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Politische Bildung für die Kleinen: 100 Kinder lernen in der Kinderstadt „Mini-Siegburg“ Demokratie

Politische Bildung für die Kleinen : 100 Kinder lernen in der Kinderstadt „Mini-Siegburg“ Demokratie

Rund 100 Teilnehmer erlebten Demokratie und Eigenverantwortung in der Kinderstadt Mini-Siegburg. Drei Wochen lang verwalteten die Kinder sich selbst, von der Bürgermeisterwahl bis zum eigenen Grundgesetz.

Der neunjährige Julian hat sich eine gelbe Warnweste übergestreift und schlendert zusammen mit seinem gleichaltrigen „Kollegen“ Noah über das Außengelände des Schulzentrums Neuenhof. Die beiden Jungs haben als Mitarbeiter des Ordnungsamts vor allem andere Kinder im Visier, die entgegen der Regel ohne Schutzmaske unterwegs sind. Wie im richtigen Leben. Und so ging es drei Wochen lang auch rund um das Schulgebäude zu.

Denn dort hat zum dritten Mal in Folge die Kinderstadt Mini-Siegburg ihre Zelte aufgeschlagen. Mit allem, was zu einer Stadt gehört: Arbeitsamt, Finanzamt, Dienstleister, Sporteinrichtungen, Handel, Handwerk, Bank und Gewerbe. Und natürlich mit einem Bürgermeister, der jede Woche neu gewählt wurde, einem Stadtrat, einer allmorgendlichen Bürgerversammlung und einem eigenen Grundgesetz. Ziel des Ferienprogramms für Sechs- bis Zwölfjährige ist es nach Angabe des Veranstalters, des Evangelischen Jugendreferates An Sieg und Rhein und Bonn (LOGO) im Auftrag der Kreisstadt Siegburg, Kindern eine Möglichkeit zu bieten, „sich vielfältig kreativ zu entfalten und gleichzeitig wie Erwachsene ernst genommen zu werden“.

Mit stadteigener Währung bezahlt

Leiterin Jennifer Lübke erklärte, „die Mädchen und Jungen können hier lernen, wie eine Stadt, die Arbeitswelt und Politik funktioniert“. Ihre 30 Mitarbeiter standen nur unterstützend und beratend zur Seite, denn „die Kinder sollen alles frei entscheiden können“, so Lübke. Jeder Tag begann mit der Anmeldung im „Amt für Bürger*innen“ und der Wahl eines Berufes in der Arbeitsagentur. Die Auswahl war groß, denn es standen diverse Berufe in über 20 verschiedenen Betrieben zur Verfügung. Der Stundenlohn von zehn „Siegis“, der stadteigenen Währung, wurde den Kindern nach Abzug der Steuern in Höhe von zwei Siegis ausgezahlt.

Mit ihrem selbst verdienten Geld konnten sie ihre Freizeit gestalten. Zum Beispiel einen Tanzkurs absolvieren, den Führerschein machen, Snacks kaufen, Kunstobjekte auf den Auktionen ersteigern oder einen Platz auf der Hüpfburg buchen. Zwei Siegis musste man berappen, wenn man bei der – natürlich auch von Ministadteinwohnern geführten – Radiostation einen Musikwunsch bestellte, fünf Siegis kostete Werbung für ein Produkt, das jemand verkaufen wollte. Etwa Muffins, die Kinder in der Bäckerei hergestellt hatten oder Kräuteröl, das in der Gärtnerei kreiert wurde. Corona-bedingt konnte sich nicht wie in den letzten Jahren jeder frei bewegen, sondern durfte nur in einer von insgesamt zwölf Gruppen zwischen den einzelnen Betrieben wechseln.

Das hatte aber auch Vorteile, wie Nele berichtete, die schon im letzten Jahr dabei war. „Dieses Jahr kann man sich alles aussuchen, was man am liebsten macht, letztes Jahr nur, wenn man zuerst da war“, berichtete die 13-Jährige, der die Arbeit „beim Radio mit Musikmachen am meisten Spaß gemacht“ hat. Maria (12), die sich in der letzten Woche mit Jule angefreundet hat, gefiel besonders der Kreativbereich und im Allgemeinen, dass sie erfahren habe, wie es in einer Stadt läuft. Begeistert zeigten sich auch die Mitarbeiter. So stellte Mirko Luzak fest: „Ich habe schon viele Ferienangebote mitgemacht, an diesem Konzept gefällt mir, dass die Teilnehmer alles selbst entscheiden. Von Kindern für Kinder.“