Kurt Gigler ist mit 107 Jahren gestorben Trauer um den ältesten Siegburger

Siegburg · Vor drei Wochen ist Kurt Gigler 107 Jahre alt geworden, jetzt ist der älteste Siegburger Bürger gestorben. Bis zu seinem 100. Geburtstag besuchte er Kunst und Konzerte noch zu Fuß.

 Kurt Gigler an seinem 105. Geburtstag. Der Siegburger starb im Alter von 107 Jahren.

Kurt Gigler an seinem 105. Geburtstag. Der Siegburger starb im Alter von 107 Jahren.

Foto: Susanne Haase-Mühlbauer

Geboren wurde Kurt Gigler an einem Freitag, 23.März 1917, zur Zeit des Deutschen Kaiserreichs, mitten im ersten Weltkrieg. Kaiser Wilhelm II. regierte. Er erlebte das Siegburg der 1920er Jahre während der Weimarer Republik als ältestes von drei Kindern. Nach dem frühen Tod der Mutter wurden er und seine beiden Schwestern bei den Großeltern und in der Verwandtschaft wohlbehütet aufgezogen. Der Vater kümmerte sich derweil um den Erhalt des kleinen Lebensmittelgeschäfts am Siegburger Ortsausgang vor der Aggerbrücke, an der Luisenstraße 136, das seine Schwestern später leiteten. Man war stolz, dass das Geschäft nach dem Krieg sogar um eine Metzgerei-Abteilung erweitertet werden konnte.

Kurt war ein guter Schüler und besuchte die Nordschule. Doch trotz einer Gymnasial-Empfehlung wünschte sich der Vater für ihn einen „soliden“ Abschluss mit Mittlerer Reife, den er dann an der städtischen Realschule (im heutigen Stadtmuseum) 1933 erreichte. Es folgte eine kaufmännische Ausbildung, die er bei der Spar- und Handelskasse in Stieldorf machte. Dann kamen die Kriegsjahre, die Gigler ab 1939 sechs Jahre lang durchlebte, erst im Frankreich-Feldzug, dann in Russland mit Rückzug durch ganz Ostpreußen bis Mai 1945. Seine Frau Grete heiratete er 1942, lebte und arbeitete zunächst in Stieldorferhohn und Königswinter und zog mit ihr und den beiden Kindern nach ein paar Jahren dann nach Siegburg zurück.

Seit 1955 lebte er in seinem Haus an der Ludwigstraße, wo er das nachbarschaftliche Umfeld genoss und an Festen und Feiern in seinem Stadtteil Zange gerne teilnahm. Mit leuchtenden Augen erinnerte er sich bis zuletzt gerne an die große Feier seines 100. Geburtstages zurück, bei der er die „komplette Nachbarschaft“, Freunde und Familie in den großen Saal des damaligen Kaldauer Hofs einlud. Nach einem Sturz im Alter von 101 Jahren lebte er seit 2018 im Seniorenzentrum Am Hohen Ufer und freute sich dort über die Besuche aus der Nachbarschaft, der Familie und seiner beiden Urenkel. Er schätzte sich glücklich, dass sein Enkel André Demant sich als Arzt auch um seine gesundheitlichen Belange kümmern konnte.

Sein Interesse galt insbesondere dem kulturellen Leben seiner Heimatstadt. Als Mitglied unterstützte verschiedene Hilfsorganisationen und allein 16 Vereine, wie etwa die Freunde des Museums, der Stadtbibliothek oder die Humperdinck-Freunde Siegburg. Gerne besuchte er Vernissagen und Konzerte in der Stadt und genoss es, „dass man hier alles zu Fuß erreichen kann“. Mit 107 Jahren ist Kurt Gigler am Donnerstag gestorben.

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