Kundgebung in Siegburg Am 1. Mai rufen die Redner zum Schutz der Demokratie auf

Siegburg · Zum Tag der Arbeit forderten die Gewerkschaften in Siegburg „mehr Lohn, mehr Freizeit, mehr Sicherheit“. Außerdem riefen alle Redner zum Schutz der Demokratie vor den Rechten auf.

 Rund 1500 Besucher verfolgten die Maikundgebung und genießen anschließend das Familienfest auf dem Markt.

Rund 1500 Besucher verfolgten die Maikundgebung und genießen anschließend das Familienfest auf dem Markt.

Foto: Paul Kieras

Das Motto zum Tag der Arbeit am 1. Mai lautet in diesem Jahr „mehr Lohn, mehr Freizeit, mehr Sicherheit“. Rund 1500 Besucherinnen und Besucher folgten dem Aufruf des Deutschen Gewerkschaftsbunds in der Region Köln-Bonn zu einer Kundgebung mit anschließendem Familienfest auf den Markt in Siegburg. Tobias Agreiter, DGB NRW, eröffnete die Kundgebung und betonte, wie wichtig das Motto sei, das die Kernelemente der gewerkschaftlichen Tarifpolitik benenne und darüber hinaus auch gelte, um zum Beispiel Probleme wie steigende Kosten, den Mangel an bezahlbarem Wohnraum oder fehlende Kitaplätze lösen zu können.

Im Hinblick auf das Erstarken von rechtsextremen Parteien wies er darauf hin, dass nur Demokratie Sicherheit bedeute und die Gewerkschaften sich jedem Angriff auf die Demokratie entgegenstellten. „Wir schützen die Demokratie vor Faschisten und Rechten, besonders im Hinblick auf die Europawahl in diesem Jahr“, so Agreiter. Seine Forderung: „Rechte in keine Talkshow, Faschisten in kein Parlament.“

Auch Siegburgs Bürgermeister Stefan Rosemann ging in seiner Begrüßungsrede auf die Gefahr für die Demokratie durch Rechte ein. „In der Wahlkabine können wir dafür sorgen, dass wir unsere Rechte gegen die politische Rechte in Schutz nehmen: Rechte für Gewerkschaften, für Frauen und Kinder, für Flüchtlinge, für Menschen mit Handicap.“ Für Wahlen könnten sich die Rechten qualifizieren, inhaltlich disqualifizierten sie sich aber mit jedem Wortbeitrag, so Rosemann. Außerdem lobte der Bürgermeister das Tarifvertragsgesetz, das noch vor dem Grundgesetz im April 1949 unterzeichnet wurde: „Er gibt Sicherheit, schafft Verlässlichkeit gerade in Zeiten von Krisen, wie wir sie aktuell erleben.“

IG Metall kündigt weitere Tarifrunden an

Hauptredner Knut Giesler, Bezirksleiter der IG-Metall NRW, hob in seinem Beitrag unter anderem die erfolgreiche Tarifpolitik der vergangenen zwölf Monate hervor und kündigte gleichzeitig offensive Tarifrunden für das laufende Jahr an, denn der Reallohnverlust aus den Jahren 2022 bis 2023 sei noch nicht ausgeglichen. Die Tarifrunden sollten „dafür sorgen, dass die Arbeitgeber noch eine ordentliche Schippe drauflegen und das Loch im Geldbeutel der Beschäftigten geschlossen wird“. Dabei schließt er auch Arbeitskampf und Streik nicht aus.

Giesler thematisierte ebenfalls Angriffe Rechter auf die demokratische Grundordnung und warnte: „Die Spaltung unserer Gesellschaft und die Zerstörung von Solidarität durch ein vergiftetes gesellschaftliches Klima ist das erklärte Ziel der Rechten.“ Zum Auftakt des Familienfestes im Anschluss betrat Kabarettist Wilfried Schmickler – wie seit mehr als 20 Jahren schon – die Bühne und holte gleich den verbalen Knüppel raus. Etwa gegen die „beleidigte Schnullerschnute aus dem Sauerland, Friedrich Merz“, dem er „nölen, nörgeln, rumstänkern“ attestierte. Er stellte die Frage, wie die SPD, die Partei Kurt Schumachers, so weit in der Wählergunst sinken konnte. „Jede Flasche Eierlikör hat mehr Umdrehungen als die SPD Prozentpunkte“, warf er den Genossen vor. Und bei den Grünen zeigte er sich fast mitleidig: „Die haben in der Ampel mehr Kröten geschluckt als jemals über die Straße getragen wurden.“