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Anker für die Wehrmauer: Arbeiten am Michaelsberg in Siegburg gehen weiter

Anker für die Wehrmauer : Arbeiten am Michaelsberg in Siegburg gehen weiter

Ein riesiges Gerüst sichert aktuell die 80 Meter lange Wehrmauer. Die Sanierung soll die mittelalterliche Mauer am Michaelsberg standfest machen.

Das Konstrukt aus stählernen Stangen ist kaum zu übersehen. Und auch der Kran auf dem Siegburger Mühlentorparkplatz signalisiert von Weitem, dass die Arbeiten des Michaelsberg-Konzeptes in eine weitere Phase gehen. Doch erst aus nächster Nähe ist ersichtlich, was im Fokus steht: die alte Wehrmauer, die vom unteren Rundweg auf etwa 80 Metern Länge bis hoch an die Mauer des Johannisgartens reicht. „Etwas überdimensioniert“, sagt Architekt Karsten Monnerjahn mit Blick auf das das alte Gestein umgebende Gerüst, liefert aber zugleich eine Erklärung: „Es muss große Lasten tragen, von Material bis zu schweren Bohrgeräten.“

Auch ohne Gerüst war das Bauwerk, das einst unweit des Mühlentores an die Siegburger Stadtmauer anschloss, seit Jahren kaum mehr zu erkennen. „Es war stark mit Efeu bewachsen“, sagt Stephan Marks, Leiter des Planungs- und Bauaufsichtsamtes, bei einem Baustellenbesuch. Dieser Bewuchs sei nun entfernt worden. „Wir haben dabei Stränge mit einem Durchmesser von zehn Zentimeter entfernt, die in die Mauer eingedrungen waren“, beschreibt Monnerjahn das Ausmaß des Efeuteppichs. Dadurch sei das Mauerwerk beschädigt worden. Zudem gebe es Frostschäden. „Alles in allem ist die Mauer aber in einem besseren Zustand als erwartet. Eine Ausnahme bildet nur die Mauerkrone mit brüchigem Mörtel und porösen Steinen“, so der Kölner Architekt, der sich seit 15 Jahren mit den Mauern rund um den Michaelsberg befasst. Zuletzt hat er die Arbeiten an Hexenturm und Seufzerallee begleitet. Mit bösen Überraschungen, wie bei der Hangabstützmauer der Seufzerallee, rechnet er nicht.

Mauer aus dem 13. Jahrhundert

„Die Mauer ist in verschiedenen Etappen entstanden“, sagt Monnerjahn. In ihren ältesten Bereichen sei sie mindestens 650 bis 700 Jahre alt. Ihr hohes Alter erkläre auch den vergleichsweise guten Zustand des Materials. Es sei bei ihrem Bau noch genügend guter Wolsdorfer Brocken vorhanden gewesen. Die Wehrmauer sei in weiten Teilen eine hochwertige Arbeit. Auf einem Merianstich von 1642, der die Stadt Siegburg samt ihrer Abtei und Stadtmauer zeigt, ist auch die Wehrmauer auszumachen. „Ihr Verlauf ist exakt auf dem Stich dargestellt“, sagt Monnerjahn. Das dokumentiere, wie genau Merianstiche die Realität abbildeten.

Das genaue Alter der Wehrmauer ist indes nicht belegt. Anders sieht es bei der Stadtmauer aus. „Sie ist im 13. Jahrhundert errichtet worden“, weiß Siegburgs Stadtarchivar Jan Gerull zu berichten. Vorher hätten Gräben und Flechtzäune die Siedlung und ihren Markt geschützt. Im Laufe der Jahre ist der steinerne Schutzwall verstärkt und erweitert worden, etwa um die Mauer hoch zur Abtei. Im 19. Jahrhundert dann wurde die Stadtmauer wie auch ihre vier Tore weitestgehend niedergelegt. Nur an wenigen Stellen finden sich Übereste.

Wie imposant die Stadtbefestigung einmal war, dokumentiert die Wehrmauer am Michaelsberg – auch wenn die Jahrhunderte ihr zugesetzt haben. Ihr Fundament ist einen Meter dick, darüber ragt sie mit einer Dicke von 55 Zentimeter drei bis vier Meter in die Höhe, das macht an einigen Stellen insgesamt 9,50 Meter. „An der zum Benediktiner-Friedhof hin gelegenen Seite hat sich durch Erosionen viel Erdreich und Gestein angehäuft“, erklärt Monnerjahn den Höhenunterschied links und rechts der Mauer.

„Wir haben die Mauerkrone abgetragen und loses Gestein entfernt“, sagt er. In den kommenden Wochen sollen nun Mörtelverbindungen erneuert und die Mauer zur Sicherung ihrer Standfestigkeit vernadelt und verpresst werden.

„Die Mauer besteht aus zwei Schalenmauern, die innen verfüllt wurden“, erklärt Monnerjahn. Diese äußeren Mauerschalen würden nun mit dünnen Stahlnadeln miteinander verbunden. Wiederverwendbare, alte Steine werden wieder an ihrer ursprünglichen Stelle eingesetzt, und zuletzt Hohlräume mit Mörtel verfüllt. „Im oberen Teil setzen wir senkrecht Spannanker in die Mauer“, so der Architekt. Dafür müsste drei bis vier Meter in die Mauer gebohrt werden.

Zudem sollen im Zuge der Sanierung alte, zugemauerte Schießscharten, wo möglich, wieder geöffnet werden. Und auch die Stufen im nur noch zu erahnenden Wehrgang sollen wieder deutlicher in Erscheinung treten. „Wir haben versucht, sämtliche Unwägbarkeiten einzuplanen“, gibt sich Monnerjahn zuversichtlich, dass das Gerüst wie geplant im Spätherbst wieder abgebaut werden kann.