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Corona im Rhein-Sieg-Kreis: Kein Shopping mit Termin mehr

Corona-Situation im Rhein-Sieg-Kreis : „Click & Meet“ wird ab Montag voraussichtlich aufgehoben

Der Krisenstab des Rhein-Sieg-Kreises entscheidet am Montag über Verschärfungen. Unterdessen beschäftigt ein Ausbruchsgeschehen in einer Flüchtlingsunterkunft die Behörden. Die Finanzierung der Tests in Schulen ist zunächst gesichert.

Auch wenn der Inzidenzwert im Rhein-Sieg-Kreis am Freitag mit 125,8 etwas niedriger als am Vortag lag, beschäftigte die Coronavirus-Situation die Kommunen im Regierungsbezirk Köln. Landrat Sebastian Schuster, der die Lage als „ernst und besorgniserregend“ bezeichnete, bedauerte, dass man sich bei einer Telefonkonferenz mit Regierungspräsidentin Gisela Walsken nicht auf ein abgestimmtes einheitliches Vorgehen habe einigen können. „Unser Meinungsbildungsprozess ist da noch nicht abgeschlossen“, sagte Schuster bei der Pressekonferenz am Freitag. Während Köln und Bonn aufgrund des Anstiegs der Neuinfektionen und des Inzidenzwertes angekündigt haben, die Maßnahmen wieder verschärfen zu wollen, will der Rhein-Sieg-Kreis das weitere Vorgehen am Montag im Krisenstab erörtern und dann eine Entscheidung treffen. Er gehe aber davon aus, dass die Click & Meet-Verfügung, also die Terminbuchung für Geschäfte wieder aufgehoben würde.

„Wenn einzelne Kommunen im Kreis darüber nachdenken, Verschärfungen wie Ausgangssperren einzuführen, können die das machen. Solches Vorgehen sehe ich eher bei urbanen Kommunen wie Troisdorf, Siegburg oder Sankt Augustin“, sagte Schuster. „Rein theoretisch könne er zwar eine Allgemeinverfügung erlassen, halte das aber mit Blick auf ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster nicht für juristisch haltbar: „Pauschale Ausgangssperren würden gerichtlich keinen Bestand haben können“, ist sich Schuster sicher.

Mutanten und Ausbrüche: Der Anteil der gefährlicheren Coronavirus-Mutanten liege mittlerweile bei 79,5 Prozent. In 45 Einrichtungen registrierte das Gesundheitsamt 113 positiv getestete Personen – von insgesamt 1313 aktuellen Neuinfektionen. Die Zahl der Neuinfektionen in urbanen Gegenden steigt indes schneller als im ländlichen Raum. Dass prekäre Wohnverhältnisse Corona-Fälle begünstigen, ist zwar belegt, aber Thomas sieht darin für den Kreis keinen Ansatzpunkt für ein weiteres strategisches Vorgehen. Mit der Software im Gesundheitsamt könne man auch nur „rudimentär“ einordnen, ob Wohnverhältnisse oder besondere Wohngegenden die Ausbrüche begünstigen, sagte Thomas.

Ein größeres Ausbruchsgeschehen bestätigte die Kölner Bezirksregierung in der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) des Landes in Sankt Augustin. Der Sprecherin Vanessa Nolte zufolge ergab eine Testung von 90 Bewohnern 17 positive Ergebnisse, die Ergebnisse von sieben Tests standen am Freitagnachmittag noch aus. Die Testergebnisse der 19 abgestrichenen Mitarbeiter vor Ort seien alle negativ gewesen. Die positiv getesteten Bewohner seien samt ihren Familienmitgliedern ab sofort isoliert untergebracht, sagte sie. Am kommenden Mittwochwerde das Abstrichteam des Gesundheitsamts eine Volltestung durchführen. Wie Ralf Thomas, Leiter der Covid-Fachstelle beim Rhein-Sieg-Kreis, dazu mitteilte, sei das Ausbruchsgeschehen in der Unterkunft gut zu kontrollieren, weil es wenige Kontakte außerhalb des ZUE gegeben habe.

Schulen und Testungen: Ausbrüche gibt es dem Kreis zufolge auch an acht Schulen. Dass durch die Situation das anstehende Abitur gefährdet sei, wie einige Eltern im Kreis befürchten, sieht Kreissprecherin Rita Lorenz nicht.

Unterdessen bestätigte ein Sprecher des NRW-Innenministeriums auf Anfrage, dass die Finanzierung und Lieferung der Schnelltests für die Schulen für die kommenden Wochen gesichert sei. Das Land Nordrhein-Westfalen habe im Rahmen einer Dringlichkeitsvergabe mit der Firma Siemens Healthcare GmbH vertraglich die Beschaffung von 18,6 Millionen Tests vereinbart. „Damit ist zunächst der Bedarf der Kalenderwochen 15 bis 17 abgedeckt. Optional kann der Vertrag bis zur Kalenderwoche 20 verlängert werden“, so der Ministeriumssprecher. Es handele sich um rund 6,2 Millionen Tests pro Woche bei zweimaliger Testung pro Woche für Schülerinnen und Schüler sowie Landesbeschäftigte.

Impffortschritt: Die 14.000 Astrazeneca-Impfdosen für die Sonderaktion Ü-60 sind dem Landrat zufolge innerhalb von nur sechs Tagen verimpft worden. „Diese Impfleistung ist keiner Kommune in NRW gelungen“, so Schuster. Mit Stand Freitag betrage die Summe der Erst- und Zweitimpfungen im Rhein-Sieg-Kreis 134.804. Davon wurden 75.244 Personen im Impfzentrum des Rhein-Sieg-Kreises in der Asklepios-Klinik in Sankt Augustin geimpft. Für die nächsten beiden Wochen soll das Impfzentrum jeweils rund 10.000 Impfdosen geliefert bekommen, überwiegend Biontech und Moderna, sagte Ingo Freier, Leiter des Amtes für Bevölkerungsschutz des Rhein-Sieg-Kreises.

Terminvergabe: Ab Montag startet die Terminvergabe für die Jahrgänge 1946 und 1947. Das teilte das MAGS mit. Alle Einwohnerinnen und Einwohner des Rhein-Sieg-Kreises, die zwischen dem 1. Januar 1946 und dem 31. Dezember 1947 geboren sind, erhalten vom Rhein-Sieg-Kreis ein entsprechendes Informationsschreiben.Im Rhein-Sieg-Kreis sind das 10.226 Menschen, die zu diesen Jahrgängen gehören. Der Erhalt dieses Infobriefes ist aber keine Voraussetzung, um einen Termin zu vereinbaren. Termine können ausschließlich über die Buchungssysteme der Kassenärztlichen Vereinigung vereinbart werden - entweder auf der Website der KV unter www.116117.de oder telefonisch unter der zentralen Rufnummer 0800 116 117 01. Gemeinsame Terminbuchungen für Lebenspartnerinnen und Lebenspartner sind auch diesmal möglich.