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Beim „Zuzeln“ den Bürgermeister fast erschossen: Comedian Michael Mittermeier in der Rhein-Sieg-Halle

Beim „Zuzeln“ den Bürgermeister fast erschossen : Comedian Michael Mittermeier in der Rhein-Sieg-Halle

Comedian Michael Mittermeier gastierte in Siegburg mit seinem aktuellen Programm „Wild“. Die Gags sind allerdings oft platt, immer wieder geht er unter die Gürtellinie. Wenn er politisch wird, landet der gebürtige Oberbayer allerdings pointensichere Volltreffer.

Eben erst auf der Bühne, schon legt der Mann los. Ständig in Bewegung, auf und ab, kommt vom Hölzchen aufs Stöckchen, macht vor nichts und niemandem Halt, ledert ab, prangert an und macht sich lustig.

Michael Mittermeier, einer der bekanntesten Comedians Deutschland, war am Donnerstagabend zu Gast in der ausverkauften Rhein-Sieg-Halle. Dort präsentierte er sein neuestes Programm „Wild“, mit dem er seit 2015 auf Tour ist.

Das Wort „Wild“ steht in riesigen Buchstaben auf der Bühnenrückwand geschrieben, das „W“ in einem Kreis ähnelt dem Symbol des Anarchismus mit einem eingekreisten „A“. Mit Anarchie hatten Mittermeiers Auslassungen über Gott und die Welt aber wenig zu tun, richtig wild ging es auch nicht zu.

„Was macht uns wild?“, wollte der mittlerweile 51-Jährige wissen und brachte als Beispiel eine öffentliche Toilette mit Lichtschranke. Nach zwei Minuten erlösche das Licht, man habe im Sitzen keine Chance, es wieder anzumachen, weil sich die Lichtschranke außerhalb der Tür befinde. Kann man lustig finden, muss man nicht.

Trump, Merkel und wie man Weißwürste isst

So wie auch die minutenlangen Erklärungen, dass der Deutsche sagt „Leck mich am…“, der Österreicher „Leck einen…“, der Amerikaner „Küss meinen…“ und es bei Götz von Berlichingen „im“ heißt. Mittermeier spielte die verschiedenen Varianten ebenso langwierig wie genüsslich durch. Das Publikum lachte sich schlapp, aber das war nicht wild, sondern unter Niveau.

Der Comedian ließ sich zum Klimawandel, über gutes und schlechtes Klopapier aus, über Donald Trump, „der Mann mit der geföhnten toten Katze auf dem Kopf“ aus und über Wladimir Putin, der eine eigene Rockergang habe. Also stellte der Kabarettist sich eine Kanzlerinnen-Rocker-Armee, die „Hells Angies“, vor.

Richtig witzig war die fiktive Story zu einer wahren Begebenheit. Mittermeier erzählte, wie der Bürgermeister eines kleinen oberbayerischen Orts beinahe von Sicherheitskräften erschossen worden wäre, weil die Scharfschützen die bayerische Sprache nicht beherrschten und Gesten falsch deuteten. So laut Mittermeier beim Besuch von Barack Obama in Krün am Rande des G7-Gipfels in Elmau geschehen, wo der Ortsvorsteher dem Präsidenten gezeigt haben soll, wie man eine Weißwurst „zuzelt“.

Vergnüglicher Abend trotz einiger Schwächen

Mittermeier redete drauf los. Gerade noch zog er die Protagonisten von „Fifty Shades of Grey“ mächtig durch den Kakao, da wechselte er schon zum Thema „Gefährder“, „Terroristen-Azubis“, die es früher nicht gegeben habe. Um die aufzufinden, schlug er eine App wie die Pokémon-Go-App vor.

Michael Mittermeier gehört sicher noch immer zu den ganz Großen. Aber hier fehlten die Spritzigkeit und das Tempo früherer Programme. Manches zieht sich, Gags sind oft platt, immer wieder geht er unter die Gürtellinie.

Wenn er politisch wird, landet der gebürtige Oberbayer allerdings pointensichere Volltreffer. Trotz einiger Schwächen erlebte das Publikum einen vergnüglichen Abend.