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Bonn/Rhein-Sieg-Kreis: Täter nutzte offenen Vollzug für Diebeszüge

Prozess am Bonner Landgericht : Täter nutzte offenen Vollzug für Diebeszüge

Dass er sich im offenen Vollzug der Strafvollzugsanstalt Euskirchen befand, hinderte einen heute 40-Jährigen offenbar nicht daran, sich neue illegale Einnahmequellen zu erschließen.

Der Einbruch in Lohmar dürfte der lukrativste gewesen sein: Mit einer Schubkarre brachte ein heute 40-jähriger Mann aus Hennef einen hundert Kilo schweren Stahlsafe in ein Waldstück hinter dem Haus, in das er gerade eingebrochen war. Der Inhalt: 260.000 Euro in bar, Schmuck und sogar eine Schusswaffe. Wegen gewerbsmäßigen Einbruchdiebstahls muss sich der türkische Staatsbürger jetzt, mehr als sechs Jahre nach den ihm zur Last gelegten Taten, vor dem Bonner Landgericht verantworten. Alles in allem sollen bei den Diebeszügen Bargeld und Wertgegenstände im Wert von rund 350.000 Euro gestohlen worden sein.

Die insgesamt elf Einbrüche sollen laut Staatsanwaltschaft bereits zwischen November 2013 und April 2014 begangen worden sein. Und dazu nutzte der Angeklagte den offenen Vollzug der Strafvollzugsanstalt Euskirchen, in dem er sich im Winter 2013 befand. Dort verbüßte er wegen Betruges und der Beteiligung an einer illegalen Cannabis-Plantage mehrjährige Haftstrafen.

Das hinderte den Mann aber offenbar nicht daran, sich eine neue illegale Einnahmequelle zu erschließen.

Der erste Beutezug soll ihn laut Anklage am 7. November 2013 zu einem Einfamilienhaus in Swisttal-Heimerzheim geführt haben. Neben 4500 Euro Bargeld soll er dort auch noch Schmuck, Uhren und eine Spiegelreflexkamera gestohlen haben. Gesamtwert des Diebesguts: mehr als 10.000 Euro. Weil das offenbar so gut geklappt hatte, machte er sich dann in der Nacht vom 4. auf den 5. Dezember auf den Weg zu einem Einfamilienhaus im benachbarten Weilerswist, wo er im Garten Möbel aufeinander stellte, um das höher gelegene Treppenhausfenster aufhebeln zu können.

Beutezüge im linksrheinischen wie im rechtsrheinischen Kreis

Der Wert des dort gestohlenen Schmucks sowie eines hochwertigen Handys und eines Navigationsgeräts soll immerhin 4000 Euro betragen haben. Im meist vierstelligen Bereich sollen laut Anklage auch die Erträge der folgenden Diebeszüge gelegen haben. Im Bornheimer Ortsteil Brenig musste er nachmittags zunächst eine Überwachungskamera zerstören, bevor er unbemerkt durch das Esszimmerfenster in das Gebäude gelangte. Eine hochwertige Uhr und eine Medaille aus Gold, die er mitnahm, sollen zusammen knapp 7000 Euro wert gewesen sein.

Es folgten Diebestouren im rechtsrheinischen Kreisgebiet: In den Hennefer Ortsteilen Lichtenberg und Uckerath soll der Angeklagte im weiteren Verlauf des Januar tätig gewesen sein. Bei einem Einbruch Ende des Monats in Buchholz war wohl nichts für ihn zu holen; laut Anklage blieb es dort bei dem erfolglosen Versuch, einen im Heizungskeller des Hauses stehenden Waffentresor aufzubrechen.

Es folgte der eingangs erwähnte „Jackpot“ in Lohmar, bevor er im März des Jahres noch in zwei Häuser in Hennef eingestiegen sein soll. Im Rahmen der letzten beiden ihm zur Last gelegten Einbrüche am 15. März in Neunkirchen und am 21. März erneut in Lohmar sollen dem Dieb dann noch einmal 26.000 beziehungsweise knapp 16.000 Euro in die Hände gefallen sein.

Weil dann aber im April die Polizei die Hennefer Wohnung seiner Eltern durchsuchte und dort wohl auch Teile des Diebesguts fand, tauchte der Verdächtige für die kommenden vier Jahre unter. Erst am Silvestertag 2018 konnte die Polizei den Mann schließlich festnehmen.