1. Region
  2. Sieg & Rhein
  3. Siegburg

Prozess in Siegburg: 24-Jährige brach Tresor ihrer Mitbewohnerin auf

Prozess in Siegburg : 24-Jährige brach Tresor ihrer Mitbewohnerin auf

In einem Prozess am Siegburger Amtsgericht wurde eine 24-Jährige zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, weil sie Geld ihrer Mitbewohner gestohlen hat. Die Staatsanwaltschaft wollte ihrer Aussage nicht glauben.

Der Streit mit ihrer Freundin und Partnerin sei der Auslöser gewesen, in einer Wohngruppe im Rhein-Sieg-Kreis einen Tresor aufzubrechen und sich zunächst mit der Beute davonzumachen. So schilderte eine 24-jährige Frau, warum sie Anfang März mit Hammer, Schraubendreher und Spachtel einen Tresor aufbrach und sich mit 5800 Euro, Kreditkarten und einem Autoschlüssel aus dem Staub machte.

Deshalb war sie wegen schweren Diebstahls angeklagt und musste sich vor Richterin Alexandra Pohl im Siegburger Amtsgericht für die Tat verantworten. Weil die Beute den rechtmäßigen Eigentümern zurückgegeben wurde und Gericht und Staatsanwaltschaft eine günstige Sozialprognose sahen, wurde die Frau zu einer Bewährungsstrafe von sieben Monaten verurteilt.

„Nicht nachgedacht und einfach alles mitgenommen“

Am Wochenende vor dem Tattag, einem Dienstag, habe sie Streit mit ihrer Partnerin gehabt. Dabei sei deren Handy zerstört worden und sie habe ein neues kaufen wollen. Dann aber sei sie „durchgedreht“, habe einen „Blackout“ gehabt und sei nach Berlin „abgehauen“, erklärte die Angeklagte. Nach der Rückkehr habe sie das Geld zurückgegeben bis auf 1000 Euro, die aber inzwischen auch fast vollständig erstattet seien.

Wie sich das denn vertrage, wollte die Richterin wissen, „Blackout“ haben und einen Tresor aufbrechen? Sie sei psychisch krank, leide an Borderline, ADHS und einer Persönlichkeitsstörung, gab die Frau an. Und wenn sie dann durchdrehe, „mache ich Dinge, die ich nicht verstehen kann“. Sie habe Geld gebraucht, um ein neues Mobiltelefon kaufen zu können. Im Internet habe sie dann eine Anleitung gefunden, wie der Tresor aufzubrechen war. Und als der offen war, habe sie „nicht nachgedacht und einfach alles mitgenommen“.

Angeklagte will Ausbildung anfangen

Die Leiterin der Wohngruppe war als Zeugin geladen. Sie erklärte, dass der Diebstahl für die Mitbewohner „sehr schmerzhaft“ gewesen sei. Es könnten sogar an die 7000 Euro gewesen sein, die die Frau aus dem Tresor genommen hatte. Dass die Angeklagte die Tat alleine begangen haben will, könne sie auch nicht glauben, weil deren Freundin Drogen- und Geldprobleme gehabt habe. So recht glauben mochte auch die Staatsanwaltschaft die Aussagen nicht, weil zwischen dem Streit der Frauen und dem Diebstahl mindestens ein Tag lag. „Das ist dann keine Kurzschlussreaktion mehr.“ Zudem sei die Angeklagte auch schon in der Vergangenheit wegen Diebstählen und Leistungserschleichen aufgefallen.

Weil die Angeklagte nun aber mit Hilfe einer Betreuerin eine Ausbildung anfangen will, zeigte sich die Justiz milde und sprach die besagte Bewährungsstrafe aus.