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Corona im Rhein-Sieg-Kreis: Inzidenz fällt unter 100

Inzidenz unter 100 : Wie wird der Inzidenzwert im Rhein-Sieg-Kreis ermittelt?

Der Inzidenzwert im Rhein-Sieg-Kreis sinkt wieder unter die Schwelle von 100. Wann fällt die Notbremse weg? Und wie werden die Daten erfasst und ans RKI übermittelt?

Den Sieben-Tage-Inzidenzwert im Rhein-Sieg-Kreis gab das Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen (LZG) am Donnerstag mit 96,9 an. Damit liegt die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner pro Woche erstmals seit dem 11. April wieder unter der 100er Marke. Sind die Ausgangsbeschränkungen damit aufgehoben? Nein, alle Regelungen der sogenannten Bundes-Notbremse fallen erst wieder weg, wenn der jeweilige Grenzwert an fünf Werktagen in Folge wieder unterschritten wird – wirksam wird die Änderung dann auch erst am übernächsten Tag. Da der Samstag als Werktag mitgerechnet wird, würden also erste Lockerungen erst am kommenden Donnerstag greifen.

„Das Land setzt mit einer Allgemeinverfügung die Notbremse ein, und genauso würde sie auch wieder gelockert“, erklärte Kreissprecherin Rita Lorenz. Dem Kreis selbst sind bei Lockerungen die Hände gebunden. Solange wird es also weiterhin die Ausgangsbeschränkungen von 22 bis 5 Uhr geben. Einen Automatismus gibt es nicht.

Fällt die Notbremse weg, ändern sich beispielsweise die Bedingungen beim Einkaufen: Einen negativen Schnelltest müssen Kunden zwar nicht mehr vorlegen, aber dennoch einen Termin online buchen. Lebensmittelgeschäfte dürfen mehr Kunden einlassen: Kleine Läden einen Kunden pro zehn statt 20 Quadratmeter, bei Geschäften mit einer Verkaufsfläche von mehr als 800 Quadratmetern gilt eine Begrenzung auf einen Kunden pro 20 statt 40 Quadratmeter. Und auch Schulen können dann wieder komplett auf Präsenzunterricht umschwenken.

Doch wie sicher sind die Werte, die das Robert Koch-Institut (RKI) aufgrund der vom Rhein-Sieg-Kreis erhaltenen Zahlen veröffentlicht? Der Swisttaler Thorsten Krause und der Siegburger Raymund Schoen von den Linken analysieren die täglich in einem Dashboard zugänglichen Zahlen und werfen dem Kreis „geschicktes Melden“ vor. „Fallmeldungen im RSK wurden um Tage verzögert eingetragen. Dadurch wurde offenbar mehrfach erreicht, dass die Sieben-Tage-Inzidenz 100 nicht überschritten wurde. Damit blieb der Landkreis im Rennen um eine Sonderrolle für Lockerungen“, behauptet Schoen.

Große Schwankungen bei den täglichen Neuinfektionen

Tatsächlich hatte der Kreis über Ostern ein Softwareupdate seines Erfassungstools Sormas vorgenommen. Dadurch kam es, wie berichtet, zu Verzögerungen und Überschneidungen der Daten. Dass Zahlen nachträglich übermittelt werden, ist keine Besonderheit. Das RKI weist darauf hin: „Da in der Regel an den Folgetagen noch Fälle mit einem Meldedatum an einem der Vortage nachübermittelt werden, erhöht sich die Sieben-Tage-Inzidenz bei rückwirkender Betrachtung.“ Krause betont dann aber mit Recht, dass „unvollständige Berichtstage keine Entscheidungsgrundlage“ sein dürfen.

Es fällt in der Tat immer wieder auf, dass es größere Schwankungen bei den Sieben-Tage-Inzidenzzahlen gab. Kreissprecherin Rita Lorenz sagt dazu, dass die Neudiagnosen – also die von den Laboren nach PCR-Testung bestätigten Infektionen –, die beim Kreis täglich eingehen, „starken Schwankungen unterliegen, wenn auch die Gesamttendenz eine erfreuliche Abwärtstendenz aufweist“. Das lässt sich aus den entsprechenden Tabelle ablesen. Lorenz: „Inzwischen werden neu erfasste Positivfälle umgehend, das heißt mehrmals täglich, über das LZG an das RKI gemeldet.“

Lorenz betont, dass nur per PCR-Test erfasste Positivbefunde in die Tagesstatistik einfließen. Die per Schnelltest erfassten Infizierten finden sich darin nicht, da diese bei nachgeholtem PCR-Test ansonsten doppelt erfasst würden. Nach Eingang des Laborbefundes werde ein positiv PCR-Getesteter in Sormas erfasst. Unmittelbar danach erfolge eine anonymisierte Fallübermittlung über das Land an den Bund.

Und wann erfolgt das in der Regel? Lorenz: „Intern werden mittags/nachmittags (dienstags bis donnerstags um 15 Uhr, freitags, an Wochenenden und Feiertagen um 12 Uhr) sämtliche bis dahin eingegebenen Fälle gleichzeitig zu Listen – Meldedaten zur Übermittlung an die Ordnungsämter – zusammengefasst und diese Fallzahlen für die Tagesstatistik aufbereitet.“

Diese in dem Erfassungstool gesammelten Daten fließen Lorenz zufolge in die tagesaktuelle Statistik ein. Alle nach 12 beziehungsweise 15 Uhr eingegebenen Daten werden in der Statistik des Folgetages berücksichtigt, so die Sprecherin, die betont: „Die Fälle werden inzwischen mehrfach am Tag über das Land an den Bund gemeldet. Auch an Wochenenden und Feiertagen.“ Dass da irgendwelche Daten bewusst zurückgehalten würden, diesen Vorwurf weist Lorenz energisch zurück.

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