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Kontakte bleiben bestehen: „Café International“ in Siegburg schließt

Kontakte bleiben bestehen : „Café International“ in Siegburg schließt

Vor drei Jahren hat Ruth Kühn mit einem Team Ehrenamtlicher das "Café International" in Siegburg eingerichtet. Jetzt schließt der Treffpunkt seine Türen. Ab September soll es von einer hauptamtlichen Organisation weitergeführt werden.

Als 2015 die ersten Flüchtlinge nach Siegburg kamen und in der Notunterkunft Turnhalle Neuenhof untergebracht wurden, richtete Ruth Kühn, langjährige Vorsitzende des Kreiskatholikenrats und mittlerweile seit 57 Jahren ehrenamtlich tätig, im Marienheim an der Bambergstraße das „Café International“ als Treffpunkt und Ort des Austausches für Siegburgs Neubürger ein. Nun möchte die 81-Jährige „etwas kürzertreten“ und schließt es. Am Mittwoch öffnete der beliebte Treffpunkt zum letzten Mal unter Kühns Leitung. Mitarbeiter und Gäste bedankten sich mit einer kleinen Feier bei der Initiatorin des Cafés. Ab September soll es von einer hauptamtlichen Organisation weitergeführt werden. Welche das sein wird, konnte Kühn nicht sagen.

Die Bilanz, die die pensionierte Lehrerin zieht, spricht für einen beispielhaften Einsatz mit Leidenschaft von ihr und ihrer rund 15 ehrenamtlichen Helfer. „Uns ging es darum, die Menschen hier ankommen zu lassen, sie freundlich zu empfangen und ihnen erste Hilfestellungen zu gewähren“, berichtet Kühn. Ziel sei es langfristig immer gewesen, neben der Hilfe zur Selbsthilfe auch die Weichen für die Unterstützung der Flüchtlinge untereinander zu stellen.

Ohne die hervorragende Zusammenarbeit mit der Stadt, der katholischen Pfarrgemeinde Sankt Servatius, der katholischen Jugendagentur, dem Sozialdienst katholischer Frauen und natürlich den vielen Freiwilligen wäre das alles nicht möglich gewesen.

Zu tun hat Ruth Kühn genug

„Erst einmal Vertrauen schaffen, danach ging es um die Regelung lebensnotwendiger Dinge wie Hilfe bei der Wohnungssuche, bei der Einrichtung von Wohnungen, bei Formalitäten, Kindergarten, Schule und Sportvereinen sowie Praktikumsplätzen oder Arbeitssuche und natürlich Sprachkursen. Fast 100 Familien konnten wir diesbezüglich helfen“, so Kühn. Nach ihren Worten sind in den drei Jahren rund 3000 Menschen ins Café gekommen, „denen wir zur Seite standen, damit sie sich in der neuen Heimat zurechtfanden“.

Wie schwierig sich das gestaltete und was sie alles lernen musste, schilderte die 21-jährige Syrerin Sham Am Ali, die 2015 zusammen mit ihrer Schwester Batoul (18) und ihrem Bruder Yazan (20) ohne Eltern nach Siegburg kam und im Neuenhof eine erste Bleibe fand. Sie sagte unter anderem: „Wir alle wussten nicht, wie und wo man ein Bankkonto eröffnet, wie man abbuchen lässt, wie und wo der Müll entsorgt wird, wie man eine Monatskarte nach Hennef und Bonn löst, wie man Mitglied in einem Sportverein wird oder wer die Rhenag ist.“ Sham bedankte sich beim gesamten Team: „Sie haben uns mit ihrer Freundlichkeit und Bereitschaft, uns jederzeit zu helfen, überwältigt.“ Kühn wies darauf hin, dass mit der Aufgabe des Cafés die Kontakte natürlich nicht abbrechen würden. „Wir verlieren uns nicht, und sie können mich jederzeit anrufen oder auch zur Sprechstunde an jedem zweiten Donnerstag eines Monats im Treffpunkt am Markt besuchen“, betonte sie.

Zu tun hat Ruth Kühn noch genug. So pflegt sie nach wie vor zu zwölf Flüchtlingsfamilien ein freundschaftliches Verhältnis und unterstützt sie nach Bedarf. So wie auch die 15 Ehrenamtlichen, die bisher im Café mitgearbeitet haben und nun weiter Einzelpersonen oder Familien betreuen. Was war das schönste Erlebnis für Kühn in den drei Jahren? „Dass ein großer Teil der Menschen tatsächlich angekommen und etwas aus ihnen geworden ist“, antwortet Kühn, ohne lange zu überlegen. So wie Sham, die an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg ein BWL-Studium beginnen möchte.