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Anwohnerprotest in Sankt Augustin: Weiter Ärger um Grundstück

Anwohnerprotest in Sankt Augustin : Weiter Ärger um Grundstück

Es kehrt keine Ruhe ein an der Anton-Groß-Straße im Sankt Augustiner Stadtteil Hangelar: Erst scheiterte der Bau einer Jugendhilfe-Einrichtung am Protest von Anwohnern, jetzt kritisieren diese die auf dem Grundstück geplante Wohnbebauung.

Es scheint so etwas wie ein Fluch auf dem ehemaligen Grundstück der evangelischen Kirche an der Anton-Groß-Straße im Sankt Augustiner Stadtteil Hangelar zu liegen. Erst sollte dort eine Jugendhilfe-Einrichtung entstehen, doch Anwohner legten so vehement Protest ein, dass die Pläne verworfen wurden. Dann wurde darüber beratschlagt, dort eine Kindertagesstätte zu bauen, doch auch aus dieser wurde aus bisher unbekannten Gründen nichts. Jetzt hat die Stadt eine Baugenehmigung für ein Mehrfamilienhaus mit 17 Wohneinheiten und einer Tiefgarage erteilt. Doch auch dagegen erheben Anwohner Einwände und haben sich an den GA gewandt.

Auf dem Grundstück an der Anton-Groß-Straße standen, als es noch im Besitz der evangelischen Kirche in Hangelar war, einst ein Kindergarten und ein Pfarrhaus. Das Gebäude der Kindertagesstätte war jedoch so marode, dass es dringend saniert werden musste. Bei genauerer Betrachtung der Schäden und des Zustands der Kita entschloss sich die Kirchengemeinde schließlich, das Haus abreißen zu lassen. „Da auf dem angrenzenden Grundstück eine neue Kindertagesstätte gebaut wurde und wir auch kein Pfarrhaus mehr benötigten, hatten wir für das Grundstück keine Verwendung mehr und entschlossen uns, es zu verkaufen“, erklärte die Hangelarer Pfarrerin Angelika Hagena auf Nachfrage.

Protest gegen Jugendhilfe-Einrichtung

Die Kirchengemeinde verkaufte ihr Grundstück an die evangelische Axenfeld-Gesellschaft, die es weiterhin gemeinnützig bebauen wollte. Zunächst plante sie eine Jugendhilfe-Einrichtung. Einen ersten Entwurf legte sie der Sankt Augustiner Stadtverwaltung vor. Sowohl die Verwaltung als auch die Fraktionen befürworteten die Pläne und stimmten ihnen zu. Eine Bauvoranfrage erhielt laut Informationen der Axenfeld-Gesellschaft im September 2015 einen positiven Bescheid. Doch aufgrund eines Anwohnerprotests über die Baupläne und Klagen, die sie gegen die Stadt als Baubehörde einreichten, zog sich die Gesellschaft von dem Bauvorhaben zurück. Zwei Informationsveranstaltungen für die Nachbarn des Grundstücks an der Anton-Groß-Straße, die gemeinsam von der Gesellschaft und der Jugendverwaltung zuvor organisiert wurden, führten zu keiner Beruhigung der Lage.

Auf Wunsch der Stadt plante die Gesellschaft anschließend eine weitere Kindertagesstätte. Im November 2018 erhielt die Axenfeld-Gesellschaft dazu auch eine Baugenehmigung. Doch zu einem Bau kam es nie. „Warum es nicht zum Bau der Kita kam, wissen wir nicht“, erklärte Pfarrerin Hagena enttäuscht. Achim Konitz, Geschäftsführer der Axenfeld-Gesellschaft, erklärte auf Nachfrage des General-Anzeigers, dass die Konditionen der Stadt zur Betriebskostenförderung nicht ausreichend gewesen seien.

Neubau mit 17 Wohneinheiten

Deswegen verkaufte die Gesellschaft das Baugrundstück an eine Kölner Immobiliengesellschaft, die darauf jetzt ein Mehrfamilienhaus mit 17 Wohneinheiten bauen möchte. „Genehmigt wurde ein zweigeschossiges Mehrfamilienwohnhaus mit Satteldach und ausgebautem Dachgeschoss sowie Tiefgarage“, erklärte Sankt Augustins Pressesprecherin Carolin Trost. Dies ist laut Flächennutzungsplan auch erlaubt, denn das Grundstück befindet sich in einem allgemeinen Wohngebiet. Aus diesem Grund sei solch eine Bebauung rechtens.

Anwohner werfen der Kirche jetzt vor, das Grundstück zu günstig verkauft zu haben. Diese Vorwürfe weist Pfarrerin Hagena jedoch zurück: „Wir haben es zu einem marktüblichen Preis verkauft.“ Der Finanzkirchmeister Christoph Silber-Bonz bestätigt das. Auch beschuldigen die Anwohner die Axenfeld-Gesellschaft der Spekulation mit dem Grundstück. Das bestreitet Geschäftsführer Konitz jedoch nachdrücklich. Die Gesellschaft habe sich immer für eine gemeinnützige und soziale Nutzung des Grundstücks stark gemacht. Konitz: „Der Verkauf des Grundstücks wurde erst in Erwägung gezogen, als alle unsere Anläufe, hier eine gemeinnützige Einrichtung zu schaffen, erfolglos blieben.“