Seniorchefin der Stallberger Bäckerei Hoffsümmer Hundertjährige verbrachte die Nächte in der Backstube

Siegburg · Als Seniorchefin der Stallberger Bäckerei Hoffsümmer ist sie im Siegburger Stadtteil bekannt. An ihrem 100. Geburtstag erinnert sich Kläre Hoffsümmer an ihre Zeit in der Backstube zurück.

Mit ihren Enkeltöchtern Corinna und Anne Hoffsümmer freut sich die Oma Kläre über ihren 100. Geburtstag.

Mit ihren Enkeltöchtern Corinna und Anne Hoffsümmer freut sich die Oma Kläre über ihren 100. Geburtstag.

Foto: Susanne Haase-Mühlbauer

Passanten hatten beim Anblick der drei goldfarbenen Luftballons ein bewunderndes Lächeln im Gesicht. Die Hundert aus Ballons schmückt seit vergangenem Freitag das Haus einer Stallbergerin: Kläre Hoffsümmer ist 100 geworden. Auf den Geburtstag habe sie bereits seit ein paar Wochen hingefiebert, verraten die Familienangehörigen, die sich am Ehrentag der Mutter und Großmutter alle um deren Bett versammelt haben. Das Zimmer ist ebenfalls geschmückt, mit einer zweiten goldenen Einhundert. Beim Blick auf die stolze Zahl muss die Seniorin lächeln. „Niemals“ hätte sie es sich erträumen lassen, dass sie dieses Alter erreichen würde, sagt Kläre Hoffsümmer mit einem Strahlen in den Augen.

Schwiegertochter Beate und Sohn Bernd pflegen die Mutter im heimischen Umfeld und diese weiß das zu schätzen. „Es ist schön, dass immer alle um mich sind“, sagt die Jubilarin, die zwei Kinder, vier Enkelinnen und vier Urenkel hat. In ihrem Stadtteil Stallberg ist die Seniorchefin der ehemaligen Bäckerei Hoffsümmer, die sich bis 2011 an der Zeithstraße befand, noch immer bekannt und beliebt. Mehr als 50 Jahre gab es dort die Bäckerei, die zuletzt von Sohn Bernd Hoffsümmer geführt wurde. Für die Stallberger war die Bäckerei mehr als nur Versorgungsstelle für hausgemachte Backwaren. Sie war ein beliebter Treffpunkt.

Kläre, die gebürtig aus Brand bei Aachen kommt, leitete über Jahrzehnte die Bäckerei mit ihrem Mann August. „Erst gab es ein Nachtbackverbot“, erinnert sie sich zurück. „Als das aufgehoben wurde, standen wir um 02.30 Uhr auf, um Brötchen und Brot zu backen.“ Bevor die Stallberger zur Arbeit gingen, war die Backwaren-Versorgung dann gewährleistet. Der Dienstleistungsgedanke war groß. Mit einem Lastenrad lieferten sie Bestellungen sogar bis zur Haustüre.

Seit Gründung des Betriebes gehörte auch alle drei Jahre ein Lehrling zum Betrieb im Hause Hoffsümmer. Insgesamt bildete der Ausbildungsbetrieb im Laufe der Zeit 16 Lehrlinge aus. „Personal ist aber kaum noch greifbar. Heute will keiner mehr in einer Bäckerei arbeiten, weil man so früh aufstehen muss“, sagt Kläre. Sie weiß, wovon sie spricht, denn sie richtete ihr Leben danach aus und ging entsprechend früh schlafen.

Kein Geheimnis für ein hohes Alter

Die Auswahl an Backwaren war groß. „Besonders beliebt waren der Kirsch- und der Butterstreusel“, erinnern sich ihre Kinder Angelika Bittmann und Bernd Hoffsümmer. „Aber auch der Frankfurter Kranz und der Riemchenapfelkuchen wurden immer gerne gekauft." Und die beiden Enkeltöchter Corinna und Anne erinnern sich gerne an die leckere Eissplittertorte zurück.

Nach der Übernahme durch ihren Sohn hatten Kläre und ihr Mann endlich Zeit für Reisen ins Allgäu und Ausflüge mit der Katholischen Frauengemeinschaft kfd. „Das haben wir immer gerne gemacht", schwärmt Kläre. Auf die Frage, ob es denn ein Geheimnis gebe, wie man die 100 erreichen kann, sagt sie: „Nichts Besonderes.“ Sie habe allerdings nie geraucht und getrunken.

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