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Interview mit Eva Wunderlich: Anleitung zum gelungenen Zoff

Interview mit Eva Wunderlich : Anleitung zum gelungenen Zoff

Eva Wunderlich, Heilpraktikerin für Psychotherapie, gibt an der Volkshochschule einen Kursus mit dem Titel "Richtig streiten - Konflikte lösen". Worum es geht, erzählt sie im Interview.

Die wenigsten streiten gerne und doch kann man es nicht immer vermeiden. Wichtig ist es also, richtig zu streiten und eine Lösung am Ende der Auseinandersetzung zu finden. Wie das geht, zeigt Eva Wunderlich, Heilpraktikerin für Psychotherapie, in ihrem Volkshochschulkursus „Richtig streiten – Konflikte lösen“. In einem Interview mit GA-Mitarbeiterin Sofia Grillo stellt Streit-Expertin Wunderlich den Workshop vor.

Frau Wunderlich, worüber können Sie sich denn besonders gut streiten?

Eva Wunderlich: Ich streite mich meist über Alltagsdinge. Zum Beispiel haben wir vor Kurzem beim Kochen in der Familie diskutiert, ob man Knoblauch essen darf, wenn man sich danach noch mit Menschen trifft. Mir fiel dann schnell auf, worum es eigentlich geht: Mein Mann wollte Knoblauch im Auflauf, meine Tochter nicht. Im Endeffekt haben wir dann eine Hälfte des Auflaufs mit und eine ohne Knoblauch gemacht.

Wunderlich: In meinem Kursus geht es zunächst einmal darum, sich bewusst zu werden, dass jeder Mensch wie in seiner eigenen Wolke lebt und daran Kommunikation oft scheitert. Mit Wolke meine ich Vorerfahrungen, Einstellungen, Erziehung und so weiter. Ich interpretiere Gesagtes in meiner Wolke ganz anders, als es der Sprecher in seiner Wolke gemeint hat. Mit Übungen mache ich bewusst, wie es sehr schnell zu Missverständnissen oder Vorwürfen kommt und wie man das vermeiden kann.

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Wunderlich: Es fängt schon beim Zuhören an. Die meisten hören bei einem Streit gar nicht genau, was der andere sagt, weil sie zu sehr damit beschäftigt sind, sich ein Gegenargument auszudenken.

Wie kann man das Zuhören im Streit üben?

Wunderlich: Meine erste Übung geht so: Zwei Menschen setzen sich gegenüber. Der eine ist für und der andere gegen einen Gartenzwerg. Dann muss der eine ein Argument bringen und der andere muss das Argument wiederholen und danach seins nennen. Diese Übung wird dann noch mal mit schwierigeren Themen, wie das Rauchen in der Kantine, durchgeführt. Die Wiederholung ist der Schlüssel zum Verständnis. Damit gibt man nicht direkt dem Gegenüber recht, doch man versteht, was der andere wirklich meint und hört nicht nur das, was man in seiner Wolke interpretiert.

Kann man so auch in der Realität reagieren, auch wenn die Emotionen überkochen?

Wunderlich: Wenn man geübt ist, sicher. Zunächst rate ich jedoch, einem Streit eine Pause zu gönnen und sich nach einer gewissen Zeit zusammenzusetzen und die Wiederhol-Übung an dem akuten Thema anzuwenden. Wenn man darin geübt ist, kann man in das sogenannte „gewaltfreie Streiten“ übergehen. Das heißt, richtig laut werden, den Gefühlen freien Lauf lassen, aber immer mit „Ich-Botschaften“ arbeiten. Beispielsweise sollte man sagen, „Ich bin traurig“ oder „Ich bin wütend“. So macht man keine Vorwürfe und der andere muss sich nicht verteidigen.

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Wunderlich: Auf keinen Fall. Wir Menschen müssen streiten, sonst würden wir bald gar nicht mehr miteinander reden. Wir müssen auch unsere Emotionen ausleben können. Wichtig ist nur, dass man lernt, wie man zu einer Lösung kommt und nicht aneinander vorbeiredet.