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Lost Places im Missionshaus in Sankt Augustin: Versteckte Schätze eines Klosters

Lost Places im Missionshaus in Sankt Augustin : Versteckte Schätze eines Klosters

Ob ein verlassenes altes Hallenbad, eingemauerte Altäre oder ein Tabernakel als Schatztruhe, in den heiligen Hallen des Missionshauses der Steyler Missionare in Sankt Augustin gibt es so einiges zu entdecken.

Seine Geschichte ist untrennbar mit der Sankt Augustins verbunden und verleiht der Stadt sogar seinen Namen: das Missionshaus der Steyler Missionare. Es entstand 1913 auf der Hangelarer Heide. Damals gab es in der Umgebung nur ein Gasthaus an der Mendener Straße und die Schnellbahn von Bonn nach Siegburg, ansonst gab es dort nichts. „Die Stadt Sankt Augustin existierte damals noch nicht, nur die einzelnen Dörfer Hangelar, Meindorf, Niederpleis, Birlinghoven und Mülldorf“, erklärte Pater Joachim Piepke bei einem Rundgang durch das Kloster.

Das Missionshaus, vom dem zunächst nur der Teil ohne die Kirche stand, diente den Priestern damals zunächst als Erholungsort und Wohnheim, bevor es ab 1925 zu einem Studienort für Philosophie wurde und 1935 auch Studenten der Theologie aufnahm. Der Schutzpatron des Klosters war der heilige Augustinus (354–430).

Piepke hat dort selbst in den 70er Jahren studiert und lebt inzwischen auch dort. „Ich weiß noch, damals gab es um das Kloster herum sehr viel Landwirtschaft. Die wurde noch von Hand gemacht - von uns Studenten. Wir gingen auf die Felder und ernteten beispielsweise Zuckerrüben.“ Zu Hochzeiten im Jahr beherbergte das Missionshaus bis zu 400 Menschen, davon etwa 200 Studierende und noch einmal genauso viele Priester.

1926 wurde mit dem Bau der Kirche begonnen und zunächst die Krypta als Keller der Kirche ausgeschachtet. „Wir haben hier tatsächlich früher mehrere Altäre gehabt“, berichtete Pater Piepke und zeigte auf die verschiedenen Fensterecken der Krypta. Zur Zeit ihres Baus sei es üblich gewesen, dass jeder anwesende Priester die Messe zelebrierte und nicht nur ein einziger. Das bedeutete, dass jeder einzelne Priester einen Altar zur Verfügung haben musste. „Da es aber Zeiten gab, in denen bis zu 200 Priester im Missionshaus untergebracht waren, wurde in Schichten zelebriert“, erzählte Piepke. Das änderte sich mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil 1965. Danach änderten sich Gottesdienste von Grund auf. Während ein Priester vorher mit dem Rücken zum Volk predigte, predigte er nach diesem Konzil zum Volk hingewandt. „Es begann ein theologisches Umdenken“, so Piepke, „man betete nicht mehr für Jesus, sondern feierte und betete mit ihm.“ Inzwischen wird nur noch ein Altar in der Krypta genutzt. Zwei wurden gar zugemauert, wie der Pater berichtet.

Gottesdienste in der Aula

Die ersten Gottesdienste im Missionshaus fanden laut Piepke sogar noch in der Aula statt, bevor die Kirche 1930 eingeweiht wurde. Die Kirche des Klosters sei etwas Besonderes, so der Pater, denn sie orientiere sich an der Bauweise früherer Kirchen. „Sie ist nach Osten ausgerichtet. Dort, wo die Sonne aufgeht. Früher wurden alle Kirchen so gebaut als Symbolik für den Aufgang des Lebens“, erklärte er, während er am Altar stand und die sieben Kirchenfenster bewunderte. Auch hinter ihnen steckt eine tiefe Symbolik. „Die Zahl sieben ist eine heilige Zahl. Sie setzt sich aus der Zahl vier und drei zusammen. Drei steht für Dreifaltigkeit während die vier für die Himmelsrichtungen im Universum steht wie auch für die vier Elemente.“

Aber nicht nur die Kirchenfenster besitzen eine Symbolik, auch der steinerne Altar selbst, setzt sich aus einer zusammen. Zwölf Mamorblöcke bilden den Altar des großen Kirchensaals. Die Anzahl der Blöcke steht für die zwölf Apostel. Es sind die oft unscheinbaren und kleinen Details, die viel Symbolik innerhalb der Klostermauern enthalten.

Zur Geschichte des Klosters gehört neben Symbolik aber auch ein düsteres Kapitel. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde das Missionshaus von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und als Altenheim und Militärschule genutzt. Aufgrund seiner militärischen Nutzung wurde es so auch Ziel von Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg. Dabei wurde ein Großteil der Kirche zerstört. Nachdem sie neu aufgebaut wurde, wurde sie aber wieder ihrem alten Nutzen zurückgeführt, und die Studenten kehrten wieder ins Kloster zurück.

Ort der Erholung für Priester

Um den Studenten neben ihrem Studienalltag etwas Abwechslung zu schaffen, wurde damals ein Schwimmbad auf dem Klostergelände errichtet. Früher einst ein Ort der Erholung für Priester und Studenten, liegt es heute nahezu vergessen auf dem Gelände und wird längst nicht mehr genutzt. Es ist zu einem sogenannten „Lost Place“ geworden. „Ich weiß noch, wie ich früher nach einem anstrengenden Studientag ins Schwimmbad bin, um ein paar Bahnen zu schwimmen. Da das Kloster aber mit der Zeit immer weniger Studenten beherbergte, rentierte sich das Bad bald nicht mehr. Inzwischen wird es nicht mehr genutzt. Die Instandsetzung scheint der Stadt wohl zu teuer, und sie weiß nicht, was sie mit dem Hallenbad machen soll“, berichtet Piepke. Heute liegt es verlassen neben dem Freibad der Stadt. Ein Sauna-Schild und das noch komplett erhaltene Schwimmbecken erinnern noch an alte Zeiten.

Übrigens, mit der Gebietsreform 1969 schlossen sich die einzelnen Dörfer Sankt Augustins zu einer Stadt zusammen, beharrten aber alle darauf, ihre Namen zu behalten. „Damals gab es im Gemeinderat eine starke Diskussion, ob man St. Augustin schreibt oder Sankt Augustin. Man einigte sich aufgrund der Aussprache auf Letzteres“, so Piepke. Damit war die Stadt Sankt Augustin mit ihren einzelnen Stadtteilen geboren.