Holocaust-Überlebende zu Gast Auschwitz-Zeitzeugin singt für Siegburger Schüler

Siegburg · Die 93-jährige Esther Bejarano schildert im Siegburger Anno-Gymnasium ihre Erinnerungen an den Holocaust. Mit starker Stimme und ausdrucksstarken Gesten singt sie ihre jiddischen Lieder zum Rap von Kutlu Yurtseven und seiner Band "Microphone Mafia".

 Rap mit der Band „Microphone Mafia“: Die 93-jährige Zeitzeugin Esther Bejarano.

Rap mit der Band „Microphone Mafia“: Die 93-jährige Zeitzeugin Esther Bejarano.

Foto: Meike Böschemeyer

Als der Krieg zu Ende war, entkam die Jüdin Esther Bejarano den SS-Leuten und lief direkt in die Arme amerikanischer Soldaten. Auf einem Dorfplatz trugen amerikanische und russische Soldaten ein Bild von Adolf Hitler in die Mitte und zündeten es an. Bejarano nahm sich ihr Akkordeon und spielte Musik, ihre Freundinnen und die Soldaten tanzten dazu. „In diesem Moment fühlte ich mich endgültig befreit, doch nicht nur das, ich wurde wiedergeboren“, sagt Bejarano am Dienstag auf der Bühne des Siegburger Anno-Gymnasiums. Die 93-jährige Auschwitz-Überlebende trat dort mit der Kölner Hip-Hop-Band „Microphone Mafia“ vor Schülern aus der neunten bis zur elften Klasse auf.

Die 93-Jährige ist eine sehr kleine, schmale Frau. Sie braucht ein wenig Hilfe beim Laufen. Doch wenn sie auf der Bühne steht und mit der Hip-Hop-Band den Schülern ihre Musik vorträgt, ist dieses Bild wie weggeblasen. Mit starker Stimme und ausdrucksstarken Gesten singt sie ihre jiddischen Lieder zum Rap von Kutlu Yurtseven.

1924 wurde die Jüdin im Saarland geboren. Sie kam ins Konzentrationslager Auschwitz und spielte dort im Mädchenorchester das Akkordeon. Dann musste sie Zwangsarbeit im Frauenarbeitslager Ravensbrück leisten. Auf der Bühne im Anno-Gymnasium liest Bejarano aus ihrem Buch vor, in dem sie 2013 ihre Erinnerungen an die Zeit des Holocausts veröffentlichte. Eindrücklich schildert sie die Zeit des Schreckens in den Konzentrations- und Arbeitslagern und setzt damit das um, was sie in dieser Zeit ihren Freundinnen versprochen hatte: „Ich musste aus Auschwitz rauskommen, um der Welt zu erzählen, was dort passiert ist“, sagt die 93-Jährige.

Thema durch Musik näher bringen

Das macht sie schon seit Jahren mit „Microphone Mafia“ in ganz Deutschland. Nicht nur durch ihre Erzählungen, sondern auch durch die Musik bringt sie das Thema an die Menschen. Kutlu Yurtseven rappt über Soldaten, den Wunsch nach Frieden, über Hoffnung und den Mut zu handeln anstatt wegzuschauen. Die Refrains der Hip-Hop-Lieder, Teile aus jiddischen Volksliedern, singt Bejarano.

Die Pfarrerin am Anno-Gymnasium Siegburg, Annette Hirzel, holte Bejarano und die Band „Microphone Mafia“ ans Anno-Gymnasium. Es sei ihr ein großes Anliegen, die Erinnerung an die Zeit des Holocausts aufrechtzuerhalten und die Schüler an das Thema heranzuführen. Das gelänge am Besten durch authentische Begegnungen, sagt Hirzel. Schon 2016 war die Cellistin des ehemaligen Mädchenorchesters von Auschwitz, Anita Lasker-Wallfisch, als Zeitzeugin im Anno-Gymnasium zu Besuch. „Es ist schön, das Thema aus dem Geschichtsunterricht auf einer anderen Ebene kennenzulernen. In der Schule haben wir den politischen Teil gelernt, jetzt bekommen wir persönliche Geschichten mit,“ sagen die Schülerinnen der Klassenstufe Q1, Sophie Borbely und Jette Scharmann zu Bejaranos Auftritt.