen“ habe und ihn „retten“ wollte.

Karriere als Junkie und Dealer

Vergeblich, wie er offen eingestand – obwohl er vier Monate trotz Fernbleibens von der Arbeit noch seinen Lohn erhielt, brachte er die Ausbildung nicht zu Ende. Stattdessen habe er eine Karriere als Junkie und Dealer gemacht. In den Wochen vor dem Raubüberfall auf die Tankstelle habe er Amphetamine, Cannabis, Heroin, Kokain und Alkohol als „Beikonsum“ einer Substitutionsmaßnahme mit Methadon konsumiert. Am Tattag habe er dringend Geld zum Kauf von Heroin gebraucht; ein Schnorrversuch bei seiner Mutter habe aber nicht die notwendige Summe eingebracht. So sei er auf die dumme Idee gekommen, die Tankstelle zu überfallen.

Zu diesem Zweck griff er sich ein Küchenmesser mit einer 15 bis 20 Zentimeter langen Klinge und packte es in seinen Rucksack, bevor er sich dann mit seinem weiß-silbernen Rennrad auf den Weg in die Siegstraße machte. Als er kurz nach 22 Uhr dort ankam, war die Tankstelle allerdings bereits geschlossen. Daraufhin sei er zum Hintereingang gegangen, wo er einen 20-jährigen Mitarbeiter überraschte, der gerade den Müll nach draußen bringen wollte. Er stellte sofort einen Fuß in die Tür und bedrohte den Mann mit seinem Messer. Ob er sich die 650 Euro Beute nun selber vom Tisch gegriffen oder ob er den Tankstellenmitarbeiter mit dem Messer genötigt habe, das Geld in seinen Rucksack zu tun, wusste der Geständige nicht mehr sicher zu sagen.

Räuber entschuldigt sich bei Opfer

Juristisch macht das allerdings den Unterschied zwischen Raub und räuberischer Erpressung aus; angeklagt sind ohnehin beide Tatbestände. Denn neben dem Geld forderte er auch noch die Herausgabe eines Päckchens Zigaretten, was in jedem Fall eine räuberische Erpressung darstellen dürfte. Kurz vor dem Verlassen des Tatorts entschuldigte sich der Räuber wohl noch bei seinem Opfer. Gefasst wurde der Mann schließlich nicht zuletzt wegen seiner auffälligen Kleidung, mit dem blauen Anglerhut war der Mann offenbar häufiger in Sankt Augustin unterwegs. Mit einem Urteil wird Ende Juni gerechnet.