Milde Strafe vor Siegburger Amtsgericht 31-Jähriger begeht sechs Straftaten in vier Wochen

Siegburg/Neunkirchen-Seelscheid · Um seine Drogensucht und seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, ist ein 31-Jähriger aus Neunkirchen-Seelscheid innerhalb von vier Wochen sechs Mal straffällig geworden. Nun ist er vor dem Siegburger Amtsgericht verurteilt worden – und erhielt eine vergleichsweise milde Strafe.

Wegen schweren Diebstahls musste sich ein 31-Jähriger vor dem Siegburger Amtsgericht verantworten.

Wegen schweren Diebstahls musste sich ein 31-Jähriger vor dem Siegburger Amtsgericht verantworten.

Foto: Meike Böschemeyer

Sechs Mal ist er innerhalb eines Monats als Dieb in Erscheinung getreten, in drei Fällen blieb es allerdings nur beim Versuch. Deswegen musste sich ein 31-Jähriger aus Neunkirchen-Seelscheid am Dienstag in drei Fällen wegen besonders schweren Diebstahls vor dem Siegburger Amtsgericht verantworten. Ein Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Ulrich Wilbrand verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten. Damit ging das Gericht über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus, die einen Monat weniger gefordert hatte.

Ein mildes Urteil, wie selbst der Verteidiger einräumte. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt, allerdings unter verschiedenen Auflagen. Der Mann, der seit fünfeinhalb Monaten in Untersuchungshaft sitzt, zeigte sich in allen Anklagepunkten geständig. Ende Mai war gegen ihn wegen eines anderen Delikts Haftbefehl ergangen, dessen Vollzug der Richter damals aussetzte. Aber nur eine Woche später beging der 31-Jährige sechs weitere Straftaten – weswegen der Haftbefehl erneuert wurde. Bei seinen Taten in Much und Neunkirchen-Seelscheid machte er eine Beute von insgesamt 1645 Euro. Er war unter anderem in zwei Lokale eingebrochen, hatte eine Hintertür dazu aufgehebelt beziehungsweise ein Kellerfenster zum Einstieg genutzt.

Gutachterin sieht keine verminderte Schuldfähigkeit

Der seit rund 15 Jahren amphetaminabhängige Mann gab an, seit dem Tod seines Vaters vor viereinhalb Jahren sei es mit ihm bergab gegangen. Er habe seine Arbeit verloren, dann habe ihn seine Lebensgefährtin mit der gemeinsamen Tochter verlassen und schließlich habe er seine Wohnung aufgeben müssen und sei obdachlos geworden. Zur Tatzeit sei er vorübergehend bei einem ehemaligen Schulkameraden untergekommen. „Sie haben also den Boden unter den Füßen verloren und aus blanker Not heraus gehandelt“, hielt Ulrich Wilbrand ihm zugute. Der Angeklagte habe die Einbrüche nicht nur begangen, um seine Drogensucht, sondern auch um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, zumal er damals nach eigenen Angaben keine staatliche Unterstützung bekam.

Trotz der Drogenabhängigkeit konnte eine Gutachterin keine Anhaltspunkte für eine verminderte Schuldfähigkeit während der Taten erkennen, zumal ihm nie eine Blutprobe entnommen worden war. Sie attestierte dem Angeklagten ein zielgerichtetes Vorgehen. Der Mann versicherte für das Gericht glaubhaft, dass er von den Drogen loskommen und irgendwann wieder arbeiten wolle. „Wir möchten Sie hier möglichst nicht mehr sehen“, wandte sich der Richter an ihn. Er legte die Bewährungszeit auf vier Jahre fest. Außerdem wird dem Angeklagten ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt und er muss sich einer Drogentherapie unterziehen. Der Haftbefehl gegen ihn wurde aufgehoben. Der Mann zieht jetzt zu seiner Mutter nach Ludwigshafen.

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