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Blutspenden - Corona - Siegburg: Dem DRK fehlen Spender

Besuch in Siegburg : Dem DRK fehlen wegen Corona 26.000 Blutspender

Die Corona-Krise führt dazu, dass dem Deutschen Roten Kreuz tausende Blutspender fehlen. Einer der Gründe ist, dass an Universitäten und Firmen derzeit keine Aktionen stattfinden. Ein Besuch bei einem Blutspende-Termin in Siegburg.

 Blut spenden rettet Leben – diese Aussage gewinnt angesichts der Corona-Krise eine neue Bedeutung. Und das nicht etwa, weil mehr Blut gebraucht würde, sondern weil es weniger Spender gibt. „Die Firmen- und Universitäts-Blutspenden sind komplett weggefallen“, sagt Birgit Baust. Die Referentin für Öffentlichkeitsarbeit beim Deutschen Roten Kreuz (DRK)-Blutspendedienst West, plant die Blutspendetermine etwa ein Jahr im Voraus.

Im Unterschied zu den Kommunen, die dem DRK kurzfristig mit größeren Räumen aushalfen, um die Abstandsregeln einhalten zu können, lassen Firmen und Universitäten derzeit keine fremden Personen in ihre Räume. Zudem arbeiten viele von Zuhause aus. „Wir haben dadurch 26.000 Spender verloren. Das hat uns zugesetzt“, erklärt Baust. Ungebrochen ist indes die Spende-Bereitschaft der Bürger. „Zu Beginn der Krise hatten wir sogar mehr, als von den Krankenhäusern abgerufen wurde“, sagt Baust im Hinblick auf die vielen verschobenen Operationen. Als es im Juni damit wieder losging, schlug sich der Beginn der Ferienzeit in Kombination mit dem Wegfall der Firmenspenden jedoch nieder.

„In Deutschland werden 15.000 Konserven täglich benötigt, in den Regierungsbezirken Köln und Düsseldorf sind es 700 bis 900 täglich“, so die DRK-Mitarbeiterin, die sich selbst auch ehrenamtlich beim DRK engagiert. Insbesondere Krebs-, aber auch Herz-Kreislauf-Patienten sind auf Blutkonserven angewiesen. „Wer Blut spendet, rettet dreimal Leben“, erklärt Baust die drei benötigten Bestandteile: Das Blutplasma ist am längsten haltbar und lässt sich auch einfrieren, die Thrombozyten (Blutplättchen) halten nur fünf Tage, die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) 42 Tage. Darum wird regelmäßig Nachschub benötigt.

Besonders dringend werden Spenden der Blutgruppe 0 Rhesus positiv und negativ benötigt. „Damit kann ich allen anderen Menschen Blut spenden, vertrage aber selbst nur Blutgruppe 0“, sagt Baust über ihre eigene Blutgruppe. Die Blutspende in Corona-Zeiten läuft ähnlich ab, wie sonst – mit dem Unterschied, dass bei den Spendern vor Betreten des Spendenlokals berührungslos Fieber gemessen wird. 37,5 Grad ist der Grenzwert, bei dem man wieder nach Hause geschickt wird.

Während der Spende, die mit einem kleinen Piks am Ohr zur Überprüfung des Hämoglobin-Wertes beginnt, muss ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Größter Unterschied zu sonst – und gleichzeitig eine Verbesserung – ist die vorherige Terminvereinbarung. „Beim letzten Mal habe ich drei Stunden gewartet“, erzählt Klara Oberbörsch aus Siegburg. Die 31-Jährige spendet im Gymnasium Alleestraße zum dritten Mal und freut sich, dass sie dafür nur eine Stunde Zeit investieren musste.

Auch Wolfgang Wegner findet das gut. Der sportliche 75-Jährige aus Königswinter spendet zum 125. Mal Blut. Alle drei Monate ist er dabei – und tut dies auch für die eigene Gesundheit. „Ich fühle mich einmalig danach“, so der junggebliebene Rennradfahrer, der bedauert, dass mit 76 für ihn Schluss ist. „Außer für Sportler ist Blutspenden auch für Blutdruck-Patienten gut“, bestätigt Baust und erzählt von Studien, die belegen, dass der Blutdruck dadurch gesenkt werden kann. Sportler profitieren mit einer Leistungssteigerung von Blutspenden.

Die DRK-Mitarbeiterin bedauert, dass sich diese Erkenntnis noch nicht in den Sportvereinen sowie bei jüngeren Menschen durchgesetzt hat. „Zudem erhält jeder einen kostenlosen Gesundheits-Check“, sagt Baust mit Blick auf die vorherige Blutuntersuchung und das Arzt-Gespräch. Neben dem Arzt sind immer Haupt- und Ehrenamtler für das Gute im Einsatz. „Etwas Gutes zu tun“ ist auch die Motivation von Klaus aus Siegburg. Der 42-Jährige ist gerade in Kurzarbeit und möchte die Zeit sinnvoll nutzen. „Ich mache das gerne nochmal“, sagt er.