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Von der Industriebrache zum Umweltbildungszentrum: Verwunschene Schönheit Pleistalwerk

Von der Industriebrache zum Umweltbildungszentrum : Verwunschene Schönheit Pleistalwerk

Gespenstisch schön und geheimnisvoll präsentiert sich das Pleistalwerk an der Grenze zwischen Niederpleis und Birlinghoven. Vieles hat sich die Natur im Laufe der Jahrzehnte zurückerobert.

Ins Auge fallen der See in der einstigen Tongrube sowie die Vielzahl an Bewohnern in der Luft, zu Wasser und in den teils mannshohen Gräsern und Sträuchern rund um die mehr oder weniger verfallenen Backsteingebäude.

Heinrich Geerling, der Enkel des Firmengründers, versucht gemeinsam mit Christian Günther und Günter Piéla die Idee eines Umweltbildungszentrums (UBZ) im Pleistalwerk zu etablieren. Die Familie Geerling hatte das Werk einst zu einer florierenden Tonfabrik gemacht. Der Enkel des Firmengründers wünscht sich, dass sich an dem Standort mittelfristig ein Umweltbildungszentrum etablieren lässt.

Die einstige Fabrik gehört heute nicht mehr der Familie: Sie wurde von Rolf Brüning ersteigert, der als Gesellschafter zu der Investorengruppe gehörte, die dort eine Reha-Klinik installieren wollte. Das war 1992. Im Jahr 2005 meldete die Gesellschaft Insolvenz an. Das Fabrikgebäude kam unter den Hammer und wurde von Brüning ersteigert. 360 000 Euro habe das Fabrikgelände damals gekostet, erinnert sich Geerling. Er selber erwarb bei der Versteigerung sein Elternhaus, sanierte und restaurierte die Villa Zug um Zug. „Die Stadt wird heute an dieser Stelle nichts anderes als ein Umweltbildungszentrum genehmigen“, ist Geerling überzeugt.

2011 gründete sich zu diesem Zweck der Verein Umweltbildungszentrum (UBZ). Man ging mit viel Elan an die Arbeit, doch dass sich vor Ort kurzfristig nichts umsetzen ließ, damit kamen einige Vorstandsmitglieder nur schwer zurecht. Nach drei Jahre Stillstand im Verein reaktivierten im vergangenen Mai die Gründungsmitglieder Günther, Piéla und Geerling ihre Idee und möchten sie im Oktober mit einem Herbstfest der Allgemeinheit vorstellen.

Vereinsvorsitzender ist nun Christian Günther, seine Stellvertreter sind Piéla und Geerling – zu wenige Schultern, um ein Projekt wie ein UBZ zu realisieren. „Zurzeit knüpfen wir Netzwerke, akquirieren Fördermittel und etablieren unsere Idee“, berichten die Drei. Letztlich könne nur dann etwas umgesetzt werden, wenn der Verein Eigentümer der Industrieruine werde. Daran werde derzeit gearbeitet. „Wir wollen auf jeden Fall einen Teil der Ruine erhalten, denn sie ist die einzige, die von der Tonindustrie Sankt Augustins übrig geblieben ist“, sagt Günther. Die Ursprünglichkeit des Geländes soll bleiben, sämtliche Baumaßnahmen werden auf ihre Nachhaltigkeit geprüft und so gering wie möglich gehalten.

Der UBZ-Vorstand schwärmt von dem 60.000 Quadratmeter großen Gelände: „Hier gibt es all das, was das UBZ gerne zeigen würde: Feuchtwiesen, Biotope, Baudenkmäler und die einzigartige Flora und Fauna. Kitas und Schulen könnten zu den regelmäßigen Besuchern gehören. Wenn dieses Gelände langfristig so wie der Aggerbogen wird, haben wir ein großes Ziel erreicht“, sagt Piéla. Erlebnisausstellungen, Selbsterfahrung und das Entwickeln eines Museums, sowie eine Umwelt- und Wanderherberge sind Zukunftsvisionen. Auch Beweidungen wie früher gehören dazu. Voraussetzung wäre jedoch, dass der Verein wachse. Auch wenn sie jetzt schon merken, dass das Pleistalwerk in der „Umwelt-Szene“ immer mehr zum Begriff werde, „zehn bis 15 Jahre wird es wohl noch dauern, bis etwas Begehbares steht“, schätzt Geerling. Bis dahin will der Verein mit seinem Umweltbildungsprogramm zum zuverlässigen Partner in der Region und Bonn werden.