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VDA in Hangelar: Verein organisiert Schüleraustauschprogramme in der ganzen Welt

VDA in Hangelar : Verein organisiert Schüleraustauschprogramme in der ganzen Welt

Mit 15 Jahren verabschiedete sich Samira Osswald vor zwei Jahren für zwei Monate von ihren Eltern, um in Chile ihre Gastfamilie und damit auch eine völlig andere Kultur als in Deutschland kennenzulernen. Spanisch sprach die Schülerin zu dieser Zeit nicht, aber "das war eigentlich kein Problem", versichert sie rückblickend.

Sandra Osswald zählt zu den rund 200 Schülern, die deutschlandweit vom Verein für deutsche Kulturbeziehungen im Ausland (VDA), dessen Geschäftsstelle sich an der Kölnstraße 76 in Hangelar befindet, nach Brasilien, Paraguay, Argentinien, Russland, El Salvador, Namibia oder Chile geschickt werden.

Seit dem Jahr 1881 gibt es den VDA, der einst als Allgemeiner Deutscher Schulverein gegründet wurde und somit gewachsene und sehr intensive Beziehungen zu den einzelnen Ländern habe, versichert Geschäftsführerin Petra Meßbacher. Rund 2200 bis 2500 Euro kostet der zweimonatige Aufenthalt zuzüglich des Taschengelds. Der Verein organisiert auch den Austausch der ausländischen Schüler nach Deutschland.

Laut Meßbacher sei die Nachfrage im Ausland höher als in Deutschland. Rund 300 Schüler werden alljährlich in deutsche Gastfamilien vermittelt. Und die Warteliste ist lang, so dass der VDA immer auf der Suche nach aufgeschlossenen Familien ist, die sich "ein Stück Ausland nach Hause holen möchten." In der Zeit sind sie für Verpflegung und Unterkunft des Gasts verantwortlich. Auch sollte die Bereitschaft bestehen, sich mit dem Familienzuwachs auf Zeit zu beschäftigen und mit ihm etwas zu unternehmen.

Valentin Claus hat seine erste Reise nach Chile bereits mit 13 Jahren gemacht. "Dazu brauchte ich eine Ausnahmegenehmigung", erinnert sich der heute 17-Jährige, der zwei Jahre später nochmals mit dem VDA nach Argentinien gefahren ist. Seine Mutter Petra erinnert sich noch gut daran, wie ihr zumute war, als ihr Sohn mit 13 Jahren das Flugzeug Richtung Chile bestieg. Sie habe jedoch Vertrauen in ihren Valentin gehabt, der zuvor lediglich eine Klassenfahrt nach England erlebt hatte.

Erfahrung mit Fernreisen gab es für Valentin gemeinsam mit seinen Großeltern, die ihn oftmals mit in Urlaub genommen hatten. Aber acht Wochen in einer Gastfamilie - das war neu, aufregend und lehrreich, beschreibt der Gymnasiast. "Ich hatte keine Eingewöhnungsprobleme, denn ich wurde sehr herzlich aufgenommen." Für Valentin aus Köln ist ein längerer Schüleraustausch durchweg eine gute Erfahrung, denn "man lernt dort vor allem selbstständig zu sein."

Das bestätigt die Bonnerin Samira auch, sie hat jedoch stärker als Valentin die Unterschiede zwischen Arm und Reich in Chile erlebt und die Chancenlosigkeit, aus einer armen Familie aufzusteigen. "Vieles läuft über Geld, und da sind Kinder aus armen Familien chancenlos", sagt sie. Für Samira ist ein Schüleraustausch die ideale Möglichkeit, andere Menschen und andere Lebensweisen kennenzulernen. Viele Dinge. die einem in Deutschland so selbstverständlich erscheinen, "lernt man so zu schätzen", ist sich Samira sicher. Sie möchte nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr auch im sozialen Bereich arbeiten - vielleicht auch im Ausland.

Wichtig sei ihr insbesondere der Kulturaustausch bei ihrer Reise nach Chile und dem Gegenbesuch ihrer Gastschülerin gewesen. "Die Sprache lernt man dann so nebenbei." Genau das ist auch der VDA-Ansatz, bei dem die kulturellen Beziehungen zu den bereisten Ländern im Vordergrund stehen.

Infokasten

Der VDA sucht immer Gastfamilien. Aktuell werden Familien für 30 bis 35 junge Schüler zwischen 14 und 16 Jahren aus Moskau gesucht für den Zeitraum Ende Mai bis Ende Juni. Die Kinder werden die deutschen Schulen mitbesuchen.

Weitere Auskunft gibt es bei der Leiterin des Jugendreferates Danuta Zeisig unter der Rufnummer 02241/21735 oder unter www.vda-jugendaustausch.de