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Grundstücke im Rhein-Sieg-Kreis: Bauland in Windeck am günstigsten

Grundstücke im Rhein-Sieg-Kreis : Bauland in Windeck am günstigsten

Der Gutachterausschuss für Grundstückswerte im Rhein-Sieg-Kreis und in der Stadt Troisdorf hat Grundstücksbericht für den Rhein-Sieg-Kreis vorgelegt. Dezernent will für die obere Sieg werben.

Die Preise für Baugrundstücke, Häuser und Wohnungen im Rhein-Sieg-Kreis klaffen weit auseinander: Während die Städte am Rhein und in direkter Nachbarschaft zu Bonn weiter boomen, liegen die Gemeinden an der oberen Sieg deutlich zurück. Das ist das Ergebnis des Grundstücksmarktsberichts 2016, den der Gutachterausschuss für Grundstückswerte im Rhein-Sieg-Kreis und in der Stadt Troisdorf nun vorgelegt hat.

Damit ergibt sich auch für den Berichtszeitraum 2015 ein ähnliches Bild wie in den Jahren zuvor. Etwa beim Bauland für Ein- und Zweifamilienhäuser: Während in Windeck für einen Quadratmeter Grund und Boden in guter Lage 55 Euro und in einfacher Lage sogar nur 28 Euro fällig werden, zahlen Käufer in guter Lage in Siegburg mit 340 Euro pro Quadratmeter, Bad Honnef (320) und Niederkassel (300) ungefähr sechs Mal so viel. In Rheinnähe kann es sogar noch teurer werden. Das zeigt der Vergleich zu Bonn: Im Stadtbezirk Bonn liegen die Preise in einfacher Lage bei 320 Euro pro Quadratmeter, in sehr guter Lage bei 550 Euro.

Die meisten Verkäufe unbebauter Grundstücke im Kreis gab es in Königswinter, Hennef und Swisttal. Dort wiesen die Kommunen laut Martin Kütt, Vorsitzender des Gutachterausschusses, zuletzt größere Baugebiete aus. Grundsätzlich gingen die Verkaufszahlen jedoch zurück. „Es gibt nur noch relativ wenig unbebaute Grundstücke“, sagt Kütt. Wer in ein Eigenheim investieren möchte, muss deshalb häufig auf bereits bestehende Immobilien zurückgreifen – und im Kreis-Durchschnitt 250 000 Euro für ein freistehendes Einfamilienhaus zahlen. Am teuersten sind dabei Häuser in Sankt Augustin, Bornheim, Niederkassel und Wachtberg mit durchschnittlich weit über 300 000 Euro. In Eitorf, Ruppichteroth und Windeck liegen die Angebote dagegen unter 160 000 Euro.

Die teuerste Immobilie lag 2015 in Bad Honnef: Sie kostete 2,2 Millionen Euro. Insgesamt haben im Kreis rund 7700 Immobilien im Wert von 1,35 Milliarden Euro den Besitzer gewechselt. Das sind sechs Prozent mehr als 2014. Die Zahl der Kaufverträge bei Ein- und Zweifamilienhäuser stieg um fünf Prozent, der Geldumsatz lag dabei 13 Prozent höher. Eigentumswohnungen legten um zwölf Prozent zu, der Geldumsatz dort sogar um 20 Prozent.

Erstaunt über die extremen Unterschiede im Kreis zeigt sich Hermann Tengler, Leiter der Wirtschaftsförderung beim Kreis. „Windeck ist nicht sechs Mal so unattraktiv wie Siegburg. Ich verstehe nicht, wieso die Preise hier so niedrig sind“, sagt Tengler. Aus seiner Sicht sind die Menschen zu sehr auf die Rheinschiene fixiert. „Das führt dazu, dass sie den Blick nicht schweifen lassen. Aber die Notwendigkeit dazu wird steigen“, sagt Tengler. Denn: Der Wohnraum in Siegburg oder Sankt Augustin sei nur begrenzt vermehrbar.

Und in Windeck böten sich gute Alternativen. „Das wird dazu führen, dass die ländlichen Gebiete wieder stärker in den Fokus rücken“, sagt Tengler. Auch dort gebe es mit der Bahnanbindung eine gute Infrastruktur und kulturelle Angebote, ergänzt Kreisplanungsdezernent Michael Jaeger, der aktiv für die obere Sieg werben möchte. Konkret stellt er sich vor, die Bonner mit Bussen an die Sieg zu fahren und ihnen so die Gegend schmackhaft zu machen. Jaeger: „Wenn die Menschen erst einmal hinsehen, haben wir das Herz vielleicht schon erreicht.“